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PNP-Spendenaktion  |  16.12.2016  |  12:50 Uhr

Passauer Professor forscht in Malawi

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Von seiner Forschungsarbeit erwartet sich Prof. Dr. Michael Grimm auch Antworten auf die Frage, wie Gelder in Malawi so effizient wie möglich eingesetzt werden können. − Foto: Uni Passau/Weichselbaumer

Von seiner Forschungsarbeit erwartet sich Prof. Dr. Michael Grimm auch Antworten auf die Frage, wie Gelder in Malawi so effizient wie möglich eingesetzt werden können. − Foto: Uni Passau/Weichselbaumer

Von seiner Forschungsarbeit erwartet sich Prof. Dr. Michael Grimm auch Antworten auf die Frage, wie Gelder in Malawi so effizient wie möglich eingesetzt werden können. − Foto: Uni Passau/Weichselbaumer


Ein Forschungsteam um den Passauer Wirtschaftsprofessor Michael Grimm untersucht gerade, wie ein staatliches Beschäftigungs-Programm in Malawi verbessert werden kann. Von seinen Ergebnissen könnten Hilfsorganisationen wie UNICEF auch profitieren, wie er im Interview erklärt.

Prof. Dr. Michael Grimm leitet den Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie an der Universität Passau. Der Fokus seiner Arbeit liegt überwiegend auf Afrika. Das aktuelle Forschungsprojekt in Malawi wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert, die im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums tätig wird. Seit September diesen Jahres untersucht Grimm nun mit seinem Forschungsteam, wie sich staatlich subventionierte Beschäftigungsprogramme in Malawi auf die Armutssituation auswirken, ob sie die erhofften Ergebnisse bringen und wie sie verbessert werden könnten. Von Grimm und seinem Forschungsteam erhofft sich die GIZ nicht nur Antworten für Malawi und Subsahara-Afrika, sondern auch für ähnliche Programme, die in der Türkei, in Jordanien oder im Libanon unter dem Namen "Cash4Work" (Geld für Arbeit) aufgelegt wurden, um Geflüchteten zu helfen. Sie sind in den Krisengebieten ein wichtiges Mittel, um die Not der Menschen zu lindern und damit auch Fluchtursachen zu bekämpfen. Das Forschungsprojekt läuft zunächst bis Ende 2017.

Herr Prof. Dr. Grimm, wie funktionieren die Beschäftigungsprogramme in Malawi eigentlich, die Sie gerade genauer unter die Lupe nehmen? Grimm: In Malawi arbeiten die meisten Menschen in der Landwirtschaft. Diese zeichnet sich durch Phasen aus, in denen es mal mehr und mal weniger zu tun gibt. Zudem tragen Faktoren wie Wetter, Krankheiten und Plagen zu einer großen Unsicherheit bei. Hier setzen die Beschäftigungsprogramme an, die es jetzt seit acht Jahren gibt. Sie wirken wie eine Art Versicherung. Zum einen ist dank ihrer Hilfe das Einkommen relativ stabil, auch wenn die Ernte ausfällt. Zum anderen werden Dinge gebaut, die einen ökonomischen Wert für die Gemeinschaft haben, etwa ein Brunnen oder eine Bewässerungsanlage. In der Praxis hat das Programm aber bisher noch nicht die Wirkung entfaltet, die erhofft war. Die Leute machen zwar davon Gebrauch, aber der Wohlstand hat sich kaum verbessert und es wird nicht mehr investiert, um beispielsweise ihre Produktivität zu erhöhen.

"Was wirkt wann wo am besten und warum?"Was haben Sie sich zum Ziel gesetzt?Grimm: Wir wollen herausfinden, warum das Programm noch nicht so erfolgreich ist, wie es sein könnte und wie man es dahingehend verändern kann, dass die soziale Sicherungsfunktion erfüllt wird und die öffentlichen Güter, die im Rahmen der Programme gebaut werden, nachhaltig sind. Wir erleben ja gerade in Zeiten, in denen sich Dürre und Fluten abwechseln, dass produktives Vermögen zerstört wird. Unsere Aufgabe wird sein, Antworten darauf zu finden, welche Maßnahmen wann, wo und warum am besten wirken.

