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TH Deggendorf  |  02.01.2018  |  11:59 Uhr

Start-Up "Gedenkschmiede" von Bestatter-Branche ausgezeichnet

von Beryll Kunert

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Deggendorf. Das Leben eines Verstorbenen zu würdigen, kann auf viele Arten geschehen. Die Brüder Marcus (33) und Daniel Brandner (30) haben sich ihre ganz eigene ausgedacht. Reden ohne selbst zu sprechen, ist die Idee ihres Start-Ups "Gedenkschmiede". Das bedeutet, Angehörige können im Trauerfall eine eigene Rede verfassen und diese von professionellen Sprechern einsprechen und mit Musik unterlegen lassen. Ein weiteres Angebot ist ein Gedenkvideo, in dem Fotos des Verstorbenen gezeigt werden. Kleine Kommentare und Musik runden die Präsentation ab. Die Rede oder das Video können bei der Trauerfeier oder Beerdigung abgespielt werden.

"Der Trauermarkt ist sehr ritualisiert. Wir wollen mit unseren Gedenkreden und -videos einen individuellen Abschied ermöglichen", sagt der studierte Wirtschaftsingenieur Daniel Brandner. "Das ganze Leben wird immer individualistischer, nur im Bereich der Trauer nicht. Dabei macht es da am meisten Sinn", sagt sein Bruder Marcus. Denn der Abschied sei genauso Teil des Lebens des Verstorbenen wie alles andere auch. Die persönliche, mulitmediale Gestaltung von Trauerfeiern soll eine Würdigung des Lebens sein, aber vor allem den Angehörigen einen persönlichen Abschied ermöglichen.

Die Idee kam den Brüdern aus Nürnberg durch einen Trauerfall in der Familie. Als ihre Tante im Juni 2012 verstarb, wollten sie ihr letzte, persönliche Worte mit auf den Weg geben, ohne vor die Trauergemeinde treten zu müssen. Sie sprachen eine Trauerrede ein und unterlegten sie mit selbst komponierter Musik. "Die Resonanz von der Familie, aber auch vom Pfarrer war extrem positiv", sagt Marcus Brandner. Seitdem geistert die Idee in ihren Köpfen herum. Die Initialzündung, damit ein Unternehmen zu starten, entstand aber erst durch eine Vorlesung im Jahr 2015 von Professor Winterfeldt an der TH Deggendorf, an der Marcus Brandner seinen Master in Medientechnik macht. In dem Seminar sollte ein Businessplan erstellt werden. Die Brüder nutzten die Gelegenheit und gossen ihre vage Idee erstmals in eine konkrete Form. Professor Winterfeldt erkannte deren Potential und ist bis heute Mentor und Berater der Gedenkschmiede. Er riet den Brüdern, sich um eine Förderung durch das Flügge-Programm zu bewerben. Das Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie verfolgt das Ziel, Unternehmensgründungen aus Hochschulen in Bayern zu unterstützen. Die Brüder erhielten die Förderzusage und sind seitdem eng in den Hochschulalltag der TH Deggendorf eingebunden. Sie stellen in Seminaren ihr Projekt vor und betreuen Bachelorarbeiten. "Die Hochschule unterstützt uns mit Technik, ihrem Wissen und ihrem Netzwerk", sagt Marcus Brandner.

Während er für die Audio- und Videotechnik sowie die IT zuständig ist, kümmert sich sein Bruder Daniel um Marketing und Vertrieb. "Gerade läuft es noch etwas schleppend an", sagt Daniel Brandner. "Die Leute sind noch ein wenig skeptisch und im Trauerfall verunsichert, ob das für sie das Richtige ist", erklärt er. Der Preis für eine Gedenkrede oder ein Gedenkvideo ist in etwa vergleichbar mit dem Engagement eines Trauerredners.

Die Kunden der Gedenkschmiede sind nicht die Angehörigen, sondern die Bestatter. Die Bestattungsunternehmen bieten in ihrer Beratung den Service der Gedenkschmiede an und schließen letzendlich den Vertrag ab. Trotzdem ist den Brüdern der Kontakt zu den Angehörigen wichtig: "Wir versuchen wirklich jeden Sonderwunsch zu erfüllen und gehen auf jeden individuell ein", so Marcus Brandner. Wer sich schwer tut, selbst eine Trauerrede zu verfassen, findet auf der Homepage der Gedenkschmiede Hinweise und Hilfestellungen. Dort sind auch Hörproben der Sprecher zu finden, die die persönlichen Worte vertonen. Die Musik zur Untermalung komponieren die Brüder selbst. "Wir haben seit klein auf Musik gemacht, Marcus hat auch eine Ausbildung zum Tontechniker", erzählt Daniel Brandner.

Einen großen Erfolg feierte die Gedenkschmiede im Oktober diesen Jahres: Marcus und Daniel Brandner erhielten den European Funeral Innovation Award in der Kategorie Innovationen im Bereich bestattungskultureller Ideen. Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, empfahl den beiden in einem Gespräch die Bewerbung. "Seither bekommen wir Anfragen aus ganz Deutschland", freut sich Marcus Brandner, "das ist der begehrteste Preis in der ganzen Branche".

Dennoch ist die Auszeichnung eher schmückendes Beiwerk. "Was für uns am Ende zählt, ist, dass sich die Angehörigen angemessen verabschieden können, mit einem letzten persönlichen Gruß", sagt Daniel Brandner. Die Rede oder das Video sind aber auch ein Erinnerungsstück für die Angehörigen: "Da kann man den Enkeln später nochmal zeigen, guck, so war dein Opa". Sich ständig mit dem Thema Trauer auseinanderzusetzen, sei schon manchmal schwer, sagt Marcus Brander, "Am Ende ist es für uns aber vor allem eines: eine Herzensangelegenheit."






 

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