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12.05.2016  |  10:00 Uhr

Von starken Fingern und kräftigen Armen

Kraft ist das Zauberwort beim Traditionssport Fingerhakeln

von Anne Dippl

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Perlendes, süffiges Bier ergießt sich schäumend in Krüge. Knusprige Hendlhaxen und knackig gebrannte Mandeln verbreiten dampfend ihren betörenden Duft. Dirndlkleider umschmeicheln die Kurven von feschen Madeln. Stramme Waden zeigen sich in Lederhosen. Eins ist sicher: Dultzeit ist eine schöne Zeit! Leider ist die seit 9. Mai in Passau schon wieder vorbei. "Gott sei Dank" wird sich manch einer denken, der nach der genuss-intensiven Woche erstmal eine Pause braucht. Aber nichts da! Bier, Brezn und Zuckerwatte wollen abtrainiert werden! Immerhin soll auch auf dem nächsten Volksfest die Tracht wieder perfekt sitzen. Also auf zum Sport – und das natürlich stilecht auf bayerisch.

Bayerische Sportarten? Alles was dabei in den Sinn kommt, scheint im ersten Moment eher Gaudi als hartes Training zu sein. Und – wir haben es selber versucht – das ist es auch. Wobei auch die Ernsthaftigkeit sicher nicht auf der Strecke bleibt. Kraft ist hierbei das Zauberwort! Eine Disziplin, bei der Frauen allein biologisch gesehen schon Nachteile haben. Trotzdem hat es uns viel Spaß gemacht, den kraftbetonten Traditionssport "Fingerhakeln" auszuprobieren und ein kleines bayerisches Workout zusammenzustellen. Wobei unsere Versuche dabei teilweise doch etwas laienhaft waren:

Blutige Finger und ausgekugelte Schulter... Puh, das ist uns nicht passiert. Doch beim Fingerhakeln, einem alpenländischen Kampfsport, sind das durchaus mögliche Verletzungen. Ausgetragen wird das Fingerhakeln zwischen zwei Gegnern. Ursprünglich natürlich Männer. Ist aber auch nur zu verständlich: welche Frau würde sich schon freiwillig den armen Mittelfinger ramponieren! Das weibliche Geschlecht fungierte beim Fingerhakeln, wie sollte es im Brauchtum auch anders sein, als Objekt der Begierde. Der siegreiche Hakler, der es geschafft hatte, seinen Kontrahenten mit einem kräftigen Zug über die Mitte des Tisches zu befördern, eroberte das Frauenherz. Also früher eigentlich nichts als Balzgehabe. Meistens fand der Wettkampf dabei auch im Wirtshaus statt. Bierseelige Streitigkeiten wurden so direkt ausgetragen. Echte Männer müssen sich eben beweisen – früher wie heute. Und echte Mädls auch, wie unser Fingerhakel-Versuch zeigt:

Wer den stärkeren Mittelfinger hat, zieht den Gegner sprichwörtlich über den Tisch.

Trotzdem: auch wenn es nach Gaudi aussehen mag, ist das Fingerhakeln eine ernste Angelegenheit. Die Alpenländer, neben den Bayern auch Österreicher, pflegen mit der Sportart ihr Brauchtum und tragen jährlich drei Meisterschaften aus. Die Bayrische, die Deutsche und die Alpenländische Meisterschaft. Stilecht finden diese im Wirtshaus oder auch auf öffentlichen Feierlichkeiten im Bierzelt statt. Um Frauen geht es dabei natürlich schon lange nicht mehr. Sondern einfach um eine schöne Tradition, die sich mit einem anschließenden Fest verbinden lässt.

Oben habt ihr jetzt schon gesehen, wie so ein Haklerwettkampf in etwa aussieht. Allerdings haben wir uns dabei nicht an die offiziellen Regeln gehalten, sondern einfach drauflosgehakelt. Eigentlich sitzen die Kämpfer beim Wettkampf auf 48 Zentimeter hohen Hockern mit 40 mal 40 Zentimetern Sitzfläche an einem Tisch gegenüber. Der Tisch ist 109 mal 74 Zentimeter groß und in der Mitte durch eine Linie geteilt. Die Höhe ist 79 Zentimeter, wobei die Kanten des Tisches mit Polstern ausstaffiert sind, damit sich die Hakler nicht verletzen. Beim Ziehen dürfen sie sich nämlich mit dem Schienbein und einer Hand am Tisch abstützen, um mehr Kraft aufwenden zu können. Hinter den Kämpfern sitzt jeweils ein Auffänger, der nur im Fall des Sturzes helfen darf. Der Schiedsrichter überreicht den Haklern vor dem Start den Haklerring, einen 10 Zentimeter langen Lederriemen, der um die Mittelfinger der Teilnehmer gelegt wird. Auf "Beide Hakler – Fertig – Los!" beginnt das "Über-den-Tisch-ziehen" im wörtlichen Sinne. Übrigens kommt daher auch das bekannte Sprichwort. Bewertet wird beim Fingerhakeln nach Punkten. Bei zweimaliger Niederlage scheidet der Unterlegene aus. Die Kraft kommt beim Hakeln nicht nur aus dem Mittelfinger sondern auch aus dem Arm und der Schulterpartie. Sportler trainieren den Zugfinger, indem sie sich an Haken oder Möbelstücke hängen. Auch mentale Stärke, um den Gegner richtig einzuschätzen und den Dehnungsschmerz auszuhalten, ist hilfreich, um den Haklertisch als Sieger zu verlassen. Wie das Ganze live aussieht könnt ihr euch bei den Wettkämpfen des bekannten Fingerhaklvereins Rimbach im Bayerischen Wald anschauen.

Für alle, denen das Hakeln nicht anstrengend genug ist, um die Dult-Pfunde loszuwerden, haben wir hier noch einige Anregungen für ein kleines bayerisches Workout:

Bayerisches Workout

Maßkrug, Holzstamm, Säge, Hammer und Nägel sind die Sportgeräte für ein bayerisches Workout. - Sinika Fischer / Microsoft Powerpoint


Maßkrugstemmen: Maßkrüge füllen und mit ausgestrecktem Arm so lange es geht waagerecht nach vorne halten. Tipp: Lieber Wasser anstelle von Bier verwenden, das verführt dann nicht zum Sündigen.

Nageln: Einfach zwei lange Nägel mit dem Hammer um die Wette in ein Holzscheit schlagen. Achtung: Gar nicht so einfach, die Nägel nicht krumm zu hauen. :)

Sägen: Mit einer Holzsäge einen Holzstamm durchsägen. Tipp: Je dicker der Ast, umso schweißtreibender wird das Ganze.

Weitwurf: Geworfen werden kann, was gefällt - Hauptsache schwer: Holzscheit, Hufeisen, Fässer oder Reifen. Achtung: Natürlich nichts Lebendiges oder Zerbrechliches.

Bayerische Sportarten und Wettkämpfe haben sehr viel mit starken Fingern und kräftigen Armen zu tun. Eine Männerdomäne – aber für uns Mädels vielleicht eine gute Möglichkeit, den Bi- und Trizeps zu trainieren, ohne auf die oft leidlichen Klimmzüge und Liegestütze zurückgreifen zu müssen.

In diesem Sinne – runter von der Couch und los geht's.

Eure Sportsfreundinnen






 

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