Wie gehen Sie dabei vor?Grimm: Einer meiner Mitarbeiter ist gerade in Malawi und sieht sich an, wie die Programme derzeit ablaufen. Mit der GIZ wird dann besprochen, was wie neu umgesetzt werden soll. Dann werden wir eine größere Erhebung starten, um verlässliche Daten zu sammeln, die uns zeigen, wie die Lage ist. Dann werden wir für mindestens sechs Monate die Beobachterrolle einnehmen und anschließend vor Ort prüfen, was sich verändert hat. Dabei geht es um Fragen wie: Hat die Infrastruktur standgehalten? Hat sich das Einkommen erhöht und stabilisiert? Gehen die Kinder in die Schule? Wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung aus? Als Vergleichsgröße dient eine Region, in der das Programm noch nicht eingeführt worden ist. Und am Ende soll es natürlich konkrete Handlungsvorschläge geben, mit denen beispielsweise Politiker arbeiten können.

Wie groß ist ihr Team?Grimm: Zum engen Kreis gehören ein Mitarbeiter an meinem Lehrstuhl und ein Mitarbeiter der GIZ in Malawi. Zum weiteren Kreis, der vielleicht zehn Köpfe umfasst, gehören auch Experten der Weltbank und anderer Organisationen. Für die Befragungen in den malawischen Haushalten benötigen wir natürlich auch Mitarbeiter vor Ort, die uns unterstützen. Ich selbst werde im Februar oder März nach Malawi reisen.

"Malawi wurde lange auch schlecht beraten"Worin sehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt die Ursachen für die schleppende Entwicklung des Landes? Welche Rolle spielt die Hungerkrise?Grimm: Malawi hat insgesamt schwierige Voraussetzungen, die noch aus der Kolonialzeit stammen, aber auch geographisch und im Hinblick auf den Klimawandel. Doch ich bin optimistisch, dass eine Entwicklung möglich ist. Dazu braucht es allerdings einen strukturellen Wandel. Das Land ist auf Landwirtschaft fokussiert, hat sich in diesem Feld aber nicht weiterentwickelt, nur wenig in produktivitätssteigernde Maßnahmen investiert. Jetzt in der Hungerkrise ist der Fall tief, und das wird auch anhaltende negative Effekte haben. Man muss jetzt schauen, welche lokalen Nischen es in Malawi gibt und welchen Platz die Wirtschaft des Landes in den globalen Wertschöpfungsketten einnehmen kann. Ich denke, eine der Antworten liegt im Agrarbereich. Malawi wurde lange auch schlecht beraten, ob von der Weltbank, dem Währungsfonds oder bilateralen Gebern.

Ohne fremde Hilfe wird es das Land kaum selbst aus der Krise schaffen. Wie wichtig ist eine gute Entwicklungsarbeit? Grimm: In einer Notsituation ist internationale Hilfe wichtig, das kann kein Land alleine schaffen. Und auch was die Folgen des Klimawandels angeht, da haben wir als Verursacher große Verantwortung. Generell sollte Entwicklungshilfe aber nur eine unterstützende Funktion haben. Ich sehe Malawi auf dem richtigen Weg, jetzt geht es darum, stabile Bedingungen zu schaffen.

Können auch Hilfsorganisationen wie UNICEF von Ihrer Forschungsarbeit profitieren?Grimm: Wenn Hilfsorganisationen ihre Gelder gezielt in solche Beschäftigungsprogramme stecken können und keine Nothilfe mehr finanzieren müssen, kommt Geld effizient zum Einsatz. Das würde ich im besten Fall erwarten. Und natürlich sollen solche Programme auch in anderen Ländern angewandt werden.

Das Interview führte Eva Fischl






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