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Uni Passau  |  20.05.2017  |  16:27 Uhr

Sprache steuert das Denken

von Caterina Klaeden

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Nahezu automatisch gleitet der Stift zu einem der beiden Kästchen, wenn in einem Fragebogen die Frage nach dem Geschlecht aufkommt. Aber nicht bei jedem ist dieser Automatismus vorhanden, nicht jeder sieht ein Entweder-Oder, eine Zuordnung von männlich oder weiblich als angemessen. In welches Kästchen setzen jene ihr Kreuz, die mehr im Geschlecht sehen als biologische Unterschiede? Diese und weitere Fragen gehörten zum Inhalt der Podiumsdiskussion unter dem Titel "GeniaL-Gender in der Akademischen Lehre" in den Tagungsräumen des Hotels "Weißer Hase".
Initiator und gleichzeitig Moderator war Dr. Christian Rademacher von der Lehrprofessur für Methoden der empirischen Sozialforschung der Universität Passau. Auf dem Podium saßen zwei Kollegen Rademachers: Alexander Naß, Sozialwissenschaftler der Universität Halle, Jonathan Rose, Anglist und Identitätsforscher der Universität Passau, dazu Nora Hantzsch: Als Berliner Rapperin und Aktivistin "Sokee" ist die Linguistin in der Genderforschung tätig.

"Jeder Mensch bringt sich selbst hervor", so Hantzsch, "letzen Endes gibt es so viele Gender wie es Menschen gibt." Naß ist ähnlicher Meinung und appelliert daran, dass sich gerade Sozialwissenschaften von "althergebrachten Kategorien" trennen müssen. Rose bezieht sich auf den poetischen Aspekt des Begriffs und beschreibt diesen als ein Ordnungsprinzip der Geschichte, das im Zusammenleben weiterhilft, oder eben nicht.
Besonders im sprachlichen Gebrauch sorgt die Frage nach dem Geschlecht immer wieder für Diskussionen – nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Gesellschaft. Mittlerweile gibt es die verschiedensten Schreibweisen, um klarzumachen: Hier handelt es sich um eine Gleichstellung aller, also jeden Geschlechts. Ob Unterstriche ("Gendergap"), Sternchen oder das angehängte –x: an Alternativen mangelt es nicht, jedenfalls im deutschen Sprachgebrauch. Auch im Englischen handele es sich um das gleiche Grundproblem, wie Anglist Jonathan Rose beschreibt. Nur sei es da nicht ganz so ausgeprägt, aufgrund der wenigen Artikel. "Sprache steuert das Denken", sagt Naß und beschreibt, wie die allgemein gebräuchliche, maskuline Sprachform, wie zum Beispiel bei dem Wort "Professor", die Gedanken auf einen Mann lenkt. Nora Hantzsch spricht sich klar gegen straffe Regularitäten in der Sprache aus. Sie selbst findet, dass Sprache experimentell sein könne, gerade weil sie einem stetigen Wandel unterliege: "Das sind alles Vorschläge, die tun niemandem weh." Wichtig seien weiterführender Diskussionen zu diesem Thema.

Mehrere Aussagen der Genderforscherin entlocken dem Publikum einen Zwischenapplaus. So skizziert Hantzsch, dass Menschen schon immer "queer" waren, nur dass es für sie noch kein "Konzept" gegen habe. Dabei stehe der Begriff "queer" für jene, die sich nicht einer bestimmten Norm unterordnen, die sie als hetero-, homo- , bisexuell oder eben völlig anders beschreiben würde. "Wir sind in der Lage, mit so viel Komplexität umzugehen, wir müssen uns nur trauen", so Hantzsch. Als Fazit betont Rademacher, dass das sprachliche "Gendern" allein gar nichts bringe, aber dass es Bewusstsein in der Gesellschaft schaffe: "Jeder muss sich selbst damit auseinandersetzen", so der Sozialforscher.






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