Icon Breadcrumb Sie sind hier:




12.06.2018  |  11:00 Uhr

"Die schillernde Schuhschachtel"

Ein Besuch in einer kleinen Wohnung mit großem Potential.

von Lukas Kick

Lesenswert (8) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken


  • Artikel 2 / 6
  • Pfeil
  • Pfeil




Es ist heiß, als ich das Haus in der Heilig-Geist-Gasse betrete – gefühlte 50 Grad. Ich gehe in einen kleinen Aufzug und drücke die Taste für den vierten Stock. Ich bin auf dem Weg zu Jerome, einem Bekannten von mir, der hier wohnt. Aber was ist so großartig aufregend an seiner Wohnung? Genau das Gegenteil – sie ist sehr klein. Zwar ist es für Studentenwohnungen nicht ungewöhnlich, nur ein Zimmer zu haben, meistens ist dieses dann aber etwas größer. Die Wohnung von Jerome hat aber gerade einmal 18 Quadratmeter, das Bad bereits mit eingerechnet, und eine Dachschräge. Daher stellt sich die Frage: Wie lebt es sich mit so wenig Platz?

Der Aufzug hält und ich komme in einen kurzen Gang, von dem mehrere Türen abgehen. Von außen sehen zunächst alle Eingänge gleich aus, bis auf die unterschiedlichen Fußmatten. Ich bleibe vor einer Snoopytürmatte stehen und klopfe. Kurz darauf öffnet mir Jerome, begrüßt mich freundlich und bittet mich herein. Wir gehen in seine Wohnung. Der Raum ist länglich gestaltet, sodass man das Gefühl bekommt, in einen weiteren Gang statt in eine Wohnung gekommen zu sein. Bereits auf den ersten Blick kann man sehen, was sich alles in der Wohnung befindet: Eine kleine Küchennische, zwei kleine Regale, auf denen Bücher und andere Unisachen zu erkennen sind, zwei Tische und ein Bett. Alles wirkt zunächst sehr spartanisch und überschaubar. Überraschenderweise kommt mir der Raum aber nicht eingeengt vor. Ganz im Gegenteil. Man kann die ganze Wohnung überblicken, die sehr aufgeräumt und gut sortiert wirkt. Nach einer kurzen Wohnungstour, die aus drei Schritten zum Fenster und zurück besteht, setzen wir uns an den Küchentisch.

Jeromes kleine Wohnung

Jeromes kleine Wohnung - Lukas Kick


Auf die Frage, wie es ist, in einem kleinen Zimmer zu leben, antwortet Jerome: "Am Anfang war es schon eine Umstellung, da mein Zimmer zu Hause deutlich größer war als jetzt die gesamte Wohnung. Aber im Großen und Ganzen kann man sich damit problemlos arrangieren. Vor allem hat man den Vorteil, dass man weniger putzen muss."

Kreativität schafft Platz – Möbel zu groß? Do it yourself!

Aber wie schafft man es, den wenigen Platz, den man zur Verfügung hat, am besten zu nutzen? Schließlich muss man in der Wohnung kochen und arbeiten können, gleichzeitig ist sie aber auch Rückzugs- und Entspannungsort. Jerome meint, der Schlüssel dazu sei Kreativität: "Wenn es keine Möbel in der passenden Größe gibt, muss man eben selber welche bauen". Außerdem sei es ideal, wenn die Möbel gleich mehrere Verwendungszwecke haben. Sein Bett lässt sich sowohl als Couch, als auch als Bett nutzen.

"Ich habe die Einrichtung von meinem Vormieter gesehen. Da standen ein großer Schrank, ein normaler Schreibtisch und das Bett in der Wohnung. Damit war der Platz gleich aufgebraucht und man hatte das Gefühl, eingeengt zu sein." Jerome selbst hat sich für eine andere Raumaufteilung entschieden. Der Küchentisch, an dem wir sitzen, hat zum Beispiel gleich mehrere brauchbare Gimmicks. "Wenn in der Horizontalen kein Raum ist, muss man eben in die Vertikale gehen", sagt Jerome.

Selbstgebauter Küchentisch

Selbstgebauter Küchentisch - Lukas Kick


Der Küchentisch hat mehrere Kisten als Ablagefläche, ein Gewürzregal und einen Geschirrhalter – sozusagen ein Multifunktionsteil. Die Konstruktion hat Jerome aus einer Holzplatte und mehreren Ikeateilen selbst zusammengebaut: "Mit einem Bohrer und ein bisschen Holz lässt sich da schon einiges machen." Die Tischplatte hat er selbst auf die ideale Größe zugeschnitten, die Kisten und das Gewürzregal sind von Ikea und die Befestigungsstützen an der Wand sind eigentlich von einem Regal. Auch der Schreibtisch ist Marke Eigenbau. Ebenfalls aus einer zugeschnittenen Holzplatte und Tapeziertischstelzen. "Wichtig ist, dass man vorwiegend helle Möbel und Materialien verwendet, so bekommt man das Gefühl, der Raum sei größer. Da macht es dann auch nicht so viel aus, wenn man ein paar dunkle Teile mit dabei hat", erzählt Jerome weiter. Als letztes erwähnt Jerome noch die Belichtung: umso heller, umso größer wirkt der Raum. "Eng wird es hier nur, wenn mehrere Leute in der Wohnung sind", sagt Jerome, "aber in der Regel treffe ich mich mit meinen Freunden irgendwo in der Stadt oder an der Uni."

