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Uni Passau  |  17.06.2016  |  05:26 Uhr

Uni ermöglicht Urlaubssemester für Studenten mit Geschäftsidee

von Daniela Pledl

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Wer als Student – vom plötzlichen Geistesblitz gesegnet – ein Unternehmen gründen will, steht bisweilen vor der Entscheidung, dies nebenbei, zusätzlich zu Vorlesungen und Seminaren zu tun, oder aber die Uni zu verlassen, um sich gänzlich seinem Start-up zu widmen. Anders in Passau. Seit dem vergangenen Jahr gibt es hier die "Gründerzeit": Studenten mit Geschäftsidee können bis zu zwei Urlaubssemester einlegen und werden bei ihrer Unternehmung vom Transferzentrum beraten.

Start-up "Smartricity" nutzt die neue RegelungSebastian Schmidt (27) ist einer von insgesamt vier Studenten, die das Angebot nutzen beziehungsweise bereits genutzt haben. Er ist im dritten Semester des Masters of Business Administration und er hat eine Idee: eine app- und browserbasierte Energieberatung namens "Smartricity". Zusammen mit Jurist Ferdinand Gruber (27) – ebenfalls Passauer Student und ebenfalls gerade in der Gründerzeit – arbeitet er seit einem Jahr an der Umsetzung des Projektes. An der Uni Tübingen haben die Beiden in Enes Poyraz (29) einen weiteren Gründungspartner gefunden. Poyraz studiert Informatik und programmiert im Moment den Prototypen.

"Gut, dass Enes bald mit dem Studium fertig ist. In Tübingen gibt es nämlich keine Gründerzeit", sagt Schmidt. Die Gründung eines Unternehmens – gerade sitzt er an der Finanzplanung – sei wie "ein Vollzeitjob. Mit Tendenz zu mehr." Neben dem Studium – der Master hat vergleichsweise wenig Semester – könnte er das Projekt nicht stemmen, ist sich Schmidt sicher. Zu warten, bis er fertig studiert hat, sei hingegen zu riskant: "Die Technikbranche ist dafür zu schnelllebig".

Prof. Dr. Thomas Sauer, wissenschaftlicher Leiter des Transferzentrums, weiß um diesen Konflikt – er hat die Gründerzeit auf den Weg gebracht. Die Gründung eines Unternehmens, wenn es ernsthaft betrieben werde, sei, ebenso wie ein ernsthaftes Studium mit großem Aufwand verbunden. "Um diesen Konflikt zu lösen, müssen sich die Studierenden nicht exmatrikulieren, sondern können sich für eine Gründung beurlauben lassen, die dann aber auch vom Transferzentrum betreut und evaluiert wird. Gründerzeit ist so gesehen vergleichbar mit einem Praktikum oder einem Auslandssemester", erklärt er.

Mit dem Gründerzeitmodell habe die Uni auf Probleme reagiert, die sie bisher in der Praxis erlebt und von denen sie im Gespräch mit gründenden Studenten erfahren habe. Und zwar ganz ohne Vorbild: " Ich weiß von keiner anderen Uni, die eine Gründerzeit in dieser Form anbietet". Um ein Urlaubssemester bewilligt zu bekommen, muss die Geschäftsidee zunächst auf Potenzial, Plausibilität und aktuellen Stand geprüft werden. Die Idee müsse nur gut sein, sagt Sauer.

So wie die von Schmidt: Mit "Smartricity" wollen er und seine Gründerkollegen den Leuten das Stromsparen erleichtern, indem sie diese besser über ihren Energieverbrauch informieren. Nutzer sollen zunächst nur wenige Daten (z.B. die Größe der Wohnung) auf einer Internet-Plattform eingeben müssen, um sich mit anderen Haushalten vergleichen zu können. "Wer will, kann seinen Verbrauch dann detaillierter betrachten", sagt Schmidt. Dazu müssen nur die Typenschilder der verwendeten Geräte per Handy gescannt werden. Mit Durchschnittswerten (z.B. 240 Minuten Fernsehen pro Tag) wird auf Basis von Gerätetyp, Baujahr und Hersteller schließlich der Stromverbrauch ermittelt. Rund 15 Prozent würden Verbraucher, die um ihren Energieverbrauch und ihre größten "Stromfresser" wissen, durchschnittlich sparen, beruft sich Schmidt auf wissenschaftliche Studien: "Das sind etwa 170 Euro". Für den Informationsdienst wollen die drei Studenten zunächst kein Geld verlangen. Über eine Premiumversion, über Datengewinnung und über Vermittlung energiesparender Geräte planen sie letzten Endes Geld zu verdienen.

Beratung durch Uni gibt SicherheitDie Idee ist gefunden. Die Gründerzeit genehmigt. Bei allen weiteren Herausforderungen steht das Transferzentrum der Uni nun beratend zur Seite. Drei Termine sind dort im Rahmen der Gründerzeit verpflichtend. "Diese Gespräche sind nicht als Schikane sondern als Unterstützung gedacht", sagt Sauer.

Stefan Jelinek, Gründungsberater im Transferzentrum, hat selbst mehrere Unternehmen gegründet und weiß wovon er spricht. Er sagt: Ein Start-up zu gründen und zu betreiben, ist ein spannendes und abwechslungsreiches Unterfangen. Die Herausforderungen reichen von Ideenfindung über Marktrecherche und Themenfindung bis hin zu Produkt-/Servicentwicklung und Markteintritt. Später kommen auch Themen wie Kapitalgewinn, Marktexpansion, Mitarbeitergewinnung und bürokratische Erledigungen verstärkt hinzu. "Langweilig wird es also nicht", lacht er. Jelinek hilft den Gründerzeit-Studenten unter anderem bei Fördermittelbeantragung, Umsetzung, Netzwerkarbeit und bei der Suche nach Kapitalgebern.

"Das gibt Sicherheit", bestätigt Schmidt. Für ihn war die größte Herausforderung aber, überhaupt den Mut zu finden, das Projekt anzugehen: "Vollzeitarbeit ohne Lohn. Und im schlimmsten Fall ist alles umsonst", erklärt der 27-Jährige. Jenes persönliches Risiko, zumindest was die akademische Ausbildung betrifft, klein zu halten, sei die Idee der Gründerzeit, erklärt Sauer. Während des Urlaubssemesters dürfen die Studenten keine Prüfungen ablegen, am Ende müssen sie lediglich einen kurzen Abschlussbericht schreiben: "Die Zeit tickt nicht weiter." Sie wird nicht auf Regel- oder Höchststudienzeit angerechnet.

Und wenn die Gründungsidee scheitert? "Dann scheitert sie eben", sagt der Leiter des Transferzentrums. "Gründung ist mit Risiko verbunden und viele erfolgreiche Unternehmer sind auch schon einmal gescheitert". Die Studenten könnten dann einfach mit ihrem Studium weitermachen.

Läuft das Geschäft hingegen gut, können sich die Gründer natürlich auch dafür entscheiden, ihr Studium endgültig abzubrechen und sich voll und ganz dem Unternehmen zu widmen. Erfahrungsgemäß – bisher haben vier Studenten fünf Gründerzeiten beansprucht – beenden die meisten Studenten aber ihr Studium, berichtet Jelinek. Sie betreiben ihr Start-up dann, nachdem die erste kraftraubende Gründungsphase vorbei ist, wieder nebenbei.






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