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Uni Passau  |  07.01.2017  |  08:29 Uhr

Forschungsprojekt zu Arbeitsmarkt-Programm für Tunesien

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Die Perspektivlosigkeit der Jugend löste 2011 die Revolution in Tunesien aus. Die Situation hat sich seither nicht verbessert. Im Gegenteil: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 35 Prozent. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Grimm begleitet nun Teilnehmer einer Pilotmaßnahme, die helfen soll, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.
In ländlichen Gebieten ist laut des jüngsten Weltbank-Berichts jeder dritte junge Tunesier arbeitslos, bei jungen Frauen ist es sogar jede zweite. "Hier wurde es nicht geschafft, Nischen im Weltmarkt zu finden. Der strukturelle Wandel hin zu einer modernen Ökonomie ist zum Halten gekommen", begründet Prof. Dr. Michael Grimm, Lehrstuhlinhaber für Development Economics an der Universität Passau. Als Konsequenz seien die fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten ein Grund für die instabile politische, wirtschaftliche und soziale Lage in Tunesien.
Das tunesische Arbeitsministerium versucht seit mehreren Jahren, dagegen vorzugehen, unter anderem mit finanzieller Hilfe durch den Entwicklungsfonds der Weltbank. Doch viele Programme zeigten kaum Wirkung, die Ursachen dafür sind unklar. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Passau und Professor Grimm begleitet die Maßnahme "Accompagnement" nun von der Einführung bis zum Abschluss und darüber hinaus. Das Projekt wurde vom tunesischen Ministerium für Berufsbildung und Beschäftigung entwickelt – und es ist beliebt. Über 100000 Interessierte haben sich um einen Platz beworben, durchlaufen werden es am Ende ca. 20000 Teilnehmer.
Zu Beginn des zweijährigen Programms steht eine Art Diagnose, am Ende ein individuell zugeschnittener Aktionsplan. "Interessant ist vor allem die Vermittlung von Soft Skills. Studien zeigen, dass Trainingsprogramme das Selbstbewusstsein, die Ambitionen und die Eigenverantwortung der Teilnehmenden beeinflussen. Damit bewegt sich das Projekt an der Grenze zwischen Ökonomie und Psychologie", sagt Michael Grimm. In die Auswertung fließen unter anderem die Befragungsergebnisse von 115 tunesischen Arbeitsämtern ein. "Die Resultate dürften nicht nur für Tunesien spannend sein. Es könnten sich davon auch wichtige Erkenntnisse für weitere Länder in Nahost und Nordafrika ableiten lassen", so Grimm.
Die International Initiative for Impact Evaluation (3ie) und die International Labour Organisation (ILO) fördern das wissenschaftliche Vorhaben an der Universität Passau mit einem Budget von insgesamt 400000 US-Dollar. Projektpartnerinnen sind die UNU-MERIT in Maastricht, die Universität Tunis und die Universität Sfax in Tunesien. − red






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