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04.06.2018  |  09:30 Uhr

Zu zweit, zu viert: Besuch in einer "Pärchen-WG"

Seit über drei Jahren teilen sich Hannah und Ivan ein kleines Zimmer in einer WG. Joanna und Agnes wohnen mit dem Paar zusammen, zu viert in einer drei-Zimmer-Wohnung. Diese Woche habe ich die "Pärchen-WG" besucht und sie gefragt: Wie funktioniert das eingentlich?

von Maria Lederer

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Es ist Mittwochabend und ich stehe vor der Wohnungstür zur "Pärchen-WG". Joanna hatte mir vor einigen Tagen von ihrer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft erzählt und ich war neugierig geworden.

Joannas Mitbewohner Ivan und Hannah teilen sich seit über drei Jahren ein nur 16 Quadratmeter großes Zimmer. Die Wohnung, die eigentlich als 3-er WG ausgelegt ist, bewohnen die Beiden zu Viert zusammen mit Agnes und Joanna.

Ich hatte mich gefragt, wie es wohl sein mag, zu zweit so lange auf kleinem Raum zu leben. Und dann auch noch als WG. Ist denn nicht die Dynamik als Paar irgendwie eine ganz andere als die unter "normalen" Mitbewohnern? Oder ist das Wohnen hier vielleicht doch gar nicht so anders, als in "ganz normalen" WGs?

Bei einem Glas Rotwein erzählen mir die Vier mehr über das ungewöhnliche Zusammenleben. Mit allen spreche ich nacheinander und separat. Ich will von ihnen wissen, wie das für sie funktioniert, so eine "Pärchen-WG".

Joanna

Joanna

Joanna - Maria Lederer


Zuerst rede ich mit Joanna. Sie erzählt, dass ihr beim WG-Casting letztes Frühjahr eigentlich gar nicht klar war, dass Hannah und Ivan sich ein Zimmer teilen. "Ich dachte erst, das wäre einfach ein Durchgangszimmer."

Wie gut Ivan und Hannah bei so wenig Platz zusammenleben und dabei so viel teilen, findet sie bewundernswert. Was Joanna besonders wertschätzt, ist, dass die zwei es immer schaffen, eine klare Grenze zwischen ihrer Beziehung und dem WG-Leben zu ziehen. "Ich bin noch nie in der Lage gewesen, mich für eine Seite entscheiden zu müssen."

So anders oder ungewöhnlich findet Joanna ihr Zusammenleben sowieso nicht, es sei eben eine ganz normale WG, meint sie. Und wenn überhaupt nervt sie manchmal eher das Chaos in der Küche, anstatt die Tatsache, mit einem Paar zu wohnen. "Die Kommunikation innerhalb der WG klappt super, wir können über alles offen reden."

Agnes

Agnes

Agnes - Maria Lederer


Agnes meint, sie wusste anfangs nicht recht, wie es wohl sein würde, mit einem Paar zu wohnen, das sich ein Zimmer teilt. "Aus Erzählungen von anderen, die mit Pärchen zusammen gewohnt hatten und den skeptischen Fragen von meinen Freunden hatte ich vorab das Gefühl, dass so eine ‚Paar-WG‘ oft ziemlich negativ wahrgenommen wird."

Agnes aber zeigt sich von der zunächst ungewohnten Wohnsituation unbeeindruckt, auch sie meint, sie wohne eigentlich in einer ganz normal WG. Sie selbst könnte sich sogar vorstellen, wenn sie in einer Beziehung wäre, auch in einer WG zu leben. Sie grinst. "Ein bisschen größer dürfte das Zimmer dann allerdings schon sein…"

Es ist der Alltag, das gemeinsame Kochen, Musik hören, oder feiern gehen, was Agnes besonders an ihrer WG gefällt. "Man hört sich gegenseitig zu, es ist persönlich, es ist irgendwie unser zu Hause."

Hannah

Mit Hannah sitze ich in ihrem und Ivans Zimmer auf dem Bett. Sie erzählt mir, dass sie Ivan während eines Freiwilligendienstes in Mexico kennengelernt hatte. Nach dem Dienst ging es für sie zum Studium nach Passau – und Ivan, der sich erfolgreich für einen einjährigen Deutschkurs der Universität Passau beworben hatte, kam mit und wanderte aus Mexico aus.

