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16.06.2018  |  10:30 Uhr

Feucht fröhlich mit Beate Uhse

von Charlotte Illner

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Das Gebäude, in das ich gleich reingehen werde, strahlt weiß und wirkt unschuldig durch den Stuck, der an der Fassade zum Vorschein kommt, aber der Schein trügt. Ich steige die 101 Stufen in den 4. Stock hinauf und trete in die Wohnung der legendären Beate-Uhse-WG ein. Aber wieso überhaupt Beate Uhse? – In dem Gebäude nebenan war früher ein Beate-Uhse-Laden, welcher schon im Jahr 1990 bei der allerersten WG dieser Wohnung bestand. Dieser Name ist bis heute erhalten und wird wahrscheinlich noch viele Jahre bestehen bleiben, da die WG von Generation zu Generation nur an Freunde und "interessante" Leute weitergegeben wird, die diese Tradition in Ehren halten.

Ich blicke in einen langen Flur, vollgestellt mit Wäscheständern, einem Zeitungsständer, viel Alkohol, einem Bierpongtisch und Unmengen von Schuhen. Das typische WG-Flair, alles wirkt irgendwie wild und abenteuerlich, was durch Lichterketten noch verstärkt wird. Ich laufe den Flur entlang, lunze in die verschiedenen Zimmer der sechs Bewohner und gelange am Ende des Ganges in die Küche.


- Charlotte-Marie Illner


Dort warten schon Leonie, Pauline, Jule, David und Jonas auf mich. Alle euphorisch, mich über ihr Ereignis des Jahres aufzuklären, die "Beate Uboot-Bootsparty"! Der Plan: Trashmusik, Freunde und Freundesfreunde, ganz viel Spaß und, was natürlich nicht fehlen darf: Ein Bällebad! Das Motto: Kommune, was auch immer man darunter verstehen mag. Und der ganze Spaß für nur 22€.

Die fünf erklären mir, dass die erste WG-Bootsparty wortwörtlich eine Schnapsidee war. Die Wohnung ist zu klein (das Optimum waren 250 Leute in der ca. 180qm² WG), der Vermieter war genervt und die Polizei war auch schon zu oft zu Besuch. So wurde aus dem Running-Gag Realität. Die Veranstalter der Beate U-boot Party werden durch die Planung, Organisation und den Verkauf der Bändchen ganz schön zusammengeschweißt, auch wenn es verschiedene Ansichten und Meinungen gibt, schadet das nicht dem Zusammenhalt der sechs Freunde, ganz im Gegenteil.

Dies wird mir direkt bestätigt, denn als ich frage: "Was macht für euch ein Zuhause aus?", kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Die Menschen, die da wohnen, sonst wär‘s nur ein Dachgiebel."


- Charlotte-Marie Illner


Jeder hat seine eigene Verkaufsstrategie, die verschiedenen Specials, die jeder Mitbewohner individuell an die Käufer gibt, sind nicht gut abgesprochen. Mal bekommt man ein Shot gratis, wenn man das Bändchen direkt an den Arm macht, mal gibt es 2 Karten gratis, wenn man 30 Tickets auf einmal kauft. Es ist eher Glückssache, an welchem Tag man an welchen Verkäufer gerät. So wie ich die Bewohner einschätze, ist es bei ihnen aber viel mehr der Charme, der Humor und die Energie, die die Kasse klingeln lassen. Und man merkt, dass die Verkaufsstrategie egal ist, denn die sechs haben es tatsächlich geschafft fast ausverkauft zu sein! Mit etwas Glück kann man heute und morgen noch die letzten Karten bei der Rasselbande ergattern.

Das Logo auf dem Bändchen der Beate U-boot sind Karotten und Orangen. Ich frage nach, warum denn Karotten und Orangen darauf zu sehen sind, worauf ich als Antwort bekomme, dass David immer, wenn er betrunken war, in Gemüse aller Art 1-2 Mal reinbiss und es dann einfach wieder in den Kühlschrank legte, bis es irgendwann zur Tradition wurde und jetzt alle immer betrunken zusammen Karotten essen. Orangen sind auf dem Logo, weil es morgens in der WG zum Katern immer frisch gepressten Orangensaft gibt.

Ich frage den wilden Haufen, was denn ihre witzigsten WG-Erlebnisse bisher waren und alle sind sich nach kurzem Überlegen einig, obwohl es doch eigentlich so viele gab. Es war die erste gemeinsame WG-Party, die sie geschmissen haben. Es gab zwei Dancefloors mit DJs, einen Raucherraum, im Flur wurde Bierpong gespielt und die knapp 250 Gäste tummelten sich überall in der Dachgeschosswohnung herum. Der ganze Spaß ging bis 7 Uhr morgens, als die Polizei vor der Tür stand. Sie wurden angezeigt wegen Ruhestörung und am nächsten Tag stand sogar ein Bericht inklusive Bildern in der Zeitung. Trotzdem sind alle noch ganz tiefenentspannt, wenn mal wieder die nächste Party ansteht.

Auf die darauffolgende Frage, was sie später alles ihren Kindern erzählen werden, antwortet Pauline ohne nachzudenken und unter herzlichem Lachen: "Nur die Hälfte!"

Ein weiteres witziges Erlebnis der Beate-Uhse-WG war eine Feuerwehrübung, welche in ihrem Haus vollzogen wurde. Der Vermieter ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und stellt gerne das Haus für Übungen zur Verfügung. Die sechs Bewohner mussten sich alle auf dem Dach versammeln. Dabei galt die Vorgabe hysterisch zu sein, um den Ernstfall so genau wie möglich nachzuahmen. Sie wurden jeweils einzeln von sieben Einsatzwägen mit einer Hebeanlage gerettet, währenddessen sich vor dem Haus eine große Menschentraube bildete und alle gespannt zuschauten. Die Aktion betitelten sie voller Stolz mit #beatebrennt.

Ich bin beeindruckt von den ganzen Geschichten, die mir aufgetischt werden und die ich hier auch gar nicht alle erzählen kann, geschweige denn darf, und frage in die Runde, wie sie sich ihr WG-Leben früher vorgestellt haben. Die Antwort darauf kommt ziemlich locker: "Eigentlich so wie jetzt, nur nicht ganz so krass."

Nach 2 ½ Stunden schaue ich das erste Mal auf die Uhr und bin erstaunt, wie schnell die Zeit verflogen ist. Abschließend soll die WG noch preisgeben, was in ihrem Haushalt nicht fehlen darf. "Berliner Luft und Karotten." Ich muss lachen, kurz und präzise und sehr sympathisch.

Eine WG, wie sie in Buche steht, alles erinnert mich etwas an die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf, zusammengefasst in einer Dachgeschosswohnung. Jeder kann tun und lassen was er möchte, und zu entdecken gibt es hier auch jeden Tag etwas Neues.

Als ich die 101 Stufen wieder zum Ausgang hinabsteige, freue ich mich schon darauf, die sechs mal in Aktion zu sehen! AHOI!


- Charlotte-Marie Illner




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