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Uni Passau  |  02.12.2013  |  11:03 Uhr

"Home for Hope": Studentin baut Waisenhaus in Ghana auf

von Niklas Molter

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Im Aufbau: Waisenhaus "Home for Hope" in Gomoa Tarkwa im Süden Ghanas.  − Foto: privat

Im Aufbau: Waisenhaus "Home for Hope" in Gomoa Tarkwa im Süden Ghanas.  − Foto: privat

Im Aufbau: Waisenhaus "Home for Hope" in Gomoa Tarkwa im Süden Ghanas.  − Foto: privat


Was mit einem Freiwilligen-Einsatz in Ghana begann, wurde zum großen Hilfsprojekt: Die Passauer Studentin Larissa Zwinger baut in Ghana ein Waisenhaus. Schon in wenigen Monaten sollen die Kinder in ihr neues Heim einziehen.

"Mit dem Essen hat eigentlich alles angefangen", erzählt Larissa Zwingel. Die 19-Jährige studiert seit diesem Wintersemester Kulturwirtschaft an der Universität Passau. Ihr Abitur hat sie im Juni 2012 gemacht – und daran einen flexiblen Freiwilligendienst in Ghana angehängt, aus dem sich bald das Spendenprojekt "Home for Hope" entwickelte. Sechs Monate arbeitete Zwingel im gleichnamigen Waisenhaus in Gomoa Tarkwa, einem kleinen Dorf im Süden des Landes, eineinhalb Stunden von der Hauptstadt Accra entfernt. Dass es für sie nach Afrika gehen würde, stand schon lange vor Schulabschluss fest: Ihre Familie hat ein Patenkind in Äthiopien, Larissa Zwingel zudem eine Freundin aus Ghana. Außerdem wollte die 19-Jährige "mal ganz raus", wie sie sagt.

Hungrige Kinder, katastrophale Hygiene Womit sie allerdings trotz Vorbereitung nicht gerechnet hatte, war die katastrophale Lage der Kinder im Waisenhaus. Das "Heim für Hoffnung" zählt auch für ghanaische Verhältnisse zu den ärmsten seiner Art. Keine Betten, keine Türen, keine Moskitonetze, kein Wasser und kaum Strom habe es dort gegeben, berichtet Zwingel von ihrer Anfangszeit. Dazu sehr schlechte hygienische Verhältnisse: Einige Kinder waren noch nicht sauber, schliefen allerdings eng beieinander auf einem einzigen Matratzenlager. In Kombination mit dem dreckigen Wasser, das sie verwendeten, breiteten sich so Hautinfektionen oft unter allen Kindern aus. Die Kinder haben beim morgendlichen Waschen häufig vor Schmerzen geschrien, erinnert sich Zwingel an ihre ersten Tage. Schockiert sei sie auch gewesen, wenn Kinder ihr erzählten, dass sie seit dem Vortag nichts gegessen hätten und deswegen nicht zur Schule gegangen seien: "Ich dachte, dass zumindest dafür gesorgt ist, dass genug Essen vorhanden ist."

Zwingel begann, gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Carolin Hoffmann (20) und Katrin Bachleitner (23), beide ebenfalls Freiwillige im Waisenhaus, in der Heimat Spenden zu sammeln. In der Folge fuhren sie mehrfach auf den Markt, kauften dort Essen für mehrere Monate.

Und plötzlich war sie in der Rolle des BauherrnMit der Zeit wuchsen die Spenden immer weiter, sodass sich die jungen Frauen entschieden, ein weiteres Problem anzugehen: Das Waisenhaus gehört einem Mann aus dem Dorf, der nun in das Haus einziehen wollte, das er den Waisen für einige Zeit überlassen hatte. Einen Neubau für ein Waisenhaus gab es bereits. Er lag allerdings brach. Es handle sich um ein "paar Metallstäbe in einem Acker", schrieb Zwingel im September 2012 in ihrem Blog, den sie während des Freiwilligendienstes führte. Der Grund: Geldmangel.

"Ich habe mir die Baustelle angeschaut und mir genau erklären lassen, was in erster Linie gebraucht wird, um überhaupt einmal richtig mit dem Bau anfangen zu können", so die 19-Jährige in ihrem Internet-Tagebuch. Und so fanden sich die drei Freiwilligen in der Bauherrenrolle wieder. Anfangs hatten sie Sorge, über den Tisch gezogen zu werden, wie Zwingel erzählt. Mit der Zeit hätten allerdings auch die westlicher Entwicklungshilfe gegenüber kritisch eingestellten Ghanaer gesehen, dass es den jungen Frauen um etwas Dauerhaftes ginge. Bei den Einkäufen und Planungen selbst waren Zwingel und ihre Mitstreiterinnen stets dabei. "Egal, ob es sich um zwei Schrauben oder einen Laster Holz handelte", sagt die 19-Jährige. Und als weitere Unterstützung Zwingels Gastvater oder der Architekt des Waisenhauses.

Bisher bereits knapp 40 000 Euro gesammeltKnapp 40 000 Euro – circa 30 000 für das neue Waisenhaus und etwa 10 000 Euro für Essen, Krankenversicherungen, Schulgelder und anderes – haben die drei dank der Heimat bisher gesammelt. Zwingel und ihre Mitstreiterinnen hoben das Geld stets selbst ab. Die 19-Jährige hielt die Spender mit ihrem Blog, Rundmails und ihrer Facebook-Seite auf dem Laufenden. "Wir haben die Verantwortung, zu erklären, wo das Geld ankommt", sagt Zwingel.

Als "Samariter" möchten die drei dennoch nicht dastehen. "Hinzufahren mit Geld und dann Respekt einzuholen – darum geht es uns nicht", sagt Larissa Zwingel. Nur weil die Leute in Ghana ärmer sind, seien sie nicht dümmer. "Home for Hope" sei nicht geplant gewesen, es habe sich so ergeben. Aktuell sind im neuen Waisenhaus vier von sieben Schlafzimmern und die Halle komplett fertig. Weil unter anderem die sanitären Anlagen im neuen Heim noch fehlen, hat der alte Hausbesitzer nochmals kurzzeitig Aufschub gewährt. Doch der Umzug soll bald stattfinden.

Regelmäßige Besuche sollen Fortschritt sichernFür die drei Freiwilligen ist das Projekt mit ihrer Abreise Anfang 2013 noch nicht beendet. Zwingel und Hoffmann waren erst im September zu Besuch in Ghana. Bachleitner plant, eventuell im Februar dort zu sein. "Es ist besser, wenn die Abstände zwischen den Besuchen nicht so groß sind", erklärt Zwingel, "auch wenn es schön wäre, zu dritt nach Ghana zu reisen." Denn Geld fließt wegen ihrer Verantwortung gegenüber den Spendern nur, wenn eine der drei Frauen vor Ort ist. Eine feste Kontaktperson in Gomoa Tarkwa fehlt bisher. Mit Blick auf die Zukunft von "Home for Hope" ist Larissa Zwingel allerdings zuversichtlich: "Es hat so gut geklappt bisher." Ob die Zukunft des Projekts beispielsweise in einem eigenen Verein liegt, wird sich dagegen zeigen. "Erstmal das Haus fertig, dann der Papierkram", meint die 19-Jährige.

Aktuelle Informationen zum Projekt "Home for Hope" auf Facebook gibt es hier.






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