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13.01.2017  |  09:00 Uhr

Von Einem, der auszog, sein Hobby zum Beruf zu machen

von Julian Weinberger, Felix Zinke

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Es ist ein kalter Dienstagvormittag und ich sitze noch etwas verschlafen im Auto. In der rechten Hand halte ich einen dampfenden Becher Kaffee, die linke umfasst das Lenkrad und ich fahre gemächlich durch eine Regensburger Häusersiedlung. Der Straßenrand ist gesäumt von Müllsäcken und ich bezweifele langsam aber sicher, dass mich mein Navi zu dem angepeilten Ziel führt. Als ich nach einer weiteren Kurve unter einer Brücke auf ein altes, unscheinbar wirkendes Backsteingebäude stoße, möchte ich schon fast wenden. Doch die Stimme aus dem Navi stoppt mich: "Sie haben ihr Ziel erreicht." Und tatsächlich – jetzt sehe ich sie auch, die Fahnen, die vor der Eingangstüre schlaff an den Masten hängen und auf denen in großen weißen Lettern "Music College" geschrieben steht.

Ich habe mein Ziel erreicht - das Regensburger Music College.

Ich habe mein Ziel erreicht - das Regensburger Music College. | Foto: J. Weinberger

Ich habe mein Ziel erreicht - das Regensburger Music College. - Foto: J. Weinberger


"Na hast du gut her gefunden?", begrüßt mich Michael Vilsmeier. Ich beschließe, ihm nichts von meiner Beinahe-Auseinandersetzung mit meinem Navi zu erzählen, nicke und schlüpfe durch die Eingangstüre rein ins Warme. Der gebürtige Passauer Michael ist Vollblutmusiker, hat bereits mehrere Jahre Banderfahrung und schon viele Bühnen in der Dreiflüssestadt bespielt. Nach dem erfolgreichen Abitur 2015 fasste er den Entschluss, sich ein Jahr lange auf die Aufnahmeprüfung für ein Music College vorzubereiten. Nach monatelangem, intensivem Üben und reichlich Entbehrungen schaffte Michael die Prüfung und lebt seither am Regensburger Music College seinen Traum.

"Schön, dass du da bist. Bevor der Unterricht losgeht, zeige ich dir erst mal alles", sagt Michael. Dass das Music College wenig mit meiner gewohnten Uni-Atmosphäre zu tun hat, wird mir schnell klar. Statt einer großen Mensa gibt es hier ein kleines Café, Hörsäle für mehrere hundert Studenten werden durch kleine Übungsräume ersetzt. Was mich jedoch am meisten überrascht, ist der lockere, familiäre Umgangston. "Hallo Gunter, das hier ist mein Kumpel aus Passau, der mich heute begleitet", stellt mich Michael dem Schulleiter Herrn Conrad vor. Mit einem Lächeln verwerfe ich den Gedanken, wie meine Dozenten wohl reagieren würden, wenn ich sie mit ihren Vornamen vorstellen würde.

Hier finden die Prüfungskonzerte statt.

Hier finden die Prüfungskonzerte statt. | Foto: J. Weinberger

Hier finden die Prüfungskonzerte statt. - Foto: J. Weinberger


Auf unserem Rundgang machen wir schließlich noch Halt im Konzertsaal, in dem vierteljährlich die Prüfungskonzerte stattfinden. "Es ist schon eine ungewohnte Situation, wenn man auf der Bühne steht und weiß, dass man bewertet wird", erzählt Michael von seiner ersten Prüfung. Seit September studiert Michael hier am Regensburger Music College im Hauptfach Gitarre. Anfangs tat sich der 20-Jährige schwer und fühlte sich manchmal überfordert. "Daheim in Passau mache ich oft Straßenmusik, da ist das College ein krasses Kontrastprogramm. Ich musste erst lernen, mir die Kritik nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, also gewissermaßen ein Fell aufbauen." Mittlerweile hat er sich an die Anforderungen gewöhnt und steckt viel Anstrengung in seinen Traum, später mit der Musik Geld zu verdienen. Eine gute Mischung soll es einmal sein, zwischen dem Unterrichten als finanzielle Basis und der Spaßkomponente Live-Musik. So sitzt Michael nach Unterrichtsende noch oft bis spät nachts an seiner Gitarre und übt. Es sei zwar oft anstrengend, den ganzen Tag rund um das Zentrum Musik herum zu planen, aber seinen Entschluss, ans Music College zu gehen, hat er noch keinen einzigen Tag bereut.

