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Unileben  |  05.01.2015  |  13:42 Uhr

Nie wieder Blackout: Was Studenten gegen Prüfungsangst tun können

von Peter Neitzsch

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Wenn nichts mehr geht und die Angst vor der Prüfung lähmt, bieten die Psychologischen Beratungsstellen des Studentenwerks Hilfe an. − Foto: dpa

Wenn nichts mehr geht und die Angst vor der Prüfung lähmt, bieten die Psychologischen Beratungsstellen des Studentenwerks Hilfe an. − Foto: dpa

Wenn nichts mehr geht und die Angst vor der Prüfung lähmt, bieten die Psychologischen Beratungsstellen des Studentenwerks Hilfe an. − Foto: dpa


Das Herz schlägt heftig, der Atem geht schneller, der Magen verkrampft – wer Angst vor Prüfungen hat, kennt das. "Im Grunde sind das Signale, die zur Flucht aufrufen", sagt die Berliner Psychologin und Ratgeberautorin Helga Knigge-Illner. Droht Gefahr, schlägt der Körper Alarm. Bei Prüfungen steht einiges auf dem Spiel: "Man kann versagen oder seinen Ansprüchen nicht gerecht werden." Viele ergreifen deshalb auch vor Leistungstests im Studium die Flucht.

"In der Regel kommen Studenten erst zu uns, wenn der Leidensdruck sehr groß ist", sagt Miriam Benkißer, Koordinatorin der Psychotherapie-Ambulanz der Universität Konstanz. Einige hätten bereits große Probleme wie wochenlange Schlaf- und Essstörungen. Auch Vermeidungsverhalten deutet auf ein ernsthaftes Problem hin: "Manche stehen bereits kurz vor der Exmatrikulation, weil sie aus Angst nicht zu den Prüfungen gehen."

Psychologische Beratungsstellen helfen

An den Universitäten gibt es für Studenten mit Prüfungsangst mehrere Anlaufstellen: "Wenn es sich nur um normalen Prüfungsstress und Lampenfieber handelt, ist die psychologische Beratungsstelle des Studentenwerks die richtige Adresse", sagt Benkißer. "Sollte eine Behandlung nötig sein, werden die Studenten zu uns vermittelt." Eine kognitive Verhaltenstherapie, wie sie die Uni-Ambulanz anbietet, werde von der Krankenkasse bezahlt.

Psychologische Beratungsstellen gibt es auch an der Universität Passau, der Technischen Hochschule Deggendorf und der Hochschule Landshut.

Vor allem zwei Gruppen von Studierenden seien besonders gefährdet, sagt Knigge-Illner: solche, die nur schlecht auf die Prüfung vorbereitet sind, und die besonders Ehrgeizigen, die sich stark unter Druck setzen. "Menschen mit großer Prüfungsangst neigen zu übermäßiger Besorgtheit und unterminieren damit ihr Selbstvertrauen." Wichtig sei, sich klarzumachen, dass Fehler dazugehören und sich nicht gleich negativ auf das Prüfungsergebnis auswirken.

Krankhafte Prüfungsangst kann in Depression münden

"Bei manchen Studenten reicht es schon aus, zu üben, wie man richtig lernt und den Arbeitsalltag strukturiert", sagt Benkißer. Bei anderen sei es nötig, an die Ursachen der Ängste zu gehen. "Eine krankhafte Prüfungsangst verschlimmert sich oft und kann in eine echte Depression münden", warnt die Expertin. Betroffene sollten daher frühzeitig Hilfe suchen - und nicht warten, bis einem die Probleme über den Kopf wachsen.

Für die Mannheimer Psychotherapeutin Doris Wolf sind die Einstellungen ein wesentlicher Faktor beim Entstehen von Prüfungsängsten: "Wer die Prüfungssituation als Frage von Leben und Tod betrachtet, wird mit massiver Angst reagieren." Sie empfiehlt, den Druck durch positive Suggestionen zu mildern: "Man sollte sich ausmalen, wie man die Prüfung gut bewältigt."

Sich vor Augen zu halten, dass man es schaffen kann, empfiehlt auch Knigge-Illner. Viele Studenten würden sich mit dem Gedanken verrückt machen: "Ich falle ohnehin durch." Das mache mutlos und depressiv. Um körperliche Folgen wie Kopfschmerzen oder Magenprobleme zu vermeiden, sollten Studenten bei der Prüfungsvorbereitung auf ihren Körper achten, rät Wolf. Dazu gehört zum Beispiel, sich gesund zu ernähren, ausreichend zu trinken oder auch eine Entspannungstechnik zu lernen.

Die leichteste Aufgabe zuerst

"Am Prüfungstag selbst sollte man nicht mehr lernen, das steigert nur die Nervosität", rät Knigge-Illner. Dagegen kann ein gutes Frühstück oder ein Spaziergang helfen. Auch für die Prüfung selbst gibt es Strategien, Blockaden zu bewältigen. Wolf empfiehlt, zunächst mit der Aufgabe zu beginnen, die am leichtesten fällt. Kommt eine scheinbar unlösbare Aufgabe, solle man sich sagen: "Ich möchte gerne alles beantworten können, aber ich kümmere mich zuerst darum, was ich lösen kann."

Wer bei der mündlichen Prüfung für einen Augenblick ein Brett vor dem Kopf hat, spricht das am besten offen an. "Man sollte kurz sagen, dass man eine Pause braucht", sagt Knigge-Illner. Dafür habe jeder Verständnis. Danach gelte es, ein paar Mal tief durchzuatmen und dann das vorhandene Wissen wieder abzurufen.

Ein Prüfling sollte seine Angst am besten sportlich nehmen. Das helfe dabei, eine gewisse Lethargie zu überwinden: "Ohne Prüfungsangst würden viele vermutlich gar nicht lernen." Am Ende muss die Gewissheit stehen: "Ich kann das schaffen!" Dann hindern auch Anspannung und Lampenfieber nicht daran, das Gelernte abzurufen. Im Gegenteil: Das Gehirn arbeitet dann sogar besser als bei völliger Entspannung. "Der Faktor Aufregung kann auch etwas Positives haben, denn er schärft den Verstand." − dpa






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