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21.07.2018  |  11:30 Uhr

Von wegen "kein Bier vor vier"!

Eine Führung mit dem Brauerei-Auszubildenden Leon Kaunzinger

von Lena Lackermeier

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Ich stehe hinter dem großen Brauereigebäude, vor mir der gigantische Lagerkeller, leichter Hopfengeruch liegt in der Luft. Ein großer LKW fährt gerade aus der Ausfahrt hinaus, vollgeladen mit unzähligen Stapeln Bierkästen. Noch während ich mich frage, ob ich hier richtig bin, kommt mir Leon Kaunzinger entgegen und bietet mir sofort das "Du" an. Er ist 19 Jahre alt und gerade mitten in seiner Ausbildung zum Brauer, was man eindeutig an seiner Kleidung erkennen kann. Obwohl es draußen gefühlte dreißig Grad hat, trägt er eine lange Arbeitshose, einen Fleecepulli mit dem Logo des Landshuter Brauhaus auf dem Rücken und dicke Gummistiefel.

"Natürlich mit Stahlkappen. Wenn dir zum Beispiel mal ein 60-Kilo-Fassl aus der Hand rutscht und auf den Fuß fällt, dann bist du froh über deine Gummistiefel. Ohne Stahlkappen liegst du ansonsten schnell mit einem gebrochenen Fuß im Krankenhaus." Ich betrachte meine hellen Turnschuhe und fühle mich nicht gerade ideal vorbereitet.

Leon 2

Erste Station: das Sudhaus - Lena Lackermeier




Unsere kleine private Führung beginnt im sogenannten Sudhaus. Zwei riesige, kupferfarbene Sudkessel füllen den Raum. Heute sind sie allerdings nicht in Betrieb. "In den Kesseln wird die Würze des Bieres produziert. Wenn das passiert, kann es hier drinnen schon mal bis zu 60 Grad bekommen, da schwitzt du ohne Ende", sagt Leon. Ich bin froh darüber, dass heute alles stillsteht, denn mir ist auch so schon sehr warm.

"Wie viele Liter Bier passen denn in so einen Kessel rein?", frage ich Leon und klopfe auf die glatte Kupferoberfläche. "So circa 200 Hektoliter", lautet die Antwort. Mein fragender Blick bringt Leon wohl dazu, dass er genauer erläutert: "Das entspricht umgerechnet ungefähr 40.000 Flaschen Bier."

Das ist jede Menge, denke ich. Allein die Vorstellung von so viel Bier – das lässt garantiert jedes Studentenherz höherschlagen.

Leon 3

Leon in dem engen, tunnelartigen Gang - Lena Lackermeier




Wir gehen weiter in den Gärkeller, dafür müssen wir erst einige Treppen und einen tunnelartigen Gang entlang gehen. "Du bist ja zum Glück sehr klein, aber ich habe mir hier schon ein paarmal den Kopf angehauen", lacht Leon. Er arbeitet bereits seit zwei Jahren hier im Betrieb, gleich nach der Schule hat er mit seiner Ausbildung angefangen. Alle sechs bis acht Wochen muss er zum Blockunterricht nach München. Nächstes Jahr schreibt Leon voraussichtlich seine Abschlussprüfungen und ist danach gelernter Brauer. Ob er fest übernommen wird, weiß er noch nicht. "Ich bleibe aber auf jeden Fall erstmal noch circa ein halbes Jahr hier im Betrieb, hat der Chef gemeint.

Wie es danach weitergeht, steht noch offen."

Wenn er in Deutschland keinen Arbeitsplatz findet, könnte er sich sogar vorstellen, ins Ausland zu gehen. "Zumindest in den nächsten zehn Jahren. Danach will ich eigentlich schon hier arbeiten, wenn es dann langsam auch um die Familiengründung geht", sagt er.

Mit seinen 19 Jahren ist er im Betrieb mit Abstand der jüngste, die nächstältesten sind bereits über 40. Junge Brauer wie Leon sind sozusagen die Zukunft des Brauereiwesens. Eine Weiterbildung zum Getränketechnologen, Braumeister oder sogar Diplombraumeister könnte er sich in ein paar Jahren gut vorstellen.

