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Sind mehr Vorschriften und Kontrollen die Lösung?  |  31.05.2018  |  10:00 Uhr

Kampfhunde: Der Gesetzgeber in der Pflicht

von Anna Sophia Boxleitner

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Ein Hundeangriff und zwei tote Menschen als Folge. Die Meinungen zum Fall "Chico" spalten sich. Tierschützer protestierten gegen seinen Tod, denn es sei nicht seine Schuld. Andere wiederum fürchten ein erneutes Unglück.

Knapp zwei Monate sind nun vergangen, dass Chico, der Staffordshire-Mischling, seinen 27-jährigen Halter und dessen Mutter durch einen Angriff tötete. Das Drama war groß. Noch größer war die Meinungsverschiedenheit der Menschen. Um dabei wirklich mitreden zu können, sollte man die Hintergrundgeschichte dieser Tragödie kennen. Denn Chico sollte kein übliches Haustier sein. Der junge Mann hatte ihn zu sich geholt als eine Art Beschützer. Er sollte dafür sorgen, dass sich sein Halter und dessen im Rollstuhl sitzende Mutter sicher fühlen konnten vor dem gewalttätigen Exmann. Doch Haltungsbedingungen waren hier nebensächlich. Laut Nachbarn kam der Hund kaum nach draußen und hatte so auch keinen Kontakt zu anderen Hunden. Im Haus wurde er oft in einen Metallkäfig gesperrt. Nach Aufforderung des Sozialbetreuers jedoch brachte der Halter seinen Hund zu einer professionellen Hundetrainerin. Diese schrieb, nachdem sie den aggressiven, nicht zu bändigenden Hund gesehen hatte, eine Beurteilung an die Behörden der Stadt Hannover. Doch die Behörden und das Veterinäramt schritten nicht ein. Und so kam es, wie es kommen musste. Aufgrund der überforderten Besitzer und den schlechten Lebensumständen verlor der Halter die Kontrolle über seinen Hund.

Solche Tragödien kommen immer wieder vor. Hunderassen wie Pit-Bull, Bandog, Staffordshire Terrier oder Tosa-Inu werden deshalb Kampfhunde genannt, weil sie vor Jahren in Tierkämpfen zur Unterhaltung eingesetzt wurden. Spezielle Eigenschaften wurden gezüchtet, damit sie im Kampf gegen ihren Gegner bestehen konnten. Mittlerweile ist die Züchtung von Kampfhunden in Deutschland verboten. Wieso aber schaffen sich immer wieder Menschen einen solchen als aggressiv vermuteten Hund an? Eine große Rolle spielt natürlich die Ästhetik und die Vorliebe für bestimmte Rassen. Anderen wiederum ist es wichtig, einen Beschützer vor diversen Gefahren im Hause zu haben. Die Liebe zu einem solchen Hund muss auf jeden Fall groß sein, denn bei einem Listenhund (der Gesetzgeber unterscheidet zwischen gefährlichen Hunden, Kategorie I und Hunden, deren Gefährlichkeit ein Wesenstest widerlegen kann, Kategorie II) kommen zusätzliche Kosten auf den Halter zu. Hierzu eine kleine Grafik, die den Unterschied der Kosten zwischen einem "normalen" Hund und einem Kampfhund darstellt.


- Anna Sophia Boxleitner


Zurück zum Fall "Chico". Als ich die Diskussion darum, ob der Hund eingeschläfert werden soll oder nicht, gelesen habe, war ich zuerst der Meinung, man solle ihn weiterleben lassen. Wenn er in die Hände von geschulten Leuten kommt, die mit aggressiven Hunden umgehen können, dachte ich mir, könnte er im Laufe der Zeit wieder normal werden. Doch dann hinterfragte ich meine Einstellung und wollte mir dazu eine fachliche Meinung einholen. So kam ich an Elke Pfeiffer, die eine Hundeschule in Freyung leitet. Sie machte mir klar, dass man Chico nicht mehr helfen hätte können. Erstens würde es sehr lange dauern, um das Vertrauen auf beiden Seiten wieder zu erlangen, da man nicht weiß, was genau der Auslöser des Angriffs war. Er könnte also nie frei herumlaufen. Was wäre das für ein Leben? Und zweitens fehlt für einen Hund in seinem Alter (Chico war ca. 8 Jahre) die Zeit, um ihn wieder zu resozialisieren, denn bis dahin wäre er wahrscheinlich eines natürlichen Todes gestorben.

Wie kann man nun beide Seiten besänftigen? Die beste Lösung wäre natürlich, generell die Wahrscheinlichkeit eines Hundeangriffes so gering wie möglich zu halten.
Hier sollten die Ämter stärker eingreifen. Die bisherigen Verordnungen genügen noch lange nicht. Auf Bundesebene wird lediglich die Hundeverbringung und Einfuhrbeschränkung geregelt und die Tierschutz-Hundeverordnung aufgeführt. Genauere Regelungen in Bezug auf Kampfhunde entscheiden die Länder. In Bayern gibt es beispielsweise nur eine Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit. Hier werden die Rassen aufgelistet, bei denen die Eigenschaft des Kampfhundes vermutet wird. Die Erlaubnis, ob jemand einen "Kampfhund" halten darf, gibt das jeweilige Ordnungsamt der Gemeinde. Die wird jedoch nur unter äußerst engen Voraussetzungen erteilt. Der Halter muss ein berechtigtes Interesse nachweisen, gegen seine Zuverlässigkeit dürfen keine Bedenken bestehen und es dürfen keine Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz drohen. Um diese Erlaubnis zu umgehen, kann bei Hunden der Kategorie II (z.B. Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso) ein Negativzeugnis erworben werden. Hierzu muss durch ein Sachverständigengutachten nachgewiesen werden, dass das Tier keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit aufweist.
Es gibt jedoch keine Regelungen, die vorschreiben, dass diese Kampfhunde mit ihrem Halter regelmäßig kontrolliert werden. Eine jährliche Prüfung, die einen Wesenstest enthält und ein Hausbesuch bei dem Halter durch das Veterinäramt würden die Zahl solcher Unglücke mindern. Aber bis das Rechtssystem solche Lösungen einräumt, werden noch viele Menschen gebissen und einige Hunde eingeschläfert werden müssen.






 

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