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26.12.2016  |  10:00 Uhr

Nächtliches Verhör

Interview mit Polizistin Alexandra Lachhammer

von Sarah Gellesch, Anna Heidenreich

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Kurz nach neun. Ein ganz normaler Dezember-Abend. Der Weg von der Uni nach Hause stellt ein immerzu gleiches Bild dar. Einige Studenten hasten die Fußgängerwege entlang, die Pkws stauen sich an der Ampel und ein Kleintransporter wird rechts am Straßenrand von der Polizei aufgehalten. Nichts besonderes in Passau. Doch genau diese gewöhnliche Alltagssituation hat uns auf die Idee gebracht, sich mal ausführlicher über die Passauer Polizeiarbeit in der Nacht zu informieren. Dazu treffen wir uns mit Frau Alexandra Lachhammer in der Polizeidienststelle in der Nibelungenstraße.

Zu Beginn wollen wir wissen, was in der Nacht die häufigsten Einsätze sind. "Allgemein herrscht ein drei-zu-eins-Verhältnis von Tag zu Nacht vor, also tagsüber ist generell mehr los", berichtet sie uns. "Nachts, von 22 bis 6 Uhr morgens, handelt es sich in den meisten Fällen um Sachbeschädigung, Vandalismus, Randalierer, Ruhestörungen, Verkehrsunfälle und hilflose Personen. Körperverletzungen werden zu jeder Tageszeit gemeldet, wobei tagsüber eher Familienstreitigkeiten und nachts Clubschlägereien zu schlichten sind. Hierbei zählt Alkoholeinfluss zu den typischen Auslösern für aggressives Verhalten, was sich durch alle sozialen Schichten zieht", so die Polizistin. In vielen Situationen sei es aber so, dass die Beamten den Hinweisen nachgehen, vor Ort dann "nur" mit den Tätern reden und die Sache abklären.

Polizeidienststelle von außen

Polizeidienststelle von außen | Sarah Gellesch

Polizeidienststelle von außen - Sarah Gellesch


Hat man bei nächtlichen Einsätzen ein mulmigeres Gefühl als bei solchen tagsüber? - "Naja, eine gewisse Vorsicht ist immer geboten und ein etwas mulmiges Gefühl ist durchaus normal. Wenn viel los ist, ist es am Tag vorteilhafter, da mehr Kräfte im Dienst sind und zur Verfügung stehen. In der Nacht haben wir Schichtdienst, das heißt mindestens neun Personen sind anwesend, wobei das natürlich je nach Lage nach oben hin offen ist."

Auf die Frage, wie man sich denn nachts am besten verhalten sollte, wenn man auf etwas aufmerksam wird, erklärt die Beamtin, dass man lieber einmal zu oft als einmal zu wenig die 110 wählen sollte. "Wir pflegen eine Kultur des Hinschauens. Erst einmal muss man die Situation für sich selbst einschätzen, aber grundsätzlich schadet Anrufen nicht", betont Frau Lachhammer.

Ein weiterer Aspekt, den wir ansprechen, ist die Passauer Drogenszene. "Natürlich gibt es sie und wir wissen auch über die bekannten Drogenumschlagplätze Bescheid." Von Marihuana über Criystal Meth bis hin zu Koks sei alles dabei, selbstverständlich in den unterschiedlichsten Qualitäten. "Spezialisten in Bezug auf Drogen sind die Kollegen vom K4 (Kriminalpolizei), allerdings wird auch den Zivilkräften in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zugeschrieben. Bei den uniformierten Beamten kommt es meist nur zu Zufallsgriffen, wenn sie beispielsweise einen PKW anhalten und kontrollieren." - Ist es in Verbindung mit Drogen schon einmal zu gefährlichen Situationen gekommen? - "Ja, erst dieses Jahr, und zwar am Anger in Passau. Dort hat mitten auf der Fahrbahn ein Mann, der offensichtlich synthetische Drogen konsumiert hat, die auf ihn zukommenden Pkws gestoppt. Sein stark irrationales Verhalten hat es auch für uns Beamte nicht gerade einfach gemacht, ihn zu bändigen. Durch den enormen Widerstand des Täters ist es bei einem Kollegen sogar zu Verletzungen gekommen."

Polizistin Frau Lachhammer

Polizistin Frau Lachhammer | Sarah Gellesch

Polizistin Frau Lachhammer - Sarah Gellesch


"Sind Sie denn schon mal in etwas richtig Skurriles oder Gefährliches verwickelt gewesen?" - "Leider ja. Die gefährlichste Situation ist eine Schießerei auf der Dienststelle im Jahr 2009 oder 2010 gewesen, bei der auch Beamte verletzt worden sind. Dagegen sind die meisten Vorkommnisse eher harmlos. Wir sind sehr oft eine halbe Seelsorge für die Leute, hängen lange am Telefonhörer. Das wichtigste hierbei ist dann zuhören, beruhigen, Ratschläge erteilen und gut zureden. Aber natürlich haben wir es auch mit lustigen Betrunkenen und mehr oder weniger 'Verrückten' zu tun, die sich eher selbst gefährden."

Da sich die Beliebtheit der Studenten bei manchen in Grenzen hält, interessiert uns, wie deren Ruf bei der Polizei ist. "Meistens fallen Studenten dann negativ auf, wenn sie betrunken sind und es dadurch zu Unruhen kommt. Dann bekommen wir zum Beisiel von Jurastudenten oft den Satz 'Ich kenn' mich aus und mein Vater ist Anwalt!' zu hören", schmunzelt die Polizeibeamtin, "allerdings ist das auf die gesamte Anzahl an Studierenden gesehen nur eine Hand voll, die auffällt und die man sich halt dann merkt."

Abschließend tauchen wir noch tiefer in die Materie ein. Wir dürfen uns eine der fünf Zellen der Dienststelle ansehen. Schon beim Gang in das Untergeschoss beschleicht uns ein unbehagliches Gefühl, die anfängliche Euphorie scheint wie verflogen. Eine recht angespannte Atmosphäre, da keiner so richtig weiß, welche Reaktion man nun darauf zeigen soll. Man fühlt sich unwohl. Ein beißender Geruch steigt einem in die Nase. Geflieste Wände, spärliche Einrichtung, eine Toilette, ein Waschbecken, wenig Licht und ein roter Notknopf. Mehr nicht. Ein tristes Bild. "Ich würde es hier drinnen allein schon wegen dem Geruch nicht aushalten. Also, seid nie so betrunken, dass ihr zum Ausnüchtern hier rein müsst!" - "Nein, nein, auf gar keinen Fall!"






 

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