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27.12.2014  |  10:00 Uhr

Vier Tage Prag, 150 Euro und der verzweifelte Versuch, nicht als Tourist aufzufallen

von Ellen Weigel

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Kartoffelsuppe im Brot

Kartoffelsuppe im Brot | Ellen Weigel

Kartoffelsuppe im Brot - Ellen Weigel


Ankunft in "Praha". Mit zwei Freundinnen verlasse ich den Prager Hauptbahnhof. Wir haben ein Hostel mitten in der Altstadt gebucht – und da müssen wir jetzt hin. Den Weg dorthin habe ich mir vor der Reise kurz im Internet angeschaut – aber natürlich habe ich keinen Ausdruck davon dabei.

Wir hatten eigentlich gar nichts geplant. Mit zwei Bustickets, einem Zugticket für Hin- und Rückreise, irgendeinem Wisch von der Hostelbuchung und einem Stadtplan bewaffnet stieg ich um 8:00 Uhr morgens in Passau in einen Fernbus nach Regensburg. Dort traf ich mich mit zwei Freundinnen und wir fuhren mit dem Zug nach Prag.
Insgesamt kosteten mich An- und Abreise gerade einmal 55 Euro. Am erstbesten Geldautomaten habe ich 2400 Kronen, was ungefähr 95 Euro entspricht, abgehoben. Davon habe ich das Hostel und alle übrigen Kosten wie Essen und Trinken bezahlt. Mit den insgesamt 150 Euro bin ich mehr als gut ausgekommen und musste auf nichts verzichten.

Also: Raus aus dem Bahnhof und erst einmal Richtung Altstadt – soweit so gut, schließlich muss unser Hostel irgendwo in der Nähe des Rathauses sein. Ohne Stadtplan, allein mit "Gehirn einschalten" finden wir das Rathaus und den "Old Town Square" relativ schnell und ohne große Umwege. Doch da angekommen, brauchen wir doch unseren Stadtplan. Auf der Karte war das Hostel ziemlich schnell gefunden, doch die Prager Altstadt, kann sehr verwirrend sein. Durch viele kleine Gässchen, deren Namen alle irgendwie gleich klingen, und mit der Erkenntnis, dass Prag doch etwas größer ist als Passau, irren wir über eine halbe Stunde mit Gepäck durch die Altstadt, bis wir dann endlich das Hostel erreichen.

Wir sehen das Ganze positiv: Wir haben in dieser halben Stunde bereits fast alle Sehenswürdigkeiten der Altstadt zu Gesicht bekommen. Nach dem Check-In verstauen wir unser Gepäck und ziehen gleich weiter. Unser Ziel war klar: Prag erkunden und dabei nicht als unangenehme Touristen auffallen. Auf der Suche nach dem Hostel ist uns das mit den Rücksäcken und dem Stadtplan allerdings nicht gut gelungen.

An diesem Abend erkundeten wir weiter die Altstadt. Auf dem "Old Town Square" fand ein Weihnachtsmarkt statt. In den Gassen rund um den Platz findet man lauter kleine Geschäfte, Galerien, Bars und Restaurants. In einem der Restaurants gönnten wir uns eine heiße Kartoffelsuppe im Brot. Die Suppe war köstlich, das Brot auch – allerdings bekamen wir eine deutsche Karte und sogar die Bestellung wurde auf Deutsch aufgenommen. Für unseren Geschmack zu "Touri-Like".

Die nächsten Tage aber wagten wir uns weiter "raus" aus den Touristenvierteln und tauchten mehr in die Prager Szene ein. Wir fanden einige Cafés und Restaurants, in denen man günstig, stilvoll und lecker Essen und Trinken kann und die auch von Pragern gerne besucht werden. Persönliches Highlight für mich waren die Besuche im "Prague Beer Museum". Durch Zufall haben wir die von außen sehr unscheinbare Bar gefunden. Hier kann man 30 verschiedene Biere probieren. Und weil uns das Pilsner Urquell schon zu langweilig geworden ist, haben wir das gleich mal ausprobiert. Wir bestellten zu dritt zwei Probierpaletten mit jeweils fünf kleinen Bieren. Ich war überrascht, wie unterschiedlich Bier doch schmecken kann. Als mein Favorit kristallisierte sich dann das "Matuska", ein Bier mit fruchtiger Heidelbeernote, heraus.