"Warum hast du dich für die Ausbildung zum Brauer entschieden?",

will ich von ihm wissen. "Ich habe während der Schulzeit mal ein Praktikum hier gemacht und das hat mir so gut gefallen, dass ich zusammen mit meinem Papa selbst angefangen habe, hobbymäßig Bier zu brauen. Außerdem wollte ich unbedingt etwas mit den Händen machen und nicht einfach nur den ganzen Tag auf irgendeiner Tastatur herumdrücken und Kaffee trinken", erklärt er mir.

"Wie reagiert dein Umfeld darauf, wenn du von deiner Ausbildung erzählst?", frage ich weiter. Leon beginnt zu schmunzeln und sagt: "In der Regel sieht die Reaktion genau so aus: Was? Geil! Wie bist du denn darauf gekommen? Und vor allem: Wie viel Freibier kriegst du da?" 8 Kästen bekommt Leon jeden Monat von seiner Brauerei, egal, ob Bier, Weißbier, Radler oder Spezi.

"Das ist sogar gesetzlich geregelter Haushaltstrunk.

Es kommt dabei nicht auf die Rollenverteilung an, sondern aufs Alter. Bist du unter 16, kriegst du gar nichts, bis 17 kriegst du 26 Liter monatlichen Haustrunk und ab 18 dann 80 Liter im Monat. Meine Freunde finden das natürlich super."

Leon 4

Zweite Station: der Gärkeller - Lena Lackermeier




Im Gärkeller stehen riesige, metallene Behälter und jede Menge Schläuche, Leitungen und Knöpfe. Leon hat den vollen Durchblick und erklärt mir mit leuchtenden Augen, was wofür benötigt wird und durch welchen Schlauch das Bier während des Brauvorgangs fließt. Die im Sudkeller produzierte Würze wird hier mit Hefe vermischt, sodass die Gärung beginnt. Der Zucker der Würze wird dabei in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. Nach einer Woche wandert das sogenannte "Jungbier" schließlich weiter in den Lagerkeller.

"Hier unten arbeite ich am liebsten, weil es so schön kühl ist. Immer so um die 15 Grad, sowohl im Sommer, als auch im Winter, da lässt's sich aushalten." Er hat leicht reden, in seinem warmen Fleecepulli. Ich in meinem kurzen T-Shirt spüre, wie ich anfange zu frieren.

Weiter geht es in den Lagerkeller, in dem es 0-3° Grad hat. Meine Gänsehaut von vorher wird stärker und ich beginne richtig zu zittern. In mehreren Räumen sind große, runde Tanks gestapelt. In jedem davon werden unzählige Liter Bier gelagert.

"Das kannst du dir jetzt bestimmt nicht vorstellen, aber wenn die Tanks leer werden, müssen wir reinklettern und die sauber machen." Tatsächlich kann ich es nur schwer glauben, dass Leon durch die kleine Öffnung in das große Innere des Tanks klettern muss.

Leon 5

Dritte Station: der Lagerkeller - Lena Lackermeier




"Ist das nicht gefährlich?", frage ich ihn. "Und ob. Wenn in den Tanks noch Kohlensäurereste drinnen sind und man die einatmet, dann kippt man um. Kommt dann nicht sofort ein Kollege, der dir hilft, dann endet das tödlich", antwortet er. Ich bin schockiert und starre auf das riesige weiße Ungeheuer vor mir. Leon nimmt die Sache mit Humor und scherzt: "No risk, no fun. Als Brauer musst du einfach was aushalten können, sonst bist du falsch." Um die Stimmung aufzuheitern, kommen wir schließlich zum

"Highlight" unserer kleinen Führung: dem Bier.

Leon nimmt sich einen Krug aus dem Regal und zapft sich frisches Bier aus einem der gigantischen Tanks. Er sieht sehr glücklich dabei aus. Genüsslich nimmt er den ersten Schluck, bevor er mir den Krug zum Probieren überreicht.

Leon 6

Das Highlight: der erste Schluck von frischgezapften Bier - Lena Lackermeier




"Bier ist doch einfach was Schönes! Darum mag ich meine Arbeit auch so gerne. Es gibt zwar immer Tage, an denen es viel entspannter wäre, am Schreibtisch zu sitzen. Aber spätestens nach Feierabend denke ich mir, heute habe ich wieder was geschafft. Und das macht mich zufrieden." Da kann ich ihm nur zustimmen.

Wir sind am Ende unserer Tour angelangt und mit dem angenehmen Nachgeschmack von frischgezapftem Bier in meinem Mund mache ich mich auf den Heimweg.






 

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