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10.07.2018  |  10:00 Uhr

Eine WG für Erwachsene - das Wohnprojekt Donauvilla Jochenstein

von Maria Lederer

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Alternatives Wohnen im Landkreis Passau – Die entstehende Hausgemeinschaft am Jochenstein in Untergriesbach zeigt, wie spannend und bunt ein soziales Zusammenleben mehrerer Generationen aussehen kann.

Blick auf die kleine Felseninsel Jochenstein

Blick auf die kleine Felseninsel Jochenstein - Maria Lederer


Helle Fenster mit Blick auf die Donau, direkt zur Felseninsel Jochenstein, draußen ein großer Garten, die bunte Hängematte, die durch den Wind schaukelt – die Donauvilla Jochenstein ist ohne Zweifel ein malerischer Ort. Hier soll nun eine neue Form des Zusammenlebens entstehen, eine Art Wohnprojekt, das, wie von den künftigen Bewohnern beschrieben, "verbindlicher als eine gute Nachbarschaft" werden soll und dabei "doch weniger eng und verpflichtend, als eine familiäre Beziehung". Visionärin und Initiatorin ist Zuzana Sebkova-Thaller, die zusammen mit Sohn Tristan und dessen Familie schon seit langer Zeit von einer sozialen Hausgemeinschaft geträumt hatte.

Initiatorin und Eigentümerin Zuzana

Initiatorin und Eigentümerin Zuzana | Donauvilla Jochenstein, Fotograf: Tristan Thaller

Initiatorin und Eigentümerin Zuzana - Donauvilla Jochenstein, Fotograf: Tristan Thaller


Zuzana, promovierte Kunsthistorikerin und Qigong-Ausbilderin, war Anfang 2017 eher zufällig auf die Immobilie im Passauer Landkreis gestoßen, nachdem sich die Suche nach einem geeigneten Haus zuvor auf das Münchner Umland beschränkt hatte. Bei der Besichtigung der Donauvilla kam Zuzana die fast mystische Umgebung vor wie ein Déjà-vu. "Auf einer Studienreise hatte ich auf einer Bootsfahrt schon einmal diese Gegend gesehen und war damals schon hin und weg. Das Wasser, der Nebel, die grünen Ufer. Es war traumhaft", erzählt sie. Angesteckt von Zuzanas Enthusiasmus besuchten kurz darauf Sohn Tristan und Partnerin Hannah mit den gemeinsamen Kindern die Donauvilla und stellten fest: "Das ist es. Hier können wir es uns vorstellen, zu leben und unsere Kinder großzuziehen."

Viele junge Familien stehen vor der Frage, wo die Kinder einmal aufwachsen sollen. Der Wunsch nach einem Wohnkonzept, das auf individuelle Bedürfnisse eingeht und dabei ein gemeinschaftliches, wertschätzendes Umfeld schafft, ist mehr als verständlich. Immer mehr solcher Hausgemeinschaften finden sich zusammen, Jung und Alt, Singles und Pärchen, Familien und Einzelpersonen. Die Idee dahinter ist simpel: Der Einzelne soll von der Gemeinschaft profitieren, jeder soll sich einbringen und dadurch Vielfalt schaffen. "So eine Art des Wohnens kann einer Gruppe sehr gut tun, man kann voneinander lernen und zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen. Das schweißt automatisch zusammen", meint Tristan. Im Grunde könne man sich das Ganze vorstellen wie eine WG, "bloß erwachsen". Man hilft sich gegenseitig beim Babysitting oder kümmert sich gemeinsam um das Haus und den Garten.

Dabei soll die Möglichkeit bestehen, auch über den Alltag hinaus reichende Synergien zu schaffen, beispielsweise auf beruflicher Ebene. Zuzana macht dabei den Anfang und wird ihr Qigong-Ausbildungszentrum nach Jochenstein umziehen, um dort Seminare und Ausbildungen zu leiten. Raum zu Entfaltung gibt es mehr als genug: Seminar- und Gemeinschaftsräume, eine Praxis oder ein Musikzimmer sind denkbare Optionen. Tristan ist offen für neue Ideen, entscheidender ist für ihn das Zwischenmenschliche. "Es ist immer spannend, wer sich meldet. Bei jeder Anfrage spinnt sich eine Art Idee oder Vorstellung, wie das Zusammenleben vielleicht aussehen könnte und was daraus werden kann."

Freund und Interessent Marius mit Tochter Mara, Tristan mit Tochter Nora, Hannah mit Baby Jovin und Elion (v.l.)

