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10.12.2017  |  11:00 Uhr

Zero Waste Challenge

Eine Woche ohne Plastikmüll - geht das?

von Sonja Scharfe

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559 Kilogramm Müll produziert ein Deutscher im Durchschnitt pro Jahr. Das sind mehr als 1,5 Kilogramm Müll am Tag. Was für eine krasse Zahl! Bei jedem Einkauf im Supermarkt kaufen wir neben den eigentlichen Produkten sehr viel Verpackungsmüll mit. Auch wenn wir unseren Müll trennen, kann davon nur ein geringer Teil recycelt werden und auch das nur unter hohem Energieaufwand. Der Rest wird verbrannt oder landet in den Meeren. Deshalb versuchen immer mehr Menschen, Müll zu vermeiden: "Zero Waste" nennt sich diese Bewegung. Ich möchte eine Woche auch keinen Plastikmüll produzieren und schauen, wie es mir damit geht.

Als ich mich auf diese Challenge eingelassen habe, habe ich erst gedacht: Das ist doch einfach, kein Obst und Gemüse mit Plastikverpackung kaufen und das war's dann schon. Da ich nicht so richtig wusste, was Zero Waste überhaupt bedeutet, habe ich mir zu dem Thema einige YouTube-Videos angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich sehr viel mehr beachten muss, als ich am Anfang gedacht hatte. Viele Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Müsli gibt es im Supermarkt nur plastikverpackt und auch Pflegeprodukte wie Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel, Shampoo, Cremes usw. kenne ich nur in Plastikverpackungen.

Zu Beginn meiner Zero-Waste-Woche mache ich mich auf die Suche nach alternativen Produkten. Im Supermarkt finde ich einige Lebensmittel in Gläsern wie Milch, Joghurt, Apfelmus, Gemüsebrühe oder in Pappverpackungen wie Grießbrei. Auch Gemüse und Obst kann man größtenteils unverpackt kaufen. Brot bekommt man beim Bäcker sowieso nur in Papiertüten, man könnte seinen eigenen Beutel mitbringen, um auch diese zu sparen.

Plegeprodukte

Plegeprodukte | Sonja Scharfe

Plegeprodukte - Sonja Scharfe


In der Drogerie finde ich ebenfalls einige Alternativen zu plastikverpackten Produkten. Waschlotion gibt es als festes Waschstück, anstelle von herkömmlichen Plastikzahnbüsten kann man Bambuszahnbürsten verwenden. Bambus ist die am schnellsten wachsende Pflanze der Erde und wirkt von Natur aus antibakteriell, sodass keine Dünger oder Pestizide beim Anbau benötigt werden. Die Zahnbürste kostet 4 Euro. Ein festes Deo finde ich leider nicht – stattdessen kaufe ich ein Deo in Glasverpackung, das bloß einen Plastikdeckel hat.

Im Internet stoße ich auf den "Tante Emmer – bio und unverpackt"-Laden in der Grabengasse in Passau. Hier kann man sich sämtliche Lebensmittel wie Müsli, Reis, Nudeln, Mehl, Gewürze, Gemüse und sogar Putz- und Waschmittel in Gläser oder Flaschen abfüllen. Außerdem kann man hier Shampoos und Duschgele in fester Form kaufen, die nicht verpackt sind. Die Auswahl ist wirklich groß, ich entscheide mich für ein Honig-Shampoo. Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Man reibt das Shampoo auf den nassen Haaren ein, wodurch sich richtig viel Schaum bildet. Dann kann man die Haare ganz normal waschen. Der Duft ist ebenfalls sehr angenehm. Die Haare lassen sich nach dem Waschen gut bürsten und glänzen schön.