Neben der Gitarre wird Michael auch am Piano ausgebildet.

Neben der Gitarre wird Michael auch am Piano ausgebildet. | Foto: J. Weinberger

Neben der Gitarre wird Michael auch am Piano ausgebildet. - Foto: J. Weinberger


Neben dem Hauptfach Gitarre wird Michael auch am Piano ausgebildet, lernt wie man ganze Ensembles leitet und feilt im Gesangsunterricht an seiner Stimme. Zusätzlich zu den praktischen Fächern erhalten die Schüler am Music College in Kursen wie Gehörbildung, Musikgeschichte und Rhythmik auch reichlich theoretischen Background. Michael gefällt dabei besonders das Fach "Arrangement und Recording": "Mir ging es früher oft so, dass ich eine Idee hatte, aber ich konnte es nicht richtig ausdrücken und an andere weitergeben. Jetzt weiß ich, wie die einzelnen Instrumente zu notieren sind". Am Ende der zweijährigen Ausbildung an der Berufsfachschule steht dann der Abschluss "staatlich geprüfter Ensembleleiter in der Fachrichtung Rock, Pop, Jazz". In einem freiwilligen dritten Jahr, das einen pädagogischen Schwerpunkt hat, kann zudem eine Lehrbefähigung für Musikschulen erworben werden.

Erinnerungen an alte Schulzeiten werden wach.

Erinnerungen an alte Schulzeiten werden wach. | Foto: J. Weinberger

Erinnerungen an alte Schulzeiten werden wach. - Foto: J. Weinberger


Als wir wenig später im Unterrichtsraum in Reih und Glied vor einer Tafel sitzen, fühle ich mich zurück an meine Schulzeit erinnert. Passend dazu beginnt Lehrer Hans Maier die Stunde: "Ich muss noch die Ex heraus geben". Für Michael läuft es gut, denn es steht eine dicke, rote Eins auf dem Blatt. Als im Anschluss ein Melodiediktat auf der Agenda steht, heißt es, ganz genau die Ohren zu spitzen, anschließend die auf dem Keyboard gespielte Melodie nachzusingen und auf dem Notenblatt niederzuschreiben.

Lernen vom Meister.

Lernen vom Meister. | Foto: J. Weinberger

Lernen vom Meister. - Foto: J. Weinberger


Nach der Stunde in Harmonielehre geht es für Michael in einen Übungsraum, wo Kugelschreiber und Notenblatt Platz machen für Gitarre und Verstärker. Hans Maier startet ein Playback und schon tanzen Michaels Finger über den Gitarrenhals. Langsam werden die Notenwerte gesteigert - Viertel, Achtel, Sechzehntel. "Stopp, stopp. Du spielst schon wieder keine Triolen", unterbricht Hans Maier, nimmt selbst seine Gitarre zur Hand und demonstriert, wie es richtig geht. Zwischendurch wird gefachsimpelt und es fallen musikalische Fachausdrücke, die so manchen Hobbymusiker sprachlos zurücklassen würden. Nach einer neuerlichen Übung einmal quer durch das Repertoire des Improvisierens, hat Michael ein Zwischenziel erreicht. Hans Maier zeigt den Daumen nach oben: "Gut gemacht, Michi". Danach verabschiede ich mich in Richtung Passau, reichlich beeindruckt von den Impressionen meines Besuches am College.






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