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22.06.2017  |  11:00 Uhr

Twitch.tv, Youtube Gaming & Co.: Wer schaut anderen beim Spielen zu?

von Max Bock

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Dreamhack Summer 2017

Dreamhack Summer 2017 | Dreamhack / Adela Sznajder

Dreamhack Summer 2017 - Dreamhack / Adela Sznajder


Jönköping, Schweden. 19. Juni, 19.05 Uhr. Olof Kajbjer sitzt angespannt in seinem DX Racer und starrt auf den Bildschirm. Noch einmal die Hände am Trikot abwischen. Die rechte Hand nimmt ihren gewohnten Griff an der Maus wieder ein, die linke ruht schon längst auf den Tasten W, A, D und Shift. So wird er die nächsten drei bis vier Stunden verharren, seine volle Konzentration bündelt sich auf den Monitor mit der Skalierung 4:3 und den schwarzen Balken am Rand.

Das, was sich auf den 1024x768 Pixeln seiner nahezu quadratischen Sichtfläche in den nächsten Stunden abspielen wird, entscheidet, wer das größte Stück vom 100.000 US-Dollar Preispool mit nach Hause nimmt. Würde "olofmeister", so nennt sich Olof Kajbjer "ingame", durch den schallgeschützten Glaskasten einen Blick nach draußen werfen, sähe er Tausende von Fans, die ihre Augen auf sein schwedisches Team fnatic oder das seiner brasilianischen Gegner, SK Gaming, gerichtet haben. Für ihn aber ist das unbedeutend: das Einzige, was zählt, ist das Counter-Strike: Global Offensive-Finale der Dreamhack Summer 2017 zu gewinnen, hier und jetzt.
Doch es starren nicht nur Olof und seine vier Teammates gebannt auf ihre Monitore. Neben den zigtausend Zuschauern im Elmia-Messezentrum, die auf der großen Leinwand zwischen den beiden Glaskästen das Geschehen live miterleben, fiebern insgesamt 1.275.000 Menschen zusätzlich von zuhause aus auf ihren Bildschirmen und Smart-TV‘s mit.

Sie verfolgen den Verlauf des CS:GO-Matches über die Streaming-Plattform twitch.tv, die sich auf Streaming rund ums Gaming spezialisiert hat. Twitch.tv ist Marktführer in seinem Metier und inzwischen vom Einzelhändlerriesen Amazon geschluckt worden. Das war ein kluger Schachzug von Amazon, denn die Gaming-Branche boomt und mit ihr das Streamen von eSport-Events. Doch was ist wirklich dran an dem Hype, der jedes Jahr aufs Neue immer größere Hallen füllt und sowohl Hardware-Sponsoren als auch Sportvereine magnetisch anzieht? Ein Blick auf die Zahlen soll Licht ins Dunkel bringen.

Angefangen mit einer branchenübergreifenden Wirtschaftsprognose des Global eSports Market Report 2017, spricht diese für sich schon Bände. Bemerkenswert hierbei ist vor allem die Voraussage der Datenanalysten von newzoo, dass sich der Umsatz der kompletten Branche in drei Jahren mehr als verdoppeln wird. Oder anders ausgedrückt: der eSport-Bereich hat eine geschätzte Umsatzsteigerung von 357% innerhalb von fünf Jahren - das sind Zahlen, von denen sogar Hedgefonds-Manager nur träumen können. Auch die Zuschauerquoten sollen insgesamt um 150% steigen, Werte, die "richtige" Sportarten blass werden lassen.

eSport-Demographie in den USA 2016

eSport-Demographie in den USA 2016 - Max Bock / Quelle: CNN/newzoo


Die USA stellen wie in vielen anderen Gesellschaftstrends eine Vorreiterrolle dar. Hier ist eSport schon viel länger in größerem Ausmaß beliebt und etabliert: im Januar 2017 übertrug der Sportsender tbs des Medienhauses Turner statt NBA zur Prime Time am Freitag Abend das Finale des CS:GO Majors in Atlanta. In Deutschland übertrug Prosieben MAXX den Wettkampf. Das Resultat konnte sich sehen lassen: insgesamt 3.6 Millionen verfolgten das Match über alle Plattformen hinweg – denn das "eLeague Major" wurde natürlich auch auf twitch.tv ausgestrahlt. Dort stellte es mit 1.026.000 Fans den neuen Zuschauerrekord für einen einzelnen Channel auf. Doch der bald sieben Jahre alte Shooter ist der kleinste der fünf großen Player im eSports-Bereich.

