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12.07.2017  |  10:00 Uhr

Southside 2017: Sommerstimmung für Musikliebhaber

von Teresa Diener

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Festivalgelände Eingang

Festivalgelände Eingang - Teresa Diener


In den Morgenstunden fahren wir los. Noch ist es kühl, doch unsere Wetterapp sagt, ab Mittag soll es heiß werden. Das merken wir auch unterwegs, immer öfter muss die Klimaanlage herhalten. Nach einer langen Fahrt, zum Glück ohne jegliche Staus, erreichen wir den Parkplatz und reihen uns erstmal hinter allen anderen Autos ein. Die Sonne brennt vom Himmel. Uns wird ein Parkplatz zugewiesen, wir steigen aus, packen unsere Sachen und laufen los. Am Eingang erwartet uns eine lange Schlange. Nach zwei Stunden Stop and Go haben wir schließlich unser Bändchen. Bei der Eingangskontrolle dasselbe Spiel. Gefühlt stundenlang stehen wir zwischen Menschen, von denen sich keiner einen Zentimeter zu bewegen scheint. Durch die vermehrten Vorfälle der letzten Monate wurden auch hier die Sicherheitsmaßnahmen nochmals verstärkt: Unsere Taschen werden aufs Genaueste durchsucht, das kleine Messer, gedacht zum Schneiden von Grillfleisch, müssen wir dort lassen. Komplett verschwitzt und mit hochrotem Kopf, bepackt bis auf die Knochen, laufen wir gemeinsam mit einer Horde Menschen los. Der Kampf um die besten Zeltplätze hat begonnen. Nach längerer Sucherei und kleineren verbalen Auseinandersetzungen kommen wir endlich an einem geeigneten Platz vorbei und stellen schnell unser Zelt auf. Die Sonne brennt immer noch vom Himmel. Zum Glück haben wir einen Pavillon, doch auch im Schatten ist es viel zu warm. Erstmal umziehen, ein kaltes Radler und ausruhen, bevor es los zum Festivalgelände geht. Inzwischen sind seit unserer Ankunft fünf Stunden vergangen. Fünf Stunden Warten, Schleppen, Schwitzen.

Zelt

Zelt - Teresa Diener


Nach einem kurzen, ungeplanten Mittagsschlaf unter unserem Pavillon machen wir uns auf den Weg zu unserer ersten Band. Das Flugplatzgelände in der badenwürttembergischen Gemeinde Neuhausen ob Eck im Landkreis Tuttlingen eignet sich perfekt für ein derart großes Festival. Eine große Landebahn stellt dabei das Zentrum aller Orientierung und den Weg zum Festivalgelände dar. Auch der Eingang zum Festivalgelände ist gesichert. Mitnehmen darf jede Person nur eine Bauchtasche und eine Jacke/Pullover, jede Art von Rucksäcken, Turnbeuteln oder Taschen sind dieses Jahr verboten. Getränke ebenso, erlaubt sind lediglich leere knickbare Flaschen mit 1 Liter Fassungsvermögen oder weniger.

Zeltplatz Bierdose

Zeltplatz Bierdose | Teresa Diener

Zeltplatz Bierdose - Teresa Diener


Auffüllen kann man sich diese nach der Sicherheitskontrolle an einer der drei Trinkwasserstellen auf dem Gelände. Wir stellen uns in die Menschenmasse und hoffen, dass die Warterei diesmal schneller geht als bei der Ankunft. Die Sonne macht uns langsam zu schaffen und auch bei anderen sieht man vereinzelt schon einen Sonnenbrand. Dabei haben die Bands noch nicht mal richtig angefangen. Doch die Leute sind alle gut drauf, singen Lieder oder tanzen, die Wartezeit vergeht sehr schnell - egal, ob alle in die bekannten Lieder einstimmen oder Mülltonnen crowdsurfen - langweilig wird einem dabei nie. Mit guter Laune und einem Ohrwurm im Kopf kommen wir gerade noch rechtzeitig zu unserem ersten Konzert. Auch dieses Jahr spielen wieder über einhundert Bands verteilt auf vier Bühnen. Die zwei größten Bühnen stehen unter freiem Himmel, die anderen zwei in riesigen Zelten. Auf der  Bühne stehen die Musiker den ersten Tag ab 15 Uhr, die anderen beiden schon ab 12 Uhr. Große Bands oder Headliner wie Green Day oder Linkin Park spielen natürlich zu den besten Zeiten, zwischen ca. 20 und 24 Uhr abends.

Mülltonne Crowdsurfing

Mülltonne Crowdsurfing - Teresa Diener


Nachdem wir endlich auf dem Gelände sind, suchen wir uns erstmal einen Platz im Schatten, denn wir haben so unsere Zweifel, ob selbst die Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 in dieser Hitze standhalten kann. Die Schattenplätze sind sehr begrenzt und so finden wir uns nach einiger Zeit Suchen direkt bei einem Getränkestand sitzend auf Geröll neben einigen anderen Leuten wieder. Nach ein paar ruhigeren Konzerten werden wir langsam hungrig und machen uns auf den Weg, etwas Essbares zu finden. Aber lange suchen müssen wir nicht: Überall, sowohl auf dem Campinggelände, als auch auf dem Festival direkt stehen Essenswagen. Neben den Klassikern wie Döner, Pommes, Asia Nudeln, findet man hier auch Burritos, Käsespätzle und die sogenannte "Handbrotzeit". Ein Teig, der mit Käse gefüllt und gebacken, dann mit Champignons oder Schinken bestückt wird. Bei der unfassbar riesigen und leckeren Auswahl an Essen sollte niemand sparen. Fast alle Freunde von uns nahmen ihre mitgebrachten Dosenravioli reihenweise wieder mit nach Hause.

