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Mission Offline  |  27.12.2017  |  12:00 Uhr

#Sendepause

von Nadine Schmidt

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"R.I.P. Nadine" – Klasse! Ich wurde wohl in den letzten Tagen nicht nur für verrückt erklärt, sondern auch noch für tot. Ist es denn wirklich so schlimm, wenn man mal nicht ständig online ist?

Klar, die Nachricht von einer Freundin war ironisch gemeint. Aber ist es nicht wirklich so, dass ohne Handy und Computer heute gar nichts mehr geht? Gut 10 Stunden pro Tag nutzt jeder Deutsche täglich die Medien. 80 bis 100 Mal am Tag wird das Smartphone im Durchschnitt entsperrt. Das heißt: etwa alle 12 Minuten! Und etwa 2600 Tätigkeiten führt man dabei aus. Unglaublich, diese Zahlen! Aber schaut man sich mal bewusst seine Umgebung an, fällt das eigentlich mehr als deutlich auf. Andauernd wandert der Blick aufs Handy und Tablet oder Laptop sind nicht weit weg.

Aber kann man denn heute wirklich nicht mehr ohne Medien leben? Ist das inzwischen tatsächlich eine Mission Impossible? Ich will und kann das nicht glauben. Also habe ich den Test gemacht. Für fünf Tage bin ich völlig von der digitalen Bildfläche verschwunden. Für ganze fünf Tage habe ich allem den Rücken gekehrt - und verzichte vollkommen auf Smartphone, Laptop und Co! Fast eine Woche offline - ob das wohl funktionieren wird?

Gespannt sitze ich Samstagvormittag auf meinem Bett. Gedanklich feuere ich mein Handy an: Schneller! Das Teil braucht mal wieder eine gefühlte Ewigkeit zum Hochfahren! Hat das denn schon immer so lange gedauert? Aber dann, endlich, der Moment der Wahrheit…

Doch zurück zum Anfang: Im Minutentakt aktualisiere ich WhatsApp, Instagram, Snapchat und Co. Aber natürlich hat sich in den letzten fünf Minuten nicht wirklich was verändert. Trotzdem habe ich dieses irrationale Gefühl, ich könnte irgendwas Wichtiges verpassen. Eher unwahrscheinlich an einem Sonntag nachts um halb zwölf, ich weiß. Aber trotzdem. "Ein letztes Mal noch. Diesmal echt", sage ich mir andauernd. Schnell überprüfe ich zum hundertsten Mal, ob ich mich auch wirklich bei allen wichtigen Kontakten abgemeldet habe. Dann tue ich es... Ich schalte mein Handy aus und gehe schlafen. Und ab morgen heißt es für mich dann fünf Tage lang: #Sendepause.

Tag 1

Am nächsten Morgen will ich vor dem Aufstehen routinemäßig meine Nachrichten checken und Musik anmachen. Ein typischer Tagesbeginn für viele von uns, oder? Noch im Halbschlaf suche ich daher mein Handy auf dem Nachtisch – und bin vor Schock sofort wach, als ich es nicht finde. Mist, meine Challenge. Oh man, was für ein Start in den Tag! Den ganzen Vormittag über ertappe ich mich dabei, wie ich mich immer wieder unruhig suchend nach meinem Handy umsehe. Ich will schauen, was es Neues gibt, mal ganz kurz Social Media checken. Und immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass ich offline bin. Um mich abzulenken, wollte ich was für die Uni tun. Aber fast mein ganzes Zeug ist auf meinem Laptop! Irgendwie frustrierend, fast nichts machen zu können. Doch mit allen möglichen anderen Sachen schaffe ich es letztendlich, mich abzulenken, bis ich zur Vorlesung los muss.
Aber es fühlt sich einfach so falsch an ohne meine täglichen Begleiter. Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt. In letzter Sekunde landet deshalb mein – natürlich ausgeschaltetes! – Handy doch noch in meiner Tasche. Es jetzt mitzunehmen gibt mir irgendwie ein besseres Gefühl. Nicht vollkommen abgeschnitten von allem. Und meinen Laptop daheim zu lassen, kostet mich schon genug Überwindung. Ich gehe normal fast nie ohne raus. In der Uni tippen alle, wie vor jeder Vorlesung eigentlich, geschäftig auf Handy oder Laptop herum. Aber zum ersten Mal nehme ich es so richtig bewusst war. Denn ich komme mir verloren vor so ganz ohne Technik. Dass ich das tatsächlich bin, zeigt mir unsere "Hausaufgabe" – für die ich Online-Dateien brauche. Die Frage ist nur: wie komme ich da ran ohne Laptop? Es hilft nichts. Wohl oder übel muss ich das auf Samstag verschieben. Wie abhängig wir doch eigentlich vom Online-Leben sind!

Am Abend weiß ich dann auch nicht recht, was ich mit mir anfangen soll. Normalerweise würde ich jetzt Serien oder YouTube schauen. Aber stattdessen kuschle ich mich mit Tee, Schoki und einem spannenden Buch in mein Bett und lasse den Tag ausklingen. Früher habe ich das oft gemacht. Warum habe ich eigentlich damit aufgehört? Es entspannt einfach unglaublich. Die Nervosität, die mich den ganzen Tag begleitet hat, fällt von mir ab. Die Tatsache, dass ich nicht erreichbar bin, stört mich plötzlich nicht mehr. Ich vergesse es einfach.