"Tante Emmer"-Laden in der Grabengasse

"Tante Emmer"-Laden in der Grabengasse | Sonja Scharfe

"Tante Emmer"-Laden in der Grabengasse - Sonja Scharfe


Als Duschgel nehme ich das feste Waschstück, das man sowohl für den ganzen Körper als auch für das Gesicht verwenden kann. Auch hier gibt es in der Drogerie und im "Tante Emmer"-Laden einige Waschstücke und Seifen zur Auswahl. Diese Art den Körper zu reinigen funktioniert bei mir ebenfalls gut, der Körper lässt sich gut einseifen und man fühlt sich nach dem Duschen sehr sauber. Auch zum Rasieren eignet es sich das Waschstück gut. Apropos Rasieren: hier habe ich leider keine plastikfreie Alternative gefunden, weshalb ich meinen normalen Rasierer weiterverwenden musste. Das Shampoo hat im "Tante Emmer"-Laden 8,50 Euro gekostet, was auf den ersten Blick teuer wirkt. Allerdings soll es angeblich für 50 bis 70 Haarwäschen reichen, dann ist der Preis wieder gar nicht so hoch. Die festen Körperpflegeprodukte sind auch gut beim Fliegen mit Handgepäck, wenn man nur eine bestimmte Menge an Flüssigkeiten mitnehmen darf.

Feste Deos gibt es ebenfalls im "Tante Emmer"-Laden, allerdings sind mir die mit einem Preis von 9 Euro zu teuer. Nachdem ich noch weitere Videos auf YouTube zum Thema "Zero Waste" geschaut habe, bin ich auf ein Rezept gestoßen, wie man Deo selbst herstellen kann. Ich habe ja schon das Deo in der Glasverpackung gekauft, will aber noch eine komplett plastikfreie Alternative finden. Deswegen probiere ich das Rezept für Deo einfach mal aus: Man braucht 2 Esslöffel Kokosöl, einen Teelöffel Salz und eineinhalb Teelöffel Natron. Zunächst wird das Kokosöl erhitzt. Wenn es flüssig ist, werden die anderen Zutaten eingerührt. Anschließend kann man es in ein Glas füllen und wieder fest werden lassen. Dieses Rezept funktioniert sehr einfach und man braucht nicht viele ungewöhnliche Zutaten dafür. Nach dem ersten Auftragen unterziehe ich das Deo direkt einem richtigen Härtetest und gehe zum Sport. Leider besteht es diesen Test nicht. Was ich auch gar nicht gut finde, ist der Geruch: Weil der Hauptbestandteil Kokosöl ist, riecht es stark nach Kokos. Mir ist dieser Geruch einfach zu süß und ich möchte nicht nach Kokos riechen, sondern eher nach frischen Düften. Aus diesem Grund benutze ich das Deo auch nicht weiter, weil mich der Duft nervt und ich davon Kopfschmerzen bekomme. Das Deo im Glas riecht wesentlich besser und funktioniert auch besser, weshalb ich ab jetzt zu diesem greife.

Die Bambuszahnbürste gefällt mir deutlich besser als das selbstgemachte Deo, sie funktioniert genauso gut wie eine herkömmliche Plastikzahnbürste. Beim ersten Gebrauch fühlt es sich ein bisschen an, als hätte man einen Holzstiel von einem Eis im Mund, aber an dieses Gefühl gewöhnt man sich schnell. Als Zahnpastaersatz kann man im "Tante Emmer"-Laden Zahnpastatabletten kaufen, die man vor dem Zähneputzen zerkaut und dann wie eine normale Zahnpasta benutzt. Eine Packung hiervon kostet allerdings 15 Euro, was mir zum Ausprobieren als totale Anfängerin in Sachen "Zero Waste" zu teuer ist. Ich benutze also meine normale Zahnpasta weiterhin.

Ein sehr großer Müllfaktor sind auch Hygieneprodukte wie Tampons, Binden usw. Hier bin ich auf die Menstruationstasse aufmerksam geworden, die für mehrere Jahre benutzt werden kann. Sie muss regelmäßig zur Desinfektion ausgekocht werden, kann ansonsten jedoch immer wieder geleert und eingesetzt werden. Sie kostet 15 Euro in der Drogerie, wodurch auch sehr viel Geld gespart werden kann.