So langsam wird es kühler und das Festivalgelände füllt sich. Erst jetzt können wir uns die Anzahl der 60.000 Besucher vorstellen. Wobei natürlich die abzuziehen sind, die bereits ab dem ersten Tag aufgrund von zu starkem Alkoholeinfluss nicht befähigt sind, das Festivalgelände zu erreichen. Der Bereich vor den Bühnen ist jeweils mit sogenannten Wellenbrechern ausgestattet. Das bedeutet, im Halbkreis um die Bühne stehen hintereinander mit jeweils einigen Metern Platz dazwischen zwei Absperrungen. Diese sollen riesige unkontrollierbare Menschenmassen vor den einzelnen Bühnen verhindern. Der Eingang zum vordersten Bereich befindet sich auf der linken Seite vor der Bühne, während der Ausgang auf der rechten Seite ist. Bei großen Konzerten steht auf der Eingangsseite bereits eine halbe bis ganze Stunde vor Beginn der Veranstaltung schon eine lange Schlange um sich einen Platz so nah an der Bühne wie möglich zu sichern.

Jennifer Rostock Konzert

Jennifer Rostock Konzert - Teresa Diener


Es ist 18 Uhr und Jennifer Rostock beginnt zu spielen. Wir stehen ganz vorne zusammen mit vielen anderen Menschen. Hier vorne ist die Hitze, die um diese Uhrzeit bereits eigentlich verflogen ist, sofort wieder da. Die Körperwärme jeder Person heizt den kompletten Bereich direkt vor der Bühne auf. Doch schwitzen muss man hier nicht, im Gegenteil: steht man nicht in einer Gruppe von Menschen, so wird es in den kurzen Klamotten, die alle über den warmen Tag anhatten, abends fast ein wenig frisch. Nach ein paar Liedern bilden sich in der Mitte des Wellenbrechers Kreise in den denen Leute anfangen zu pogen. Sie springen und rennen fröhlich umher und rempeln dabei möglichst viele Leute an. Andere stellen sich in die Kreise und lassen sich einfach treiben. Immer wieder ist zu sehen, wie Leute dabei stürzen, doch sofort ziehen umherstehende Menschen sie wieder hoch und sie machen weiter. Wir bleiben am Rand und passen uns unserer Umgebung an: Die Leute um uns herum tanzen und singen, werfen mit Konfetti oder teilweise auch mit ihren Getränkebechern. Immer wieder schwappt über unseren Köpfen Bier aus und durchtränkt unsere Haare und Oberteile. Als das Konzert fast zu Ende ist, ruft die Bandleaderin alle Musikfans zu Solidarität und Menschenliebe auf. Auch einige politische Aussagen gegen Rassismus und vor allem die Gewalt gegenüber Flüchtlingen folgen. Untermauert werden diese Aussagen vom letzten Lied der Band: "Wir sind alle nicht von hier". Uns fällt an diesem Wochenende auf, dass noch viele weitere, darunter fast ausschließlich deutsche Bands, auf ihren Konzerten Solidarität und Respekt predigen. Als das Konzert zu Ende ist, strömen alle Menschen zum Ausgang des Wellenbrechers.

Festivalgelände bei Nacht

Festivalgelände bei Nacht | Teresa Diener

Festivalgelände bei Nacht - Teresa Diener


Nach einigen weiteren Konzerten mit teils noch größerem Andrang machen wir uns gegen Mitternacht auf den Weg zurück zu unserem Zelt. Dort warten bereits Freunde und Zeltnachbarn mit einem Mitternachtssnack. Nachdem wir noch ein bisschen zusammengesessen sind, machen wir uns gegen halb 3 auf den Weg ins Zelt. Der Tag war sehr anstrengend und doch hat es sich gelohnt. So viele gut gelaunte und musikliebende Menschen findet man selten an einem Fleck. Als wir wieder aufwachen, ist es noch nicht ganz hell. Ich schaue auf mein Handy: 6 Uhr morgens. Unsere Nachbarn, die gerade vom Feiern kommen, scheint das nicht zu stören. Sie rennen mit Bierdosen in der Hand herum, schreien "Aufstehen", klopfen an Zelte und singen laut Schlagerhits. Nach einer Stunde geben wir uns geschlagen und stehen auf. Über den noch halb schlafenden Campingplatz laufen wir Richtung Toiletten. Die sanitären Anlagen sind bereits jetzt besetzt und lange Schlangen stehen davor. Das Duschen wird heute wohl ausfallen, aber da sind wir nicht die Einzigen. Nach dem Anstehen für die Toiletten und dem Zähneputzen laufen wir zurück. Von einem Verkäufer, der überall auf dem Zeltgelände mit einem Getränkerucksack herumläuft, kaufen wir zwei Kaffee. Als wir an unserem Platz ankommen, schlafen unsere Nachbarn auf dem Boden vor ihren Zelten. Den Vormittag verbringen wir mit unseren mitgebrachten Milchbrötchen unter dem Pavillon auf einer Picknickdecke. Immer wieder dösen wir ein, während es langsam wärmer wird. Ehe wir uns versehen, ist auch schon früher Nachmittag und wir machen uns wieder auf den Weg zum Festivalgelände. Auf zu neuen Bands und neuem Essen.

Unten im Downloadbereich findet ihr meine Festival-Packliste. Drauf steht nur der Grundstock, den jeder Festivalbesucher früher oder später brauchen kann. Die Liste ist natürlich beliebig um Planschbecken, Bollerwagen oder auch Badewannen erweiterbar!



Zum Herunterladen



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