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Uni Passau  |  23.03.2018  |  14:30 Uhr

Strom für die Ärmsten, aber zu welchem Preis?

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Angenommen, Sie haben pro Tag einen Dollar zur Verfügung. Wie viel davon würden Sie investieren, um Ihr Handy laden zu können? Unter anderem diese Frage hat ein Forschungsteam der Universität Passau und des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen in einer Feldstudie in Ruanda untersucht. Die Studie hat den Best Paper Award der Green Growth Knowledge Plattform erhalten.

"Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Es ist 6 Uhr morgens und Sie wachen mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Sie zünden Ihre Kerosin-Lampe an, ein beißender Geruch verbreitet sich. Gestern haben Sie es gerade noch geschafft, Ihr Handy mit Hilfe der Autobatterie des Friseurs zu laden. Sie mussten dazu 50 Minuten zu Fuß laufen und zehn Cent investieren, obwohl Sie pro Tag nur einen Dollar zur Verfügung haben." Dieses Szenario, das Jörg Peters, Honorarprofessor an der Universität Passau, und Luciane Lenz vom RWI in ihrem Blog-Eintrag "Lighting up rural Africa" beschreiben, dürfte für viele Menschen in Ruanda Alltag sein – jedenfalls für die, die in einem der 15 abgelegenen Dörfer in Ruanda leben, in dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Feldstudie durchgeführt haben. Neben Peters und Lenz waren dies Prof. Dr. Michael Grimm, Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics an der Universität Passau, und Dr. Maximiliane Sievert vom RWI.

Forschungsteam hat für die Studie den Best Paper Award erhalten

Das Forschungsteam hat für die Studie "Demand for Off-grid Solar Electricity: Experimental Evidence from Rwanda" den Best Paper Award auf der Konferenz der Green Growth Knowledge Platform (GGKP) erhalten, die im Hauptquartier der Weltbank in Washington D.C. stattfand. Die Green Growth Knowledge Platform bringt Expertinnen und Experten weltweit zusammen, um Empfehlungen, Daten und Werkzeuge für den Übergang zu einer Grünen Ökonomie zu diskutieren. Beteiligt sind neben der Weltbankgruppe das United Nations Environment Programm (UNEP) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In der Studie kommen die Forscherinnen und Forscher zu dem Ergebnis, dass Elektrizität den Menschen zwar viel wert ist, dies aber nicht ausreicht, um die Kosten für netzunabhängige Photovoltaikanlagen komplett zu tragen. "Die Untersuchung hat klar gezeigt, dass ein rein marktbasierter Ansatz für die Bevölkerung in den entlegenen Gegenden nicht genügen wird", sagt Prof. Dr. Michael Grimm.

Konkret haben die Forschenden 325 abgelegenen Haushalten die folgenden Solarpanels angeboten: 0,5-Watt, um die gefährliche und umweltschädliche Kerosinlampe durch eine Solarlampe zu ersetzen, 3,3-Watt, um auch noch das Handy aufladen zu können, sowie eine 20-Watt-Anlage, die mehrere Zimmer erleuchten könnte, während gleichzeitig das Radio läuft. Stromintensive Geräte wie Fernseher oder Waschmaschinen können mit keinem der Panels betrieben werden.

Die untersuchten Haushalte waren bereit oder fähig, 38 bis 55 Prozent der momentanen Marktpreise für solche Solarpanels zu zahlen. Es entsteht somit eine Finanzierungslücke, die je nach Panel zwischen 8 und 83 Dollar liegt. Im Vergleich dazu würde es zwischen 500 und 1000 Dollar pro Haushalt kosten, um diesen mit Hilfe des Electricity Access Rollout Programms (EARP) an das Stromnetz in Ruanda anzubinden. Letzteres hätte den Vorteil, dass sich für die Haushalte ganz neue Möglichkeiten ergäben: Sie könnten dann auch stromintensive Geräte wie Waschmaschinen oder Fernseher nutzen, tatsächlich sind solche Geräte für die Haushalte aber noch viel zu teuer.

Was also empfehlen die Forscherinnen und Forscher der Politik? "Die Politik sollte mittelgroße Solar-Technologien finanziell unterstützen, um sicherzustellen, dass die Ärmsten der Armen versorgt sind. Zugleich sollte sie in netzgekoppelte Strategien investieren, wenn es sich um Gebiete mit wirtschaftlichem Potential handelt, wo die Nachfrage nach Strom hoch ist und die Wirkung somit ebenfalls hoch sein könnte", schreiben Peters und Lenz in ihrem Blog-Eintrag.

Über die beteiligten Forscherinnen und Forscher

Prof. Dr. Michael Grimm ist Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics an der Universität Passau und international anerkannt als Experte im Bereich der Entwicklungsökonomie. Er hat bereits zahlreiche Feldstudien durchgeführt, die sich mit den Auswirkungen des technologischen Wandels in Entwicklungsländern befassen.

Dr. Jörg Peters ist Honorarprofessor am Lehrstuhl für Development Economics an der Universität Passau und Experte in Fragen des Energiezugangs in Entwicklungsländern. Er leitet zudem die Forschungsgruppe "Klimawandel in Entwicklungsländern" am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Dr. Maximiliane Sievert ist stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe "Klimawandel in Entwicklungsländern" am RWI. Sie forscht zum Verhältnis von Armut und verbessertem Zugang zu Energie-, Wasser- und Finanzinfrastruktur in Entwicklungsländern.

Luciane Lenz promoviert am Lehrstuhl für Development Economics und ist Wissenschaftlerin in der RWI Forschungsgruppe "Klimawandel in Entwicklungsländern". Sie arbeitet in Projekten zur Evaluierung von Entwicklungsmaßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu moderner Energie. -red






 

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