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Von Moritz Miller

Wie muss ein Jagdhund ausgebildet werden, um dem Jäger ein verlässlicher und nutzbringender Begleiter auf der Jagd zu sein und was sind seine Aufgaben? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich einen Jäger und seine Jagdhündin einen Tag lang auf einem Jagdhundtraining begleitet.

Der Jäger und sein Hund

Es ist Samstagmorgen und ich sitze im Auto mit Jäger Burkhard und seiner Jagdhündin Alani. Wir sind auf dem Weg zum Fährtenlese-Training für den Jagdhund. Im November muss sie eine Prüfung in diesem Bereich bestehen, bis dahin wartet noch einiges an Arbeit auf die junge Hündin. Sie gehört zu den ungarischen Vorstehhunden, die auch als "Magyar Vizsla" bekannt sind. Burkhard entschied sich für diese Rasse als Jagdbegleiter, da ihr neben den ausgeprägten Anlagen zum Jagen eine gute Führigkeit und viel Freundlichkeit nachgesagt werden. Dies sind wichtige Eigenschaften, da Alani in ihrer "Freizeit" auch als Familienhund funktionieren muss. Alani fiept fast die ganze Fahrt über aufgeregt, denn sie scheint zu ahnen, dass heute etwas Action auf sie wartet. Nach knapp einstündiger Fahrt kommen wir im Trainingszentrum am Waldrand an. Dort warten schon sechs andere Jäger auf uns. Mit uns ist die Runde vollzählig und der Trainingsleiter beginnt, die anliegenden Aufgaben zu erklären.


- Moritz Miller


Dem Wild auf der Spur

Die Trainingseinheit wird heute aus zwei Aufgaben bestehen: das Verfolgen einer sogenannten Schweißspur und Schleppfährten ziehen. Beim Verfolgen einer Schweißspur arbeiten Jäger und Hund zusammen. Der Jagdhund wird an einer langen Leine vom Jäger geführt und versucht der Schweißspur eines zu jagenden Tieres zu folgen. Die Aufgabe des Jägers dabei ist es zu erkennen, wann sein Hund auf der richtigen Spur ist und ihn in diesem Fall verbal zu bestärken. Genauso muss er merken, wenn der Hund durch äußeren Einflüsse abgelenkt ist und einer falschen Spur folgt. Je besser Hund und Besitzer sich kennen, umso höher ist hier die Erfolgsrate. Bei der Schleppfährte dagegen muss der Hund alleine arbeiten. Dabei wird ein bereits geschossenes Tier etwa 300 Meter durch den Wald gezogen. Der Hund muss danach die Route bis zum Tier nachvollziehen und dieses dann seinem Besitzer bringen, der am Anfang der Schlepproute wartet.

Burkard und Alani werden der Gruppe der Schweißspur zugeteilt. Wir gehen zurück zum Auto, um die Hündin endlich aus ihrem Käfig im Kofferraum zu lassen. Burkard holt eine lange Lederleine aus dem Auto, zeigt sie Alani kurz und legt sie ihr an. Schon beim klingenden Geräusch des Karabiners am Ende der Leine fiept Alani wieder aufgeregt. Allein durch das Geräusch weiß sie bereits, welche Aufgabe sie gleich zu erledigen hat. Man muss darauf achten, solche Abläufe immer gleich zu gestalten. Durch solche Routinen weiß der Hund bereits im Voraus, was auf ihn zukommt. Die zu lesende Spur besteht aus einem Viertel Liter Rinderblut, welche auf einer Strecke von ca. 400 Metern verteilt ist. Schweiß ist nämlich als Teil des Jagdjargons zu verstehen und wird synonym mit Blut verwendet. Am Ende der Spur liegt eine "Decke", auch das ist Teil des Jargons und bedeutet Tierfell. Alani darf starten und beginnt prompt, ihr Herrchen hinter sich durch den Wald zu ziehen. Zielstrebig arbeitet sie sich durchs Unterholz, den Kopf dicht über den Waldboden gebeugt, um auch ja keine Spur zu übersehen. Immer wenn Alani wieder einen Tropfen Blut aufgespürt hat, feuert Burkard sie an weiter zu machen.

Die Übung scheint gut zu verlaufen, Trainer und Jäger wirken zufrieden. Doch auf einmal zögert Alani. Sie hebt den Kopf vom Boden und sieht sich sichtbar hin und hergerissen um, springt auf einmal in eine ganz andere Richtung los. Ihr Herrchen reagiert sofort: Er zieht die abgelenkte Hündin zurück zu dem Punkt, an dem sie zuvor stehengeblieben ist und ruft ihr mehrmals mit lauter Stimme zu. So erkennt Alani, dass die soeben gewitterte Sache eine Ablenkung darstellt und nimmt die richtige Spur wieder auf. Der Rest der Übung verläuft ganz nach Plan und nur kurze Zeit später findet Alani das Tierfell auf einem alten Baumstumpf - die Übung ist geschafft. Dafür bekommt sie ein paar Leckerlies zur Belohnung. Trotz des kurzen Ausreißers hätte diese Leistung voll und ganz zum Bestehen der Prüfung gereicht, stellt der Trainer fest.

