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Uni Passau  |  29.06.2018  |  13:51 Uhr

"Inklusion nimmt alle Kinder an wie sie sind"

von Sophia Voss

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"Inklusion und Integration habe ich nicht aus Büchern, Inklusion ist mein Leben" – der Elan, mit dem Prof. Dr. Hans Wocken vorträgt verrät, dass er mit dieser Aussage keineswegs übertreibt. Der Pädagogikprofessor hielt an der Universität Passau im Rahmen der Einführungsvorlesung in die Didaktik des Schriftspracherwerbs einen Gastvortrag zum Thema "Inklusion und inklusive Schule".

Wocken studierte Pädagogik, war lange als Volksschullehrer tätig und absolvierte zusätzlich einen Abschluss in Sonderpädagogik. Er arbeitete als Professor für Lernbehindertenpädagogik und Integration zuletzt bis 2005 in Hamburg. Inzwischen befindet sich Wocken im Ruhestand. Seit den 80er Jahren hat er Schulversuche initiiert und begleitet, geleitet von der Frage "wie können Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund ein gemeinsames partizipatives Leben führen?"
Wocken kritisiert die bayerische Bildungspolitik, mit deren Einstellung zur Inklusion er "merkwürdige Erfahrungen" gemacht hat. Inklusion heiße, Kinder so zu nehmen wie sie sind und nicht sie auszusuchen. In Bayern gebe es keine Form von Integration der schwächeren Schüler innerhalb der gängigen Schulformen, sondern einen gesonderten Schulzweig extra für jene Kinder. Jedoch profitierten laut Wocken auch die stärkeren Kinder vom Miteinander mit den schwächeren: Wenn ein Kind einem anderen etwas erklärt, verstehe es den Zusammenhang dadurch selbst besser. Erklären macht schlau, sagt Wocken. Warum ist Inklusion notwendig? "Inklusion ist Aufgabe aller Erziehung", findet Wocken. Sie sei kein sonderpädagogisches Anliegen, sondern "nichts anderes als eine gute Erziehung". 90 Prozent aller Eltern trieben ihr Kind ab, sobald sie wissen, dass es behindert zur Welt kommen wird. Inklusion jedoch nehme alle Kinder an wie sie sind und fange mit Akzeptanz und Annahme an.
Inklusion sei auch ein Beitrag zur Friedenserziehung. Wocken betont die multikulturelle Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, in der jeder jeden so leben lassen sollte, wie er es sich wünsche. Das so genannte "miteinander Können" bezeichnet er als eine Kardinalkompetenz. Inklusion leiste auch einen Beitrag zur Chancengleichheit. Wocken kritisiert, Deutschland habe eines der sozial selektivsten Schulsysteme der Welt, "Schulen sortieren Kinder nach dem Portemonnaie der Eltern". So habe ein Kind, dessen Eltern Hartz IV empfangen und ein Kind mit ausländischen Eltern nicht dieselben Chancen wie ein Akademikerkind, selbst wenn alle drei den gleichen Intelligenzquotienten besäßen.
Wockens Modell des "Hauses der Vielfalt" mit dem Dach der Inklusion besteht aus drei Säulen, die er den Grundschullehramts-studenten erklärt: Vielfalt der Kinder, Vielfalt des Unterrichts und Vielfalt der Pädagogen. Er spricht sich gegen das Sortieren von Kindern aus und betont: "Jeder Mensch ist etwas Besonderes".






 

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