Da ich in dieser Woche keinen Putzdienst in meiner WG habe, brauche ich auch keine Putzmittel. Auch waschen muss ich diese Woche nicht. Dafür gäbe es im "Tante Emmer"-Laden aber auch Alternativen zum Abfüllen in Flaschen.

Ein Produkt, das ich nur in Plastik eingepackt gesehen habe, ist Klopapier. Hier musste ich also den Plastikmüll in Kauf nehmen.

Beim Essen kann ich schon leichter auf Verpackungsmüll verzichten. Wasser trinke ich aus der Leitung, was hier in Passau super funktioniert. Für die Uni befülle ich eine Trinkflasche mit Leitungswasser. Außerdem trinke ich viel Tee, zum Beispiel losen Tee oder Teebeutel in einer Pappverpackung.

Mein Einkauf

Mein Einkauf | Sonja Scharfe

Mein Einkauf - Sonja Scharfe


Zuerst gehe ich für meinen Lebensmitteleinkauf in einen Supermarkt. Hier finde ich viel Gemüse und Obst, Milch und Joghurt in Mehrweg-Glasflaschen, Apfelmus im Glas, Grießbrei in einer Pappverpackung, Brotaufstrich im Glas, eingelegten Hirtenkäse im Glas, Eier in einer Pappverpackung, Gemüsebrühpulver im Glas und Brot in einer Papiertüte vom Bäcker. Im "Tante Emmer"-Laden fülle ich mir Couscous und Müsli in Gläser ab. Dieser Einkauf reicht mir für ein paar Tage: Ich esse zum Frühstück Müsli mit Milch, zum Mittagessen Grießbrei mit Apfelmus oder Couscous-Salat mit Gemüse (hiervon habe ich so viel gemacht, dass mir das für zwei Tage reicht). Am Nachmittag esse ich Joghurt, Obst und eine Brezel vom Bäcker. Abends esse ich Brot mit Aufstrich und Paprika. Im Gefrierschrank finde ich noch Kartoffelpuffer in einer Pappverpackung, die ich dann zusammen mit dem restlichen Apfelmus esse. Am Tag darauf gehe ich wieder einkaufen und nehme mir lose Kartoffeln und Spinat mit. Daraus zaubere ich mir ein weiteres Zero-Waste-Mittagessen: gekochte Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. Gewürze kann man übrigens auch im "Tante Emmer"-Laden kaufen. Ich habe zuhause schon eine Pfeffermühle aus Glas und Salz aus einer Pappverpackung, deswegen musste ich mir keine neuen Gewürze kaufen. Am letzten Tag bereite ich für mein Mittagessen Kartoffeln, Zucchini, Tomaten und Paprika im Ofen zu. Insgesamt haben mir alle Gerichte gut geschmeckt. Auch das Müsli aus dem "Tante Emmer"-Laden war auch sehr gut, allerdings mit einem Preis von einem Euro pro 100 Gramm auch ziemlich teuer. Was mir nach ein paar Tagen schon auf die Nerven ging, war der Brotaufstrich am Abend. Ich esse eigentlich sehr gerne Käse und Wurst auf meinem Brot (vor allem Frischkäse) und den habe ich aber in meiner Nähe nicht unverpackt gefunden. Die meisten Menschen, die den Zero-Waste-Lifestyle leben, sind meinen Beobachtungen nach vegan und essen daher sowieso keine tierischen Produkte. Eine Möglichkeit wäre natürlich, sich Fleisch oder Käse direkt an der Theke in eine mitgebrachte Dose abfüllen zu lassen. Das habe ich in meiner Zero-Waste-Woche allerdings nicht ausprobiert. Für regionales Obst und Gemüse könnte man auch auf den Wochenmarkt gehen, zum Beispiel auf den direkt vor der Uni. Das habe ich in dieser Woche zeitlich leider nicht geschafft.

