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2 Wochen vegan  |  30.05.2018  |  10:00 Uhr

Pflanzenfreund

Ich wollte wissen, was es heisst, auf alles Tierische zu verzichten. Was sind die Vorteile und wo liegen die Schwierigkeiten?

von Carina Gaschler

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Ich starte meinen Selbstversuch relativ unvoreingenommen. Lange Zeit war ich neugierig, wie es wohl sein wird, vegan zu leben. Nun stelle ich mich der Herausforderung.

Der erste vegane Tag - an dem ich schonmal nicht vegan lebte

Unvorbereitet ging ich zu einem Bäcker und bestellte mir aus Gewohnheit einen Capuccino. Während dieser zubereitet wurde, fiel mir ein, erstmal nach einer alternativen Milch zu fragen. An dieser Stelle fing die Miserie auch schon an, denn auf die Frage, ob es Soja- bzw. Hafermilch oder eine Vollkornsemmel ohne Milch gäbe, kassierte ich nur einen dummen Blick. Mit meinem Milchkaffee und einem Buttercroissant ging ich nach Hause und realisierte, dass mein veganes Leben wohl sehr viel mehr Planung bedarf.

Tag 2, also eigentlich Tag 1

Dieses mal würde ich schlauer sein. Ich ging also zu einem Reformhaus, um mich mit sämtlichen Grundnahrungsmitteln neu auszustatten. Nach ungefähr 15 mal der Frage "Darf ich das essen?" verließ ich den Laden ausgerüstet mit Nudeln, Soßen, einigen pflanzlichen Alternativen für Butter, Frischkäse und Milch, sowie rund 35 Euro weniger in meinem Geldbeutel. Ein vergleichbarer Einkauf bei Rewe läge bei ca. 17 Euro.

Anders, aber nicht schlechter

Mit meiner ersten veganen Hauptspeise kam auch schon die erste Erkenntnis. Je schneller man sich verabschiedet von der Idee, dass ein "veganes Soja-Filet" auch nur annähernd schmeckt wie ein paniertes Schnitzel, desto besser. Der Eigengeschmack ließ sich zwar nicht bestreiten, jedoch schmeckte es deshalb nicht schlecht. Nur eben anders.

 "Entschuldigung, ist euer Wein vegan?"

Schwierig wurde es bei dem ersten mal in einer Bar. Obwohl man es vielleicht nicht denkt, sind die meisten Weißweine nicht vegan. Wie genau jetzt tierische Mittel in einem Wein vorkommen, erfahrt ihr hier:

http://www.stern.de/genuss/bioweine/veganer-wein---so-kommt-das-tier-in-den-wein-7083572.html

Sitzt man in einer Kneipe in Niederbayern und fragt nach veganem Wein, kann es schonmal passieren, dass man damit auch die Bedienung leicht irritiert. Ich schließe die Erfahrung so ab, dass ich letztendlich auf ein Helles umsteigen musste.

Auch das Familienessen beim Italiener stellt sich als Herausforderung für mich dar. Wenn jeder um dich herum vor einer Pizza oder Spaghetti Carbonara sitzt, aber man selber gezwungen ist, einen Salat zu essen, kann das schonmal etwas traurig sein. Problematisch ist an dieser Stelle nicht nur das wirklich sehr schmale Angebot, sondern vor allem auch, dass Kellner teilweise nicht mal Auskunft darüber geben können, ob ihre Gerichte vegan sind.

Das größte Problem war tatsächlich die Lieblingsdisziplin eines Studenten: Feiern. Das "Please Refuel" Open Air stand an und um gut gewappnet zu sein, kochte ich mir direkt davor eine große und vor allem vegane Trinkgrundlage. Doch nach 6/7 Stunden Alkoholkosum und Tanzen lässt es sich nicht vermeiden, früher oder später etwas essen zu müssen. Das Festival bot genau eins an, und zwar Hot Dogs. Eisern die veganen Prinzipien einzuhalten, bedeutete in diesem Fall nach einem trockenen Brot zu fragen. Höchstwahrscheinlich beinhaltete auch das Milch, doch es handelte sich schlichtweg um eine Notlösung.

Ich wurde mein eigenes Vorurteil

Tatsächlich dauerte es nur einige Tage und ich erwischte mich dabei, in jeder Situation der Nahrungsaufnahme meinen Freunden zu erzählen, dass ich vegan lebe, wenn auch nur um zu erklären, warum ich nicht mitessen konnte oder wir deshalb woanders hingingen. Der Teil, bei dem ich anschließend versuchte, meine Mitmenschen vom Geschmack der veganen Ernährung zu überzeugen, war theoretisch nicht notwendig aber kam häufig vor.

Selber zuhause vegan zu kochen war leichter als gedacht. Es gibt ein großes Angebot an pflanzlichen Alternativen für Butter, Frischkäse oder sogar Mozarella, die einwandfrei schmecken. Zu experimentieren und neue Produkte zu testen, ließ die Ernährung vielseitiger aussehen, als ich oder die meisten meiner Mitmenschen gedacht haben. Enttäuschend dagegen war auswärts zu essen oder auf den Döner nach einem Abend im Cubana zu verzichten.

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Finanziell war der Versuch für 2 Wochen natürlich machbar, doch auf längere Zeit wird der Veganismus für den Geldbeutel eines Studenten dann doch etwas schmerzhaft. Abgesehen davon, dass ein Rewe nicht die beste Auswahl hat und man auf Bioläden oder Reformhäuser angewiesen ist, die nicht immer in der Nähe sind, zahlte ich im Schnitt in den vergangenen 2 Wochen rund das Doppelte für meine Verpflegung.

Was sagt der Körper dazu

Ich merkte, wie mein Körper auf die Umstellung reagiert. Extrem war, dass in nur wenigen Tagen meine Verdauung angekurbelt wurde und mein Körper entschlackte. Mahlzeiten sättigten mich gefühlt mehr und auch länger. Von der mentalen Veränderung, die wohl so manche Veganer behaupten, merkte ich persönlich nichts.

Fazit:

Ich halte es für sinnvoll, sowohl den Fleischkonsum als auch Milchprodukte für mich persönlich zu reduzieren. Insbesondere Produkte, die mich geschmacklich positiv überrascht haben, werde ich in Zukunft anstelle der tierischen Variante verwenden, da ich für meinen Körper einen positiven Effekt wahrgenommen habe. Jedoch finde ich es völlig legitim, bei gemeinsamen Essen mit Freunden oder Familie sich auch die klassische Pizza Margharita zu gönnen, anstatt lustlos einen Salat  zu essen.

Vorschläge für vegane Gerichte

Vorschläge für vegane Gerichte | https://piktochart.com/

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Grundsätzlich kann ich an dieser Stelle jedem empfehlen, eine vegane Ernährung für sich selber auszuprobieren. Für diejenigen, die Interesse und Lust haben, findet ihr hier eventuell ein paar "Esspirationen".

Weitere Infos zu veganer Ernährung gibt es unter anderem hier:


http://vebu.de/






 

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