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Eine Höhle, ihre Bewohner leben hier nicht dauerhaft, sondern ziehen immer weiter, den Tieren hinterher. Es sind mit Fellen behängte Steinzeitmenschen. Der Mann jagt mit einem selbst gebauten Speer Mammuts, währen die Frau Beeren sammelt und Wurzeln ausgräbt. Manchmal dauert es tagelang, bis wieder Fleisch auf dem Tisch liegt. Jagen und Sammeln, zur Zeit des Paläolithikums, besser bekannt als Altsteinzeit, die einzige Möglichkeit zu überleben.

Ein Supermarkt, die Kunden sind sesshaft und wohnen vermutlich in der Nachbarschaft. Zivilisierte Menschen, die ihren Wocheneinkauf zwischen Buttertoast, pappsüßen Cerealien, abgepacktem Fleisch, kalorienreichen Tiefkühlgerichten und zuckrigen Backwaren erledigen. Aus Bequemlichkeit wird alles in den Kofferraum des Autos geladen und fünf Minuten nach Hause kutschiert. Das Überangebot an Lebensmitteln führt nicht selten zu Überforderung, aber immerhin haben wir die Möglichkeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit genau das zu essen, worauf wir gerade Lust haben.

Doch welche Form der Ernährung ist nun besser für den Menschen? Das steinzeitliche Jagen und Sammeln oder das riesige Angebot in den Supermärkten? Verfechter der Paleo- oder auch Steinzeit-Diät behaupten ersteres. Selbstverständlich muss dabei niemand erst im Wald einen Hirsch schießen, um etwas zu essen auf dem Tisch zu haben, jedoch ahmt dieser Trend die Ernährung der steinzeitlichen Jäger und Sammler mit den heute verfügbaren Lebensmitteln nach. Viele Promis und Influencer, aber auch Normalos schwören auf die steinzeitliche Ernährung, die ihre Anfänge in den USA Ende der 1970er-Jahre hat. Zwar handelt es sich bei Paleo mehr um eine ganzheitliche Ernährungsumstellung als um eine Diät, trotzdem können kurzfristig Pfunde purzeln. Aber wieso sollte man heute so essen wie es die Menschen in der Steinzeit getan haben, wenn man doch aus dem Vollen schöpfen kann? Nun gut, ein Grund liegt auf der Hand: schnelle Diäterfolge. Aber wieso stellen Menschen gleich ihre ganze Ernährung nach diesem Prinzip um? Langfristig schlank zu sein kann nicht die einzige Motivation sein.

Die Entwicklung unserer Gattung zu der Form, die wir heute sind, dauerte etwa 2,5 Millionen Jahre. Anhänger der Paleo-Ernährung gehen davon aus, dass sich die Gene des Menschen seitdem nicht mehr verändert haben und dass deshalb die Lebensmittel, die während der Evolution verfügbar waren, die perfekte Nährstoffversorgung für den Menschen bieten. Alles, was später durch Ackerbau und Viehzucht hinzukam, wartet mit schädlichen Antinährstoffen auf. Die paläontologische Forschung unterstützt die Aussagen der Steinzeit-Diät. Bei Untersuchungen von Skeletten aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte konnten bei solchen, die aus der Zeit vor der Landwirtschaft stammten, weit weniger Anzeichen für typische Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit festgestellt werden. Weiter noch, Steinzeitmenschen hatten keine Herz-Kreislauferkrankungen, außerdem waren sie muskulöser und größer. Möglicherweise sind stark verarbeitete Lebensmittel, also Getreide- und Milchprodukte sowie Zucker die Schuldigen in Sachen Krankheiten.

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Um mir selbst ein besseres Bild dieser Ernährungsform machen zu können, habe ich zehn Tage lang meine Ernährung nach den Vorschriften von Paleo umgestellt. Zur Annäherung an das Thema habe ich mir zwei Kochbücher gekauft, die besonders für Anfänger geeignet sind. Zu Anfang stellt sich natürlich die Frage, was eigentlich zur Paleo-Ernährung gehört. Gemüse, Obst und Fleisch, dachte ich mir, aber ein bisschen mehr ist schon drin: Dazu kommen noch Fisch, Eier, Nüsse und Samen sowie tierische Fette und ausgewählte Pflanzenfette, etwa kaltgepresstes Oliven- und Kokosöl. Für die zehn Tage meines Experiments waren also Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Zucker und künstliche Süßstoffe, raffinierte Pflanzenöle und Fette, außerdem Süßigkeiten, Softdrinks und Saftschorlen tabu. Eine echte Herausforderung für jemanden, dessen Hauptnahrungsmittel Müsli, Joghurt und Nudeln sind, aber mein Ehrgeiz war geweckt.

Paleo Kochbücher

Paleo Kochbücher | Stephanie Eisenmann

Paleo Kochbücher - Stephanie Eisenmann


Mit die größten Schwierigkeiten bei dieser Ernährungsumstellung sind wohl Heißhungerattacken auf klebrig süßes Gebäck und Tiefkühlpizza und das Essen gehen. Obwohl es im ersten Moment unmöglich erscheint, in Restaurants Paleo konform zu essen, ist es auf den zweiten Blick gar nicht mehr so schwer. Burger bestellt man beispielsweise ohne Brot und Käse, dafür mit extra Bacon. Beim Italiener gibt es nicht nur Pizza und Pasta, sondern auch Salate und überall sonst findet man auch Alternativen. Auch bei den Heißhungerattacken wissen die Kochbücher durch Rezepte für Snacks Abhilfe zu schaffen. So weit, so gut, als nächstes dann der Großeinkauf.

Nachhaltigkeit und qualitativ hochwertige Lebensmittel sind bei der Paleo-Ernährung wichtig. Fisch aus Bio-Aquakulturen oder Wildfang, Fleisch von Weiderindern, freilaufenden Hühnern und Schweinen oder Wild, regionales und saisonales Obst und Gemüse - mir schwant Übles, das wird ziemlich teuer und so ist es. Das nötige Kleingeld braucht man für diese Ernährungsform auf jeden Fall.

Da Hä?! kein Foodblog ist und ich an dieser Stelle keine Rezeptvorschläge geben will, fahre ich einfach mit den Erfahrungen fort, die ich während meiner zehn Tage Paleo gemacht habe.

Skepsis brachten mir die meisten, denen ich von meinem Vorhaben erzählte, entgegen. Jedoch waren vor allem meine Mama und meine beste Freundin solidarisch und haben sich auch darauf eingelassen. Nach dem Essen fühlte ich mich nie aufgebläht oder überfressen, wie es bei meinen geliebten Nudeln mit Pesto häufig der Fall ist. Abgenommen habe ich nur unmerklich, dies war aber auch nicht mein Ziel. Der Verzicht auf Zucker, Milch- und Getreideprodukte kann aber durchaus zu Gewichtsverlust führen. Negativ sind mir vor allem die mit der Umstellung verbundenen Kosten und der Aufwand aufgefallen. Mal schnell ein Fertiggericht in die Mikrowelle stellen oder ein Döner vom ZOB sind nicht drin. Alles wird frisch zubereitet - Planung ist das A und O.

Am Ende bleibt mir nichts anderes zu sagen als, dass ich froh bin, wieder alles essen zu dürfen. Trotzdem haben mir diese zehn Tage gezeigt, dass es viele Alternativen zu unseren stark verarbeiteten Lebensmitteln gibt und ich habe mir vorgenommen in Zukunft bewusster zu essen und beim einen oder anderen Mal die Getreide- und Milchprodukte wegzulassen.






 

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