Tag 2

Ohne Handy schläft man also tatsächlich besser. Ich fühle mich ausgeruht wie lange nicht. Und außerdem ist Dienstag, mein freier Tag. Oft nehme ich mir deshalb einiges vor, schaffe aber am Ende mitunter nicht mal die Hälfte davon. Wer kennt das nicht? Aber heute, ohne technische Ablenkungen, bin ich mehr als nur überrascht wie produktiv ich sein kann. Allgemein fällt es mir schon wesentlich leichter, ohne Technik klar zu kommen. Die Angst, etwas zu verpassen und ständig erreichbar sein zu müssen, ist nicht mehr so stark wie gestern. Aber eine gewisse Anspannung bleibt.

Tag 3

Was mir auch am Mittwoch noch fehlt ist Musik. Egal, was ich mache, egal wo ich hingehe, sie ist mein ständiger Begleiter. Aber immerhin kann ich heute ohne weiter darüber nachzudenken Handy und Laptop daheimlassen. Und ich muss zugeben: Ich bin wesentlich konzentrierter. Ich kann nicht mal eben kurz die neuesten Nachrichten lesen oder Stud.IP auf neue Dokumente checken. Ganz im Gegensatz zu meinen Kommilitonen, deren Aufmerksamkeit immer wieder zu den flackernden Bildschirmen driftet.

Auch das Lesen neuester Nachrichten fehlt mir nicht mehr so krass. Was sollte ich auch groß verpassen? Meine Freunde in Passau sehe ich ohnehin fast täglich. Wir können uns also einfach ganz normal unterhalten und offline verabreden. Naja, dachte ich zumindest. Denn noch vor der ersten Vorlesung heute habe ich schon festgestellt: Ich habe wohl so einiges verpasst. "Ich hab doch gestern eine Sprachnachricht geschickt", heißt es immer auf meine Verwirrung hin. Gut zu wissen! Aber ich bin jetzt wahnsinnig verunsichert. Habe ich vielleicht doch was Wichtiges nicht mitbekommen?

Aber wann ist es eigentlich normal geworden, Treffen nur noch über WhatsApp zu klären – ohne offline auch nur ein Wort darüber zu verlieren? Erst jetzt wird mir wirklich klar, was ich eigentlich schon wusste: Technik bestimmt nicht unseren Alltag. Technik ist unser Alltag! Denn wenn ich ehrlich bin – ich würde es ganz genau so machen. Einfach weil es normal ist. Warum über etwas reden, was eh jeder gelesen hat.

Tag 4

Es ist nicht so, dass es mir fehlt ständig online zu sein. Ganz im Gegenteil! Es war mir bisher gar nicht bewusst, wie sehr mich diese ständige Erreichbarkeit mitunter nervt. Ich bin sogar ganz froh, mein Handy nicht immer mitnehmen zu müssen. Trotzdem denke ich mir Donnerstag: Nur noch heute und morgen! Denn irgendwie fühlt man sich abgeschottet. Ich habe keine Ahnung, was um mich herum passiert. Denn sämtliche News bekomme ich normal per Push-Benachrichtigung. Auch was bei meinen Freunden so abgeht: Kein Plan. "Lass uns nochmal schreiben wegen treffen", heißt es immer. Aber wie ohne Handy?

Tag 5

Doch nicht nur im Privaten, auch in der Uni ist man ohne Technik aufgeschmissen. Nicht nur, dass mir schon die ganze Woche die Hand weh tut, weil ich sonst am Laptop mitschreibe. Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, alles per Hand zu machen. Nein, auch neue Texte für mein Seminar, die wir hätten lesen sollen, sind einfach an mir vorbeigegangen. Ohne Internet geht halt einfach gar nichts. Sogar für jede Kleinigkeit braucht man Handy oder Laptop: Notizen, Wecker, Erinnerungen, Termine… Es kann doch nicht sein, oder? Aber es ist so: Analog war gestern.

Und am Abend um halb zehn passiert es dann. Ich habe mein Buch zu Ende gelesen und will kein Neues anfangen. Plötzlich will ich einfach nur mein Handy zurück. Meine Zeit mit Jodel und YouTube vertrödeln, sinnlose Spiele spielen. Vor allem aber mit meinen besten Freundinnen daheim über belangloses Zeug schreiben und dabei Musik hören! Aber ich habe es fast geschafft. Um mich abzulenken, fange ich also an per Hand meine Woche aufzuschreiben. Und es funktioniert. Beim Schreiben entspanne ich mich wieder, während mein Stift nur so über das Papier fliegt. Als ich schließlich im Bett liege, bin ich zufrieden:  Fünf Tage offline leben? – Check!

Mein Fazit zur "5 Tage Offline"-Challenge, könnt ihr euch jetzt hier ansehen!

Ansonsten wünscht euch "Mission Doch Possible" eine besinnliche Zeit zwischen den Jahren und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Wir hoffen, ihr hattet schöne Weihnachten!

Und jetzt noch mein ganz persönlicher Tipp: Legt auch ihr euer Handy einfach mal weg. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Macht es aus und gönnt euch, eurer Familie und euren Freunden eine #Sendepause!






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Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




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