Zu wissen, wie der Hase läuft

Die zweite Übung muss Alani nun ganz auf sich gestellt bewältigen. Einer der anderen Kursteilnehmer bindet eine Schnur um die Hinterläufe eines toten Hasen und zieht ihn hinter sich etwa 300 Meter in den Wald hinein - ein durchaus skurriler Anblick, aber zum Jagdgeschäft gehören tote Tiere nunmal dazu. Diese Aufgabe darf nicht vom Herrchen des trainierenden Hundes übernommen werden.Sonst könnte der Hund dem allzu bekannten Geruch seines Halters folgen und der Sinn der Übung wäre dahin. Es ertönt ein gedämpftes "Hopp Hopp" aus dem Wald: das Signal, dass das Tier nun am Ende der Schleppfährte bereit liegt, gefunden zu werden. Burkard lässt Alani von der Leine und schreit "Apport", doch die Hündin ist bereits zwischen zwei Büschen verschwunden und jagt der Fährte hinterher. Jetzt heißt es warten. Minute um Minute verstreicht, wir starren angestrengt ins Dickicht, um vielleicht einen wedelnden Schanz zwischen den Blättern zu erkennen. Kurze Zeit später taucht die Hündin mit dem Hasen im Maul hinter einem Busch auf und kommt auf uns zu gerannt - Aufgabe gemeistert.


- Moritz Miller


Endgegner Fuchs

Die zweite Schleppfährten-Übung hat es allerdings in sich für Alani: Der Ablauf bleibt der selbe, allerdings wird der Hase mit einem Fuchs vertauscht. Und genau hier liegt das Problem: die Hündin verabscheut Füchse. Burkard beschließt deshalb, Alani langsam an das Fuchs-Apportieren heranzuführen und verzichtet auf eine 300 Meter lange Schleppfährte. Stattdessen wird der tote Fuchs in Sichtweite nur etwa 20 Meter entfernt in den Wald gezogen, sodass Burkard den gesamten Verlauf der Übung überwachen kann. Das ist auch nötig: die Fährte zum Köder hat Alani schnell überwunden, doch sobald sie ihn packen und zurück zum Jäger bringen soll, zögert sie. Ein kurzes Schnuppern, ein widerwilliger Schritt nach vorne, dann aber hebt sie den Kopf und blickt in Richtung ihres Herrchens. "Muss ich wirklich?" steht ihr ins Gesicht geschrieben. Doch unter lauten Rufen von Burkard überwindet sie sich schließlich doch, packt den toten Fuchs widerwillig mit den Zähnen und bringt ihn zurück. Für die Prüfung im November ist das noch lange nicht ausreichend.

Ein kleiner Erfolg zum Ende

Die Trainingseinheit für heute ist beendet, die Teilnehmer bringen ihre Hunde wieder zurück in ihre Autos und brechen auf. Nur Burkard, Alani und ich bleiben noch zurück. Da Burkard sich angeboten hat, den Fuchsköder selbst aufzuräumen, ahne ich schon, warum. Er will noch einmal selbst mit Alani die Fuchsschleppfährte üben, diesmal ohne Sichtkontakt und ohne Hilfe. Da er selbst die Fährte nicht legen darf, binde diesmal ich dem toten Fuchs ein Seil um die Beine und ziehe ihn hinter mir her durch den Wald. Nach etwa 40 Metern lege ich den Fuchs etwas versteckt ab und schreie das Jagdsignal "Hopp Hopp" in Richtung Burkard, bevor ich mich in einigem Abstand verstecke.


- Moritz Miller


Aus der Ferne erschallt das schon bekannt "Apport" und Alani macht sich auf dem Weg. Ein paar Sekunden später sehe Ich einen wedelnden Schwanz durch die Farne pflügen: Die Hündin ist angekommen und findet sogleich den Fuchs. Aber erneut zögert sie, schnuppert kurz an dem Kadaver und blickt wieder in Richtung Burkard. Doch gerade, als ich den Versuch für gescheitert halte wendet sie sich wieder dem Kadaver zu, packt ihn mit einem Biss im Nacken und verschwindet in Richtung Burkard. Die Freude ist groß, sowohl bei Burkard als auch bei mir und ganz besonders bei Alani. Bis zur Prüfung im November muss sie zwar noch etwas üben, Burkard versichert mir jedoch, sie sei auf dem besten Weg zum Erfolg. Auf dem Rückweg fiept Alani kein einziges Mal, im Gegenteil: sie schläft fast die ganze Fahrt über. Laut dem Jäger ist die Konzentrationsleistung, die die Hündin heute bewältigt hat, vergleichbar mit 14 Tage durchgängig lernen für eine Prüfung an der Uni. Danach würde ich wohl auch nicht mehr fiepen.






 

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