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München  |  05.11.2018  |  10:11 Uhr

Medizinstudenten schnuppern Landluft: Hoffen auf "Klebe-Effekt"

von Klaus Tscharnke

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Jeder dritte Hausarzt in Bayern ist älter als 60. Vielen Praxen droht das Aus, vor allem auf dem Land finden sich schwer Nachfolger. Aber das soll sich nun ändern.

Die Entscheidung mag nicht jedem seiner Studienkollegen einleuchten, für Josua Amon ist sie dennoch unumstößlich: Der Medizinstudent ist fest entschlossen, Landarzt zu werden."Spätestens seit meinem Zweiten Staatsexamen ist mir klar geworden, dass ich als Arzt fachlich breit aufgestellt sein will", sagt der 26-Jährige. Auch private Gründe gaben dafür den Ausschlag: Die Stadt sei nicht sein Ding, erklärt er. "Als Mountainbiker und Wildwasser-Kajakfahrer brauch" ich was, wo ich schnell raus kann." Mitte November startet er am Kreiskrankenhaus in Mühldorf am Inn sein Praktisches Jahr; es ist der letzte Abschnitt seiner sechsjährigen Mediziner-Ausbildung.

Amon gehört damit zu den ersten Medizin-Studenten, die von dem Förderprogramm des bayerischen Gesundheitsministeriums "Beste Landpartie Allgemeinmedizin" (BeLA) profitieren, das im Herbst gestartet ist. Gegen die Verpflichtung, später ihre Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in einer ländlichen Region zu absolvieren und dann fünf Jahre dort als Arzt zu arbeiten, winkt jährlich 20 Nachwuchsärzten vom 5. Semester an ein monatliches Stipendium von 600 Euro sowie freie Unterkunft und Verpflegung.

Mediziner aufs Land zu locken ist im Freistaat nötig

Schon früh werden die Medizinstudenten mit der Fachrichtung Allgemeinmedizin, der Arbeit in einer Landarztpraxis und der jeweiligen Region vertraut gemacht. Ein Hausarzt fungiert als Mentor. Hinter dem Konzept steckt die Absicht, möglichst viele in der Region ausgebildete Nachwuchsärzte dazu bewegen, sich dort dauerhaft niederzulassen. "Klebeeffekt" nennen das die Fachleute. Mehr junge Allgemeinmediziner aufs Land zu locken, ist angesichts der dramatischen ärztlichen Versorgung in vielen ländlichen Regionen im Freistaat bitter nötig. Denn: "Jeder dritte Hausarzt in Bayern ist derzeit über 60 Jahre alt", stellte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) fest.

Wird in Bayern bald pro Woche eine Hausarztpraxis schließen?

Und auch für den Vorsitzenden des Bayerischen Hausarztverbandes, Dieter Geis, ist die Lage alarmierend: "Wenn wir die derzeitige Situation nicht stoppen, wird künftig in Bayern wöchentlich eine Hausarztpraxis schließen". Zum Glück beginne sich das Blatt gerade zu wenden. "Inzwischen nimmt die Allgemeinmedizin bei den Medizinstudenten einen wesentlich höheren Stellenwert ein als noch vor 15 Jahren", hat der Ärztefunktionär beobachtet.

Genau auf diesen Stimmungswandel baut das BeLA-Projekt, das derzeit in sieben bayerischen Regionen startet: In den südbayerischen Regionen Mühldorf am Inn und Eichstätt/Kösching, in den nordbayerischen Regionen Forchheim/Ebermannstadt, Kulmbach/Stadtsteinach, Scheßlitz/Burgebrach und dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Zugleich wird das bereits seit 2015 laufende Pilotprojekt in der Region Dillingen unter neuer Projektflagge fortgesetzt. Die guten Erfahrungen in Dillingen hatten Huml veranlasst, die dort erprobte Hausarzt-Ausbildung nun auf weitere bayerische Regionen auszuweiten.

Die Dillinger Erfahrungen stimmen jedenfalls hoffnungsvoll: Von den 14 Nachwuchsmedizinern, die 2015 und 2016 an der Kreisklinik St. Elisabeth ihr Praktisches Jahr und den mit der Klinik kooperierenden Arztpraxen absolvierten, entschieden sich immerhin sechs für den Verbleib in der Region. Alle absolvieren inzwischen eine Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner, berichtet Professor Antonius Schneider von der Technischen Universität München (TUM). Schneider hat als ärztlicher Direktor des TUM-Instituts für Allgemeinmedizin das Dillinger Projekt mit entwickelt. Dagegen ist die von der TUM untersuchte Bereitschaft von Medizinstudenten, die ihr Praktisches Jahr im Großraum München absolviert haben, als Arzt aufs Land zu gehen gleich Null, wie die Befragung einer studentischen Vergleichsgruppe ergab.

Dass es anders geht, dafür steht modellhaft Dr. Roman Ruef. Der junge Arzt, der gerade seine Weiterbildung zum Allgemeinarzt in einer Dillinger Hausarztpraxis absolviert, war einer der ersten, der sich für die Teilnahme an dem Dillinger Pilotprojekt entschied. Von der fächerübergreifenden Mediziner-Ausbildung aus einem Guss an der Dillinger Kreisklinik ist er noch heute begeistert. "Vor allem habe ich dort schon früh Kontakt zu praktizierenden Allgemeinmedizinern bekommen".

Nach seiner Facharztausbildung will er in die Praxis seines früheren Mentors einsteigen. Zudem hat er in Dillingen sein privates Glück gefunden: Seine Frau, Fachpflegekraft für Palliativmedizin, lernte er während seiner Zeit in der Notaufnahme kennen. Inzwischen hat er in einem Dillinger Vorort ein Haus gekauft. "Für das Geld hätte ich in München allenfalls eine größere Garage bekommen".

Auch in Erlangen stößt das BeLA-Prokekt auf Zustimmung

Auf Zuspruch stößt das BeLA-Projekt nach ersten Erfahrungen auch bei Medizinstudenten der Universitätsklinik Erlangen. "Wir haben gerade erst angefangen. Aber für eine erste Informationsveranstaltung über das Projekt haben sich bereits zehn Prozent der Studenten im fünften Semester gemeldet", berichtet Dr. Marco Roos. Pro Semester gibt es in Erlangen rund 180 Medizinstudenten.

Roos ist Leiter des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) und koordiniert das Projekt in den vier nordbayerischen Projektregionen. Die pro Semester zur Verfügung stehenden fünf Stipendiatenplätze sollen in einem Auswahlverfahren vergeben werden. Die Studenten sollen dann im engen Austausch mit den Lehrkrankenhäusern in ihrer Region vertieft in Allgemeinmedizin gefördert werden. − dpa






 

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