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Artikel Panorama

Drei Tage ohne tierische Produkte  |  31.12.2017  |  12:30 Uhr

Vegan durch die Weihnachtsfeiertage?!

von Julia Kleis

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Weihnachten bedeutet in meiner Familie vor allem eines: Gut und viel essen. Die Küchen meiner Großmütter verwandeln sich in Schlachtfelder, nach dem dreitägigen "Gemetzel" sitzt die Hose bei keinem mehr locker um die Hüften.

Dieses Jahr habe ich mich einer besonderen Mission gewidmet. Von Heilig Abend bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag lautet mein Motto: "Vegan durch die Familienessen." Dass diese Challenge aber nicht nur für mich - eine Nicht-Veganerin - zur Herausforderung wird, sondern auch für meine Familie, damit habe ich nicht gerechnet.

Die Schwierigkeiten beginnen eine Woche vor Weihnachten. Damit ich nicht nur Beilagen essen muss, rufe ich meine Großmütter an und erzähle von der Ernährungsumstellung: Dieses Jahr verzichte ich auf Fleisch und tierische Produkte wie Milch, Eier oder Honig. Kein Problem für meine Oma mütterlicherseits, sie habe einen ganzen Ordner voll von veganen Rezepten. Anders bei meiner Großmutter väterlicherseits: Nach anfänglicher Stille am anderen Ende der Leitung und einem verzweifelten "Was darfst du dann überhaupt noch essen???" einigen wir uns für den ersten Weihnachtsfeiertag auf Spaghetti mit Tomatensoße, die Nudeln natürlich ohne Ei und Butter.

Auch von den veganen Beilagen konnte ich etwas essen.

Es ist Heilig Abend. Man trifft sich bei meiner Oma zum traditionellen Würste-, Sauerkraut- und Bratkartoffel-Essen. Für mich gibt es eine vegane Gemüse-Pizza und zum Nachtisch Grießbrei gesüßt mit Ahornsirup, Himbeeren und Heidelbeeren. Meine Befürchtungen, ich würde die anderen um ihr Essen beneiden und die Challenge gleich am ersten Tag abbrechen, sind überflüssig.

Zum Nachtisch gab es süßen Grießbrei mit Beeren.

Das erste Familienessen ist überstanden, es war leichter als gedacht! Keiner hat abfällige Bemerkungen gemacht oder versucht, mich auf die Gefahren veganer Ernährung hinzuweisen. Im Gegenteil, einige haben sogar ein Stück von der Pizza probiert und waren begeistert.

Am nächsten Tag fahre ich mittags zu meiner Großmutter väterlicherseits und finde sie schimpfend in der Küche: "Jetzt sind mir die Nudeln am Topf angebrannt! Das hat man davon, wenn man keine Butter dazugeben darf!". Noch immer verärgert, setzt sie sich an den Tisch und meint, die Challenge sei unverantwortlich der Familie gegenüber, Uni-Projekt hin oder her. "Was machst du, wenn du bei Fremden eingelanden bist? Du kannst doch keine Extrawurst verlangen!", meint sie empört. Da hat sie recht, in diesem Fall wäre es mir wirklich unangenehm.

Als die Tomatensoße für eine zweite Portion nicht mehr reicht, möchte meine Großmutter mir etwas von der Rahmsoße des Geschnetzelten über meine Nudeln kippen. "Du kannst doch um das Fleisch herumessen.", schlägt sie vor. Ich erkläre ihr nochmal, dass auch Sahne und Fleischbrühe keine veganen Lebensmittel sind und esse stattdessen noch etwas Salat.

Am Abend passiert mir beinahe ein Ausrutscher: Als mein Papa mir einen Latte macchiato anbietet, nehme ich aus Gewohnheit an. Erst als das Glas auf dem Tisch steht, merke ich, dass Milch enthalten ist. Mein heiß geliebter Kaffee wird zurück in die Küche gebracht und ich blicke ihm traurig hinterher.

Der zweite und letzte Feiertag ist der schwierigste. Das Mittagessen beginnt für alle mit einer veganen Vorspeise: Grießnockerlsuppe ohne Ei. Mein Opa ist der Erste, dem der ungewöhnliche Geschmack auffällt: "Da fehlt Maggi oder sowas. Das schmeckt ja jetzt nach gar nichts!", schimpft er. In nächster Zeit wird er wohl nicht zum Veganer konvertieren.

Die Suppe schmeckte nicht jedem.

Als die Hauptspeise aufgedeckt wird, beneide ich die anderen zum ersten Mal: Es gibt Bio-Ente mit Knödel und Blaukraut. Die knusprig-würzige Entenhaut esse ich besonders gerne und jetzt muss ich zusehen, wie mein Freund genüsslich auf ihr kaut.

Ich bekomme stattdessen einen Kartoffelbrei mit Gemüse, der in der Pfanne zu einer Art Bratling verarbeitet werden soll. Dieses Experiment ist meiner Oma aber leider nicht geglückt, ein angebrannter, rauchiger Geschmack bleibt zurück.

Der angebrannte Geschmack blieb, dafür gab es umso mehr Kartoffelsalat.

Ich muss aber nicht lange traurig sein, nachmittags gibt es zum Kaffee einen super leckeren veganen Apfelkuchen, der sogar meinen grimmigen Opa überzeugt.

Schon sind die drei Feiertage vorüber und mein Fazit lautet: Es ist möglich, sich während der Familienessen an Weihnachten vegan zu ernähren, hat man eine einigermaßen tolerante Familie, die nicht an seinen Essgewohnheiten herumnörgelt, und eine tolle Großmutter, die für einen kocht. Ich empfehle aber jedem, der Veganer werden möchte, langsam und vor allem nicht während der Weihnachtsfeiertage einzusteigen. Die Versuchung, die von nicht-veganem Essen ausgeht, ist bei all den Köstlichkeiten einfach zu groß...






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