Auf der Straße wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht Lust hätten eine Stadttour zu Fuß, mit Segway oder Bus zu machen. Wir waren schon kurz davor, eine sogenannte Hop-On-Hop-Off-Bustour für circa zwölf Euro pro Person zu buchen und haben uns Gott sei Dank doch dagegen entschieden. Unsere Strategie, einfach mal loszulaufen und immer wieder im Reiseführer Infos zu den Bauwerken nachzuschlagen, hat sich voll und ganz bewährt. Vom "Old Town Square", Rathaus, Tyn Kirche und Puderturm, über die Karlsbrücke, die John Lennon Wall, das Burgenviertel bis hin zum Judenviertel, der Oper, dem Nationalmuseum und dem tanzenden Haus haben wir einfach alles gesehen – ganz ohne Reiseführer.
Für diejenigen, denen das dann doch etwas zu unsicher ist: In unserem Hostel wurden auch kostenlose Stadtführungen angeboten. Doch unsere Strategie war uns lieber. So erkundeten wir wirklich jedes einzelne Fleckchen in Alt- und Neustadt und kamen auch an Orte, die nicht im Stadtführer standen. So entdeckten wir neben zahlreichen traumhaften Kaffeehäusern beispielsweise auch ein kleines uriges Buchgeschäft auf der anderen Seite der Moldau. Dort fand man keine einzige Wand, vor der kein Bücherregal stand. In mehreren kleinen Räumen verteilt auf zwei Stockwerke fand man Bücher – neu wie gebraucht - in allen Sprachen und zu allen denkbaren Themenbereichen. Zu dem Büchergeruch, der ohnehin eine gewisse Gemütlichkeit verbreitete, kamen die urigen Leseecken, die mit einladenden Sesseln bestückt waren.

Für die drei Nächte wohnten wir im "Old Prague Hostel" mitten in der Prager Altstadt. Eine Nacht im Sechs-Bett-Zimmer kostete circa 12 Euro. Ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel haben wir nicht gebraucht, wir haben die vier Tage alles zu Fuß erkundet. Dies hatte den positiven Effekt, dass man unter allen Umständen gut, tief und fest geschlafen hat. Beim Hostelzimmer hatten wir wohl etwas Pech, denn es hatte leider nur ein Fenster, das zum Flur führte. Aber alle anderen Zimmer, in die ich sonst so gesehen habe, waren völlig in Ordnung. Es war sauber und alle waren höflich. Die Nächte im Schlafsaal sind nicht nur günstig, sondern auch gesellig. Es gibt kaum etwas spannenderes als all die Geschichten der Reisenden zu hören.
Das viele Fotografieren und der Stadtplan in der Hand entlarvten uns dann wohl doch als Touristen. Aber damit kann ich gut leben, schließlich habe ich nicht das Gefühl, dass ich den Pragern auf den Keks gegangen bin.



Meine Pragtipps:

Tipp 1: Reise günstig mit Fernbussen und dem ALX von Regensburg nach Prag. Mit dem Zugticket für 43 Euro kann man ab dem Tag der Buchung in einem Zeitraum von 4 Wochen einmal hin und einmal zurück fahren.

Tipp 2: Wohne günstig in Hostels mit dem Nebeneffekt, nette, offene Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und die besten Pragtipps aus erster Hand zu erfahren.

Tipp 3: Erkunde Prag zu Fuß: Nicht nur weil es günstig ist, sondern weil es auch völlig ausreichend ist.

Tipp 4: Entfernt euch von den offensichtlichen Touristenstraßen und taucht tiefer in Prag ein. So lernt ihr das wahre Prag kennen und kommt zudem noch günstiger davon.

Tipp 5: Bequeme Schuhe, wenig Gepäck! - Für den Fall, dass ihr euer Hostel nicht gleich findet. ;-)
Im Burgenviertel hat man einen Blick über ganz Prag.

Im Burgenviertel hat man einen Blick über ganz Prag. | Ellen Weigel

Im Burgenviertel hat man einen Blick über ganz Prag. - Ellen Weigel


Kleine Gassen Prag - so klein, dass eine Ampel installiert wurde!

Kleine Gassen Prag - so klein, dass eine Ampel installiert wurde! | Ellen Weigel

Kleine Gassen Prag - so klein, dass eine Ampel installiert wurde! - Ellen Weigel


Prague Beer Museum

Prague Beer Museum | Ellen Weigel

Prague Beer Museum - Ellen Weigel


uriger Buchladen

uriger Buchladen | Ellen Weigel

uriger Buchladen - Ellen Weigel


nur 55 Euro für die Hin- und Rückreise

nur 55 Euro für die Hin- und Rückreise | Ellen Weigel

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