Kleine Wohnung - kleine Nachteile

Aber es gibt natürlich auch Nachteile, wenn man nicht zu viel Platz zur Verfügung hat. "Ein paar kleinere Abstriche muss man schon machen. Mir zum Beispiel fehlt eine normalgroße Küche. Mit nur zwei Herdplatten und einem kleinen Kühlschrank ist das schon mal manchmal etwas anstrengend, wenn man gerne kocht." Vor allem der kleine Kühlschrank ist nicht der Idealzustand, meint Jerome, da er dadurch mehrmals in der Woche zum Einkaufen gehen muss. Auch riecht es in der ganzen Wohnung mehrere Stunden nach dem Essen, dass man kurz davor noch gekocht hat. "Das ist aber eher Jammern auf hohem Niveau", meint Jerome.

Was allerdings ein wirkliches Problem darstellt ist das Raumklima. Dieses fällt teilweise, aufgrund der Raumgröße, ziemlich extrem aus. Auch mir ist gerade sehr warm, bei einer Zimmertemperatur von knapp 27 Grad kein Wunder. "Durch die Lage im Dachgeschoss und die fehlende Möglichkeit zu lüften, wird es im Sommer ganz schön heiß hier oben", erzählt Jerome. Im Winter ist es genau umgekehrt, da muss man ordentlich einheizen, dass man nicht friert. Auch die Luftfeuchtigkeit im Bad tut ihr übriges und sorgt vor allem im Sommer für drückende Luft. "Da wäre ein kleiner Balkon schon manchmal ganz praktisch, aber die Stadt und der Inn liegen ja direkt vor der Haustür", sagt Jerome.

Alles in allem Überwiegen aber die Vorteile. Man hat nicht viel Fläche, die man sauber halten muss und man beschränkt sich auf die wichtigen Dinge in der Wohnung: "Wenn man nur drei Schübe hat, kann man nicht viel unnötigen Kram rumliegen haben, sonst bekommt das ganze schnell einen ‚Messitouch‘." Für Jerome ist Disziplin das Wichtigste in der kleinen Wohnung. Er meint, wenn man weiß, wo die Sachen aufgeräumt sind und alles übersichtlich hält, braucht man deutlich weniger Raum. Tatsächlich fällt mir auf, dass jeder Gegenstand seinen Platz hat, was die Wohnung sehr übersichtlich scheinen lässt.

Kleines Zuhause

Kleines Zuhause - Lukas Kick


Klein aber fein

Aber was sagt Jerome abschließend zum Leben in einer Wohnung mit wenig Platz? "Klar es ist nur für das Studium und später hätte ich natürlich gerne einmal mehr Platz, aber dennoch ist es mehr als nur ein Schlafplatz." Gerade durch die selbstgebauten Möbel bekomme ich den Eindruck, dass viel Arbeit und Herzblut in diesem Raum stecken. Die Wohnung vermittelt das Gefühl eines richtigen Zuhauses, ist eben mehr als nur eine Absteige auf Zeit. "Meine schillernde Schuhschachtel habe ich inzwischen schon lieb gewonnen", sagt Jerome gegen Ende unseres Gespräches. Als wir uns verabschieden und ich mich auf den Nachhauseweg mache, gehe ich mit dem Gefühl nach Hause, das manchmal weniger wirklich mehr sein kann und nicht zwingend eine Einschränkung bedeutet. Auch wenn ich mich trotzdem wieder auf meine 27 Quadratmeter freue.






 

(dies stellt eine direkte Verbindung Ihres Browsers zu Facebook her)
Weitere Hinweise finden Sie in unserer Datenschutzerklärung (Ziffer 8 – Facebook-Plugins)


Dokumenten Information
Copyright © PNP-Campus 2018
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am




Über Die Couchsurfer




Die Couchsurfer – Wohnen in Passau

Ein paar Möbel, vier Wände und ein Dach über dem Kopf – Zack, fertig ist ein Zuhause! Aber so einfach ist es nicht: Damit eine Wohnung zum Zuhause wird, gehört schon mehr dazu. Aber was genau? Das wollen wir in unserem Blog herausfinden. Wir besuchen Menschen in Passau. Wie ist ihre Wohnsituation? Welchen Lifestyle leben sie? Und vor allem, was macht ihr Zuhause aus? Wir zeigen's euch.

Folgt unserem Blog und taucht ein mit euren Couchsurfern Maria, Lotti, Lukas und Charly!



Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




Limitierte Aktion


Jetzt das Studentenabo der Passauer Neuen Presse bestellen und gratis BIBBAG sichern! [mehr]








realisiert von Evolver