Freund und Interessent Marius mit Tochter Mara, Tristan mit Tochter Nora, Hannah mit Baby Jovin und Elion (v.l.) - Maria Lederer


Tristan und Hannah sind beide Anfang dreißig und haben zusammen mit ihren drei Kindern Elion, Nora und Jovin bisher in München gelebt. Tristan arbeitet in einer Münchner PR-Agentur und wird vorerst an drei Tagen pro Woche pendeln. Hannah ist studierte Innenarchitektin, wird aber bald als ausgebildete Doula in der Geburts- und Frauenbegleitung tätig sein. Zuzanas Partner Karl, Theologiedozent und Trainer für Kairologie, wird ebenfalls in der Donauvilla leben. Nächstes Jahr wird im Obergeschoss Familie Schindler einziehen. Das sind Stephi, die im Montessori-Bereich tätig ist, Michael, Erzieher und Student, sowie die beiden Kinder Lara und Frederik. Da Zuzana die Eigentümerin des Hauses ist, bestehen keine gemeinsamen Eigentumsverhältnisse, sondern ein Mieter-Vermieter-Verhältnis. Das Wohnprojekt verfolgt keine ideologischen Ziele, sondern ist vielmehr ein Zusammenschluss aus Menschen, die eine gemeinsame Vision für das Zusammenleben haben.

Das dreigeschossige Haus bietet insgesamt Platz für acht Wohnungen, die alle zwischen 65 und 140 Quadratmetern groß sind, über Bad und Küche verfügen und dieses Jahr grundsaniert wurden. Der Garten bietet viel Platz zum Grillen, zum Gemüseanbau oder zum Toben - neben einem Sandkasten ist auch ein Pool geplant. Die Geschichte des Hauses ist ebenso einzigartig wie interessant: In den 1950er Jahren ursprünglich als Hotel gebaut, wurde es bald vom nahegelegenen Kraftwerk gekauft und die Zimmer als sogenannte "Ledigenzimmer" an Mitarbeiter des Kraftwerks vermietet. Über die Jahre wohnten hier Familien, Praktikanten des Kraftwerks, zeitweise wurde sogar eine Metzgerei und eine Milchbar betrieben. So kamen auch zum "Tag der offenen Tür" des Wohnprojektes im Juni einige frühere Bewohner des Hauses, die sich freuten, dass, nachdem das Haus zuletzt drei Jahre leer gestanden hatte, wieder neues, buntes Leben einziehen wird.

Die Donauvilla Jochenstein

Die Donauvilla Jochenstein - Maria Lederer


Das Umfeld von Tristan und Hannah reagierte mit Bewunderung, als die Beiden von ihrer neuen Form des Zusammenlebens erzählten. "Viele Freunde, besonders solche, die selbst Kinder haben, können sich auch vorstellen, in einer Hausgemeinschaft zu wohnen und sind an der Idee des gemeinschaftlichen Lebens sehr interessiert." Als junge Familie gehe es weniger um das Nachtleben oder das kulturelle Angebot, sondern mehr um die Überlegung, welche Umgebung auch für die Kinder schön wäre und wie man das Zusammenleben gemeinschaftlicher gestalten könnte. Vier der insgesamt acht Wohnungen sind bereits vergeben und immer mehr Leute zeigen Interesse. Dadurch würde das Wohnprojekt greifbarer, meint Hannah. "Vor zwei Jahren war es noch eine große Utopie. Jetzt, wo Haus und Wohnungen fertig sind und die ersten Mitbewohner kommen, konkretisiert sich das Zusammenleben."

Das Haus am Jochenstein und die dort entstehende Wohngemeinschaft zeigt, wie eine andere Form des Zusammenlebens aussehen kann. Besonders in einer Zeit, in der Immobilienpreise oft ins Unermessliche steigen und in der sich viele Menschen auch bewusst für eine nachhaltige, gemeinschaftliche Wohnvariante interessieren, demonstriert ein Wohnprojekt wie dieses den Mut zum Anderssein. Hier wird die Vision einer offenen, toleranten und rücksichtsvollen Gemeinschaft geschaffen, die keinem bestimmten Dogma folgt, sondern vielmehr die Lebensqualität aller Bewohner durch die Unterstützung Einzelner verbessern soll. Besonders großgeschrieben wird hier eine ökologische Grundausrichtung, ein reflektiertes Bewusstsein und die Vielfalt der Bewohner.






 

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