Die meistgeschauten Videospiele auf twitch.tv im April 2017

Die meistgeschauten Videospiele auf twitch.tv im April 2017 - Max Bock / Quelle: statista


Wesentlich quotendominanter sind Spiele aus anderen Genres, die global für Begeisterung sorgen – gerade in Asien, wo CS:GO in China erst 2016 einen Ableger veröffentlicht hat. Das von dem Spieleentwickler Riot Games kreierte Spiel "League of Legends", ein sogenanntes MOBA ("Multiplayer Online Battle Arena"), ist dabei klar führend. Verfolgt wird es von Blizzard‘s Kartenspiel Hearthstone und dem direkten Konkurrenten Dota 2 von Valve, die jedoch meilenweit hinterherhecheln.

Twitch.tv streamt dabei aber nicht nur eSport-Events; es hat sich mit dem professionellen "Streamer" als Privatperson ein ganz neues Berufsfeld ergeben, ähnlich dem der Youtuber. Auch diese ziehen Tausende von Fans an, wenn sie live ihre Inhalte streamen. Dabei treten die Streamer meistens als Entertainer auf, die ihre Communities ähnlich wie Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass...?" beschallen. Diese bilden das Fundament der Zuschauerstunden, während große Events wie die League of Legends World Championships oder Dota 2‘s The International immer wieder neue Zuschauerrekorde manifestieren. Die derzeitigen sind im nächsten Graphen präsentiert.

Top 5 der eSport Events mit den höchsten Zuschauerquoten

Top 5 der eSport Events mit den höchsten Zuschauerquoten - Max Bock / Quelle: business insider


Vergleich der maximalen Zuschauerzahlen ausgewählter Sendungen 2016

Vergleich der maximalen Zuschauerzahlen ausgewählter Sendungen 2016 - Max Bock / Quelle: trackdota/tagesschau/meedia/statista/lolesports


Während im ersten Graphen zu erkennen ist, dass die Publikumszahlen praktisch jährlich, wenn nicht sogar jedes Quartal ansteigen, zieht das untere Diagramm einen Vergleich mit ausgewählten Sendungen aus Deutschland bzw. den USA. Die größten LAN-Spektakel der meisten eSport-Spiele können zwar Veranstaltungen wie dem DFB-Pokalfinale oder der Tagesschau noch nicht das Wasser reichen, doch auch hier spielt League of Legends in seiner eigenen Dimension: deren World Championship 2016 zog global eine Million Zuschauer mehr an als das DFB-Pokalfinale 2016 in Deutschland. Alle Auswertungen und Vergleiche malen also eine rosige Zukunft für das "Zuschauererlebnis eSport" aus.

Olof "olofmeister" Kajbjer hat nach der Niederlage versus SK Gaming längst seine sieben Hardware-Sachen in seinen Rucksack gepackt und befindet sich auf einem Zwischenstopp in seiner Heimatstadt Stockholm, bevor es nächstes Wochenende zur Esports Championship Series nach London geht. Dieses Mal sind es aber keine 100.000$ Preisgeld, sondern circa 700.000$. Die Übertragungslizenzen dafür hat sich Youtube‘s neue Streaming-Plattform "Youtube Gaming" exklusiv gesichert, der Kampf um Medienrechte erinnert doch an etwas. Das Turnier wird auch nicht mehr in einem kleinstädtischen Messezentrum in Schweden ausgetragen - sondern da, wo seit 1966 sonst legendäre Fußballspiele stattfinden: in der Wembley Arena.






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