Icon Breadcrumb Sie sind hier:




Pflege Titelbild
Artikel Panorama

Die Mission, einen alten Menschen zu pflegen  |  24.01.2018  |  18:00 Uhr

"Wenn man etwas schaffen will, dann schafft man es auch"

von Julia Naumann

Lesenswert (3) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken


  • Artikel 4 / 14
  • Pfeil
  • Pfeil




Ich habe Paula getroffen, eine Frau, die sich der großen Herausforderung gestellt hat, ihren Vater in den eigenen vier Wänden zu pflegen. Die 49-jährige hat mir von ihren Erfahrungen erzählt, wie es ist, die eigene Familie und die Pflege eines alten Menschen unter einen Hut zu bekommen.

Alles ging vor 14 Jahren los. Paulas Eltern trennten sich und ihr Vater lebte von diesem Zeitpunkt an allein im Untergeschoß des großen Hauses, das er selbst gebaut hatte. Im Obergeschoss lebt Paula mit ihrem Mann und den beiden Söhnen noch heute.
"Ab dem Augenblick habe ich mich um meinen Vater gekümmert, weil er jahrelang schwer gearbeitet hat und kein Hausmann war. Er hat sich kaputtgearbeitet. Und als meine Mama gegangen ist, war mein Vater gesundheitlich in keinem guten Zustand." Seine Gesundheit verschlechterte sich immer weiter, bis er nach einer Operation in den Rollstuhl musste. Paula war sich damals ihrer Lage aber noch gar nicht bewusst. "Weil ich mit meiner eigenen Familie so beschäftigt war." Ihre Kinder waren zu diesem Zeitpunkt vier und sieben Jahre alt. "Jetzt würde ich es nicht mehr schaffen, aber wenn man jung ist, hat man so viel Kraft. Wenn man etwas schaffen will, dann schafft man es auch und weil mein Vater auch das Haus gebaut hat, in dem wir leben, wollte ich ihn nicht im Stich lassen."

Bevor Paula die Pflege ihres Vaters komplett selbst übernahm, kam noch eine Weile der Pflegedienst und kümmerte sich um ihn. "Ich habe mir viel abschauen können und dass das auch gar nicht so tragisch ist. Man wächst in die Tätigkeit rein." Weil ihr Vater komplett auf Paulas Hilfe angewiesen war, musste sie den ganzen Tag zu Hause sein. "Am Morgen musste ich ihn waschen, auch im Intimbereich. Das ist am Anfang nicht leicht, deinen eigenen Vater im Intimbereich zu waschen. Beim Anziehen helfen, beim Toilettengang, beim Umsetzen von Bett zu Rollstuhl. Abends habe ich ihm die Füße gewaschen und ihn ins Bett geschafft." Auch Frühstück, Mittag- und Abendessen musste Paula viele Jahre lang nicht nur für ihre eigene Familie, sondern auch für ihren Vater machen.
Die größte Herausforderung dabei? "Dass man immer vor Ort sein muss, weil die Menschen wirklich Hilfe brauchen. Was ich wirklich für schlimm empfand, war nicht die Arbeit, sondern das Da-Sein-Müssen. Wenn ich außer Haus gegangen bin, hatte ich einfach keine Freude, weil ich immer dachte: Ist irgendwas? Braucht er grad deine Hilfe? Und das über viele Jahre."
Wenn die Familie in den Urlaub fahren wollte, war Paulas Vater für zwei bis drei Wochen in einem Pflegeheim. "Zum Glück war mein Vater mit der Tagespflege einverstanden, weil er gerne unter Leuten war, aber es gibt auch Leute, die das gar nicht wollen. Und dann hast du deine Pflegebedürftigen immer daheim." Der alte Mann war nicht nur ein geselliger, sondern auch ein dankbarer Mensch. "Jeden Abend hat er gesagt: Danke was du für mich tust."

Vor neun Monaten starb Paulas Vater schließlich unerwartet. Sie erzählt mir unter Tränen, wie sie sich nach seinem Tod gefühlt hat. "Erleichtert. Keine Trauer, die kam erst später. Ich war direkt glücklich, weil er ein relativ schönes Ende gehabt hat. Niemand hat mit seinem Tod gerechnet und er selbst auch nicht und das freut mich für ihn. Und dass er bis zum Schluss bei geistigem Verstand war."
Paula hat viel aus dieser großen Herausforderung gelernt. "Dass es Sinn macht, wenn man für jemanden da ist, der wirklich Hilfe braucht. Das erfüllt ein Leben. Das vermisse ich jetzt schon, weil er weg ist und die Kinder groß sind, jetzt fehlt mir ein bisschen der Sinn." Im Nachhinein würde Paula nichts anders machen. Sie ist damit zufrieden, wie sie ihre ganz persönliche Mission gemeistert hat.






comments powered by Disqus


Dokumenten Information
Copyright © PNP-Campus 2018
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am




Über Mission Doch Possible




Das Leben steckt voller Herausforderungen. Den einen stellt man sich freiwillig, den anderen nicht. Manche scheinen dabei unlösbar. Doch sind sie das wirklich?

Wir - Juli, Sarah, Nasi, Sonja, Julia und Nadine - wollen das Gegenteil beweisen! Wir stellen uns freiwillig spannenden Challenges, geben euch Hintergrundinfos zum Thema und machen uns auf die Suche nach Menschen, die täglich mit ihren ganz persönlichen Herausforderungen leben.

Begleitet uns, wenn wir beweisen, dass aus einer Mission Impossible eine "Mission Doch Possible" werden kann! Wir wünschen euch viel Spaß!

Folgt uns auf Facebook, Instagram & YouTube.


Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




Limitierte Aktion


Jetzt das Studentenabo der Passauer Neuen Presse bestellen und gratis BIBBAG sichern! [mehr]








realisiert von Evolver