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Uni Passau  |  27.11.2017  |  04:50 Uhr

Wer wird zuerst genannt und warum?

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Ein Großteil der wissenschaftlichen Forschung weltweit wird in Teams erbracht. Es hat sich als gängige Praxis etabliert, anhand der Autorenreihenfolge in veröffentlichten Artikeln Art und Bedeutung des Beitrags einzelner Teammitglieder zu interpretieren, z.B. von welchem Autor die Idee stammt, wer die Daten gesammelt und ausgewertet hat, wer Material zur Verfügung gestellt hat oder wer das Forschungspapier geschrieben hat. Nicht unbedenklich – daher haben wissenschaftliche Fachverlage inzwischen Regelungen getroffen, nach denen die Beiträge der genannten Autoren erläutert und veröffentlicht werden müssen ("Contributorship"). Ob dies eine Verbesserung darstellt und welche Wechselwirkungen sich aus dieser Praxis für Wahrnehmung und Wertigkeit von Autorenschaft ergeben, haben Prof. Dr. Carolin Häussler (Universität Passau) und Prof. Henry Sauermann (Georgia Institute of Technology und ESMT) in zwei Studien untersucht. Die Ergebnisse sind im November in Science Advances erschienen.

Studie 1 erforscht den Zusammenhang zwischen Autorenreihenfolge und Beitragsliste in über 12.000 Artikeln, um festzustellen, welche Informationen jeweils vermittelt werden. "Diese Analyse quantifiziert das Fehlerrisiko, wenn aus der Reihenfolge der Autoren auf Art und Volumen der einzelnen Beiträge geschlossen wird. Wir können zudem zeigen, wie dieses Risiko mit der Teamgröße und für gewisse Autorentypen ansteigt", erklärt Carolin Häussler. "Gleichzeitig deuten die Ergebnisse der Analyse darauf hin, dass die Informationen aus Autorenreihenfolge und Veröffentlichung der Beiträge sich ergänzen. So ist zu einem gewissen Maß die relative Bedeutung der Beiträge einzelner Autoren nur in der Autorenreihenfolge reflektiert, wohingegen Information zur Arbeitsteilung und dem konkreten Beitrag einzelner Autoren der Beitragsveröffentlichung entnommen werden kann."

Als Gegenstück zur bibliometrischen Analyse wurden in Studie 2 Daten von über 6.000 Autorinnen und Autoren analysiert, um herauszufinden wie die Veröffentlichung der Beiträge der Autoren gestaltet und verwendet werden. "Diese Analyse zeigt auf, dass signifikante Unterschiede zwischen den Disziplinen bestehen und es außerdem deutliche Unterschiede zwischen etablierten und Nachwuchsforschern gibt", so Carolin Häussler. "Wir stellen zudem fest, dass die Ansichten über die Vorteile und Grenzen der Beitrags-Veröffentlichung stark auseinandergehen. Junge Wissenschaftler würden neben der Art des Beitrags eines Autors auch deutlich mehr als etablierte Wissenschaftler eine weitergehende detaillierte Auflistung des Anteils von Autoren zu bestimmten Beiträgen sowie der Bedeutung des Beitrags für das Gesamtprojekts begrüßen. Unsere Umfrage deutet daraufhin, dass jüngere Wissenschaftler sich im gegenwärtigen System stärker benachteiligt sehen. Gründe können hier vielfältiger Natur sein."

Auf Grundlage beider Studien erarbeiten die beiden Autoren der Studie wichtige Herangehensweisen für die zukünftige Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und bewerten die Auswirkungen für eine breite Stakeholder-Gruppe. -red
Die Original-Studie findet sich unter http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.1700404






 

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