Produkte, bei denen ich gesündigt habe

Produkte, bei denen ich gesündigt habe

Produkte, bei denen ich gesündigt habe | Sonja Scharfe

Produkte, bei denen ich gesündigt habe - Sonja Scharfe


Eines Abends bin ich frustriert und es überkommt mich der Heißhunger auf Süßigkeiten. Ich muss Gummibärchen und Schokolade aus meiner Notration essen. (Süßigkeiten könnte man auch im "Tante Emmer"-Laden kaufen, daran habe ich bei meinem Einkauf leider nicht gedacht)

Für einen Rasierer und eine Zahnpasta habe ich wie gesagt keine plastikfreien Alternativen gefunden bzw. sie waren mir zu teuer und Klopapier habe ich ebenfalls nicht unverpackt gefunden. Beim Deo könnte man noch Deos in Dosen probieren, allerdings gibt es sowas in Passau nicht. Daher müsste man sie online bestellen, was auch nicht wirklich umweltfreundlich ist.

Mein Fazit

Die Zero-Waste-Woche war interessant und aufschlussreich für mich. Mir war gar nicht bewusst, wie viel Plastikmüll wir eigentlich produzieren und dass es für viele Produkte gute Alternativen gibt. Es war trotzdem eine richtige Challenge für mich, die ich (bis auf ein paar kleine Dinge) gut gemeistert habe. Ein Vorteil des Unverpackt-Einkaufens ist auf jeden Fall, dass man Produkte nur in der benötigten Menge kaufen muss und nicht unnötig viel kauft. Gerade bei Reis, Nudeln, Obst und Gemüse funktioniert das sehr gut. Hierdurch sind einige Produkte dann auch günstiger. Der Hauptvorteil ist natürlich, dass man etwas Gutes für die Umwelt tut.

Nachteile sind vor allem die hohen Preise bei einigen Produkten: Zahnpastatabletten für 15 Euro, Deo für 8,50 Euro und Müsli für einen Euro pro 100 Gramm sind für Studenten wirklich zu teuer. Bei den anderen Produkten sind die Preise in Ordnung. Die Rezepte, die ich im Internet für Deos gefunden habe, enthalten alle Kokosöl. Das ist kein regionales Produkt, was nicht unbedingt in das Zero-Waste-Konzept der Umweltfreundlichkeit passt. Außerdem muss man sehr viel Zeit aufwenden und sich Gedanken machen, was man kauft und wo man es bekommt. Das ist im Unialltag oft stressig. Insgesamt finde ich diese Lebensweise ziemlich gut, allerdings ist es schwer, sich streng danach zu richten und keine Ausnahmen zuzulassen. Wenn man so gut es geht darauf achtet, Produkte unverpackt oder mit wenig Verpackungen zu kaufen, ist schon viel für die Umwelt getan. Dies finde ich vor allem bei Produkten, die man häufig verwendet, zum Beispiel Lebensmitteln, sehr wichtig. Hier fällt viel mehr Plastikmüll an als bei Produkten, die man seltener aufbraucht, zum Beispiel Zahnpasta. Ich bewundere Leute, die Zero Waste komplett durchziehen. In einer Großstadt ist dies auch sicherlich einfacher als in Passau, da dort die Auswahl in Unverpackt-Läden und auf Märkten viel größer ist.

Was ich weiterhin machen werde

Bei einigen Produkten ist die Müllvermeidung wirklich leicht: man kann vieles im Glas, lose oder in Papierverpackungen kaufen. Darauf werde ich auch weiterhin im Supermarkt achten und diese Produkte wählen. Das Shampoo werde ich aufbrauchen, da es mir gut gefällt. Die Bambuszahnbürste will ich auch weiterhin verwenden. Ob ich danach nochmal eine kaufe, weiß ich noch nicht, weil sie recht teuer ist. Wasser trinke ich sowieso viel aus der Leitung und fülle es in Trinkflaschen oder Teekannen. Bei allen anderen Produkten, vor allem Süßigkeiten und Körperpflege kann ich aber leider nicht auf Plastikverpackungen verzichten.






 

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