Über das Zimmer in der WG im Sailerwöhr hatten die Beiden von einem Freund von Hannah erfahren."Damals wollten wir das ein Semester lang mal ausprobieren, zusammen in dem kleinen Zimmer. Eigentlich wollten wir uns danach etwas anderes suchen. Aber naja, jetzt wurden daraus eben dreieinhalb Jahre." Über einen Umzug hätten sie und
Ivan zwar immer mal wieder nachgedacht, meint Hannah, aber von dem Geld, dass die Beiden bei der Miete sparen, würden sie lieber große Reisen machen, die hätten mehr Priorität.

Sich das Zimmer zu teilen kann natürlich manchmal anstrengend werden. Aber da Ivan und Hannah bewusst ist, mit was für einer Herausforderung sie täglich umgehen, wird das Zusammenleben dadurch leichter. "Wenn wir uns mal zoffen, müssen wir ziemlich bald darüber lachen. Wir raufen uns eh immer wieder zusammen."

In ihrer Freizeit verbringt Hannah wahnsinnig gerne Zeit mit ihren Mitbewohnern. "Wenn ich gut drauf bin, frei habe und zu Hause niemand da ist, finde ich das richtig doof." Zusammen mit Ivan, Agnes und Joanna fühle sich die WG fast wie eine kleine Familie an, sagt Hannah. Irgendwie harmonieren sie gut zusammen, obwohl oder gerade weil sie alle so verschieden sind.

 

Hannah und Ivan in ihrem gemeinsamen Zimmer

Hannah und Ivan in ihrem gemeinsamen Zimmer - Maria Lederer


Ivan

Mit Ivan trinke ich schließlich ein Glas Rotwein in der Küche. Für ihn war es besonders in den Anfängen in der WG schwierig, als die WG Konstellation noch eine andere war. Damals musste er erstmal die Sprachbarrieren überwinden. "Ich habe die Sprache nicht gesprochen. Nur so Sachen wie ‚Hallo‘, oder ‚Wie geht's?‘" Dass alle Mitbewohner Deutsch redeten, war anfangs zwar hart, meint er, aber hätte letztendlich maßgeblich dazu beigetragen, dass er die Sprache heute nahezu perfekt beherrscht.

Bei seinen Mitbewohnerinnen Agnes und Joanna, gilt Ivan als sehr umgänglich und unkompliziert. Auch mit dem wenigen Platz in seinem und Hannahs Zimmer kommt er gut zurecht. "Am Anfang hatten wir sogar nur einen Schreibtisch. Dass wir vor einem Jahr noch einen zweiten geholt haben, war dann schon wichtig. Aber insgesamt bin ich locker bei so was, in Mexico hatte ich eh in einem kleinen Zimmer gewohnt."

Und wenn er mal gestresst ist, sich gestritten hat, oder einfach Zeit alleine braucht, geht er sowieso lieber raus an die frische Luft und spielt Gitarre oder geht spazieren.

Er und Hannah ergänzen sich gut, meint er. Auch bei den banalen Dingen wie putzen, Wäsche waschen oder aufräumen achten sie beide darauf, dass nicht alles an einer Person hängenbleibt, sondern dass sie sich gegenseitig abwechseln und unterstützen.

Nach den Gesprächen mit Joanna, Agnes, Hannah und Ivan, bin ich beeindruckt, wie offen sie mit mir über die schönen, aber auch über die schwierigen Seiten ihres Zusammenlebens geredet haben. Hannah und Ivan bewundere ich dafür, wie gut sie es meisten, schon seit langer Zeit auf so kleinem Raum zusammen zu leben.

Ich stelle fest, dass die Art der "Pärchen-WG" vielleicht erstmal merkwürdig erscheinen mag, aber dass das Wohnen an sich hier doch näher dran ist an einer "ganz normalen" WG, als ich gedacht hatte. Schade eigentlich, dass diese Wohnkonstellation oft auf Zweifel und Ablehnung trifft, denn vielleicht lernt man sich gerade unter solchen Umständen als WG nochmal besser und intensiver kennen.

Als ich mich verabschiede, muss ich schmunzeln. Ich habe das Gefühl, dass sich hier nicht nur Ivan und Hannah lieb haben, sondern irgendwie alle.






 

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