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23.12.2015  |  08:00 Uhr

Teil 5: Der Passauer Weihnachtskrimi "Spurlos verschwunden"

von Catharina Klein

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| Catharina Klein

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5. Kapitel: Gefunden – und gerettet?

 


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Wie nahe sind wir wohl dem Entführer bereits – und somit auch der verschwundenen Studentin? Paula nimmt mir das Handy aus der Hand und tippt eine Antwort auf den warnenden Kommentar unseres vermeintlichen Täters in ein neues Kästchen. Während ich grübelnd auf weitere Informationen warte, durchbricht ein schrilles Klingeln plötzlich die Stille. Ich schrecke auf und eile zum Telefon, beim Abheben melde ich mich mit Namen. Es ist der Techniker, auf einem Schmierzettel notiere ich in krakeliger Schrift die Handynummer, die er mir diktiert und lasse sie sicherheitshalber mit der des Kommentars von gerade eben abgleichen. "Er ist es! Ich orte sein Handy sofort!", rufe ich Paula zu und setze mich an die Arbeit. Nun ist Vorsicht geboten, der Entführer darf nicht herausfinden, dass wir ihn gleich besuchen kommen werden. Zur Sicherheit des Mädchens. Es dauert nicht lange, bis mir der Computer eine Adresse ausspuckt: "Lederergasse!", informiere ich meine Kollegin und werfe mir die Jacke über die Schultern. Am Auto hat sie mich bereits eingeholt und wir fahren mit Blaulicht in Richtung Innstadt.

 

Vor einem der vielen pastellfarbenen Altbauten bremse ich ab und komme mit einem leichten Ruck sanft zum Stehen. "Das ist es angeblich", ich zeige auf eine hohe, dunkle Haustüre auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "Sollen wir nicht auf Verstärkung warten?", versucht Paula mich noch zu bremsen, doch sie kennt mich und seufzt nur leise, bevor auch sie ihren Gurt löst und aus dem Auto steigt. Wieso warten, wenn doch womöglich jede Sekunde zählt? Ein routinierter Blick in beide Richtungen vor dem Überqueren der Straße bestätigt nur den ersten Eindruck einer verlassenen Gegend. Kein anfahrendes Auto, kein Fahrrad, das über das Kopfsteinpflaster holpert, nicht einmal ein Fußgänger weit und breit. Die Stille ist beinahe unheimlich, ich möchte fast sagen, es herrscht Totenstille – eine durchaus unpassende Ironie in meiner Situation.

 


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Ich nähere mich dem Eingang. Die Haustüre steht einen Spalt breit offen und lässt sich mit sanftem Druck und einem leisen Quietschen mühelos öffnen. Ich winke Paula zu mir und wir schleichen uns in den düsteren Flur. Sie versteht die Aufforderung in meiner leichten Kopfbewegung hin zu der steilen Treppe und stellt vorsichtig einen Fuß auf die erste Stufe. Das alte Holz knarzt leise und wir schnappen beide erschrocken nach Luft. Doch es tut sich nichts und Paula setzt den zweiten Fuß auf die Stufe darüber. Mit zusammengepressten Lippen und nur minimalen Bewegungen bewältigt sie nun langsam und beinahe geräuschlos die morsche Treppe. Ich hingegen stehe noch zweifelnd am unteren Treppenabsatz und mustere kritisch die ersten Stufen. In solchen Momenten wünsche ich mir meine jugendliche Sportlichkeit zurück. Damals wäre ich in einem einzigen Atemzug die Treppe sozusagen hochgeflogen. Doch es hilft nichts, ich kann meine Kollegin wegen ein paar Stufen jetzt nicht im Stich lassen. Bei meinem ersten Schritt knarzt das Holz laut und ich kneife in meinem Schreck reflexartig die Augen zusammen. Nach einer kurzen Pause mit gespitzten Ohren nickt mir Paula aufmunternd zu und ich erklimme wie ein behutsamer Bergsteiger auf jeden Fußtritt bedacht nun Stufe für Stufe. Nur noch ein Schritt – doch ein lautes Quietschen unter meinem linken Schuh lässt mich in meinem Schock sofort erstarren. Regungslos und mit angehaltenem Atem stehe ich wie eine leblose Statue in unbequemer Haltung auf etwa halber Höhe der Treppe. Eine Reaktion auf meinen unvorsichtigen Schritt lässt auch nicht lange auf sich warten und es ist keine Meisterleistung, das leise Knirschen auf dem Boden ein Stockwerk über uns genauer zu definieren: eine Türe hat sich geöffnet. Auch Paula hat das Geräusch gehört und ihre großen Augen starren mich fragend an.

 

"Hallo?", ruft eine leicht kratzige Männerstimme in das dunkle Treppenhaus. Das Echo hallt leise nach. Nun nicht mehr auf einen leisen Gang bedacht hole ich schnellen Schrittes meine Kollegin ein. "Polizei, dürfen wir kurz mit Ihnen sprechen?", antworte ich der Stimme aus dem zweiten Stock. Mit einem lauten Knall fällt die Türe wieder ins Schloss. Unsere Blicke kreuzen sich kurz, die Hand wandert an den Gürtel, in dem die Pistole auf ihren Einsatz wartet, und wir stürmen beide die Treppe nach oben. "Louisa Pfennig?", rufe ich schwer atmend noch im Laufen. "Sie haben meine Bedingung missachtet", antwortet mir dieselbe Stimme hinter der massiven Wohnungstür. "Sie haben die Anonymität nicht bewahrt. Ich hätte ihr doch sowieso nichts getan", höre ich da Verzweiflung in seinem Tonfall? "Nun hören Sie mir gut zu, Herr…", meine Augen wandern suchend die Wand ab und verharren auf einem vergilbten Klingelschild, "… Müller. Noch ist nichts passiert und das soll doch auch so bleiben. Öffnen Sie uns die Türe, wir können über alles reden", versuche ich den Mann zu besänftigen. "Das sollte ein Denkzettel sein, eine Warnung, nichts weiter." Mit fragendem Blick schaue ich meine Kollegin an, doch auch sie zuckt nur ratlos mit den Schultern. "Eine Warnung?", hake ich nach. Im Erdgeschoss höre ich plötzlich Schritte und leises Gemurmel. Die Kollegen zur Verstärkung, fällt es mir wieder ein und sehe bereits erste schwarz gekleidete Männer in voller Montur einsatzbereit am Treppenabsatz auf meine Anweisung warten. Mit einer Handbewegung und zum Erschrecken meiner Kollegin winke ich ab, doch der Entführer scheint ungefährlich zu sein und ich möchte nichts riskieren. Die Männer ziehen sich zurück und ich wende mich erneut der Türe zu. Ein leises Klopfen erzielt endlich seine Wirkung und zögerlich zeigt sich ein junger Mann, unrasiert und mit ungewaschenen Haaren, halb versteckt noch hinter dem massiven Holz. "Dürfen wir hereinkommen?", frage ich mit einem Fuß bereits in der Schwelle. "Ich wollte das nicht. Nicht so...", und er vergrößert den Türspalt, sodass wir eintreten können. Während ich dem Mann in schmutzigem T-Shirt und viel zu weiten Jeans die Handschellen umlege, durchsucht Paula die Räume nach der Studentin. "Hier ist sie!", höre ich ihre erleichterte Stimme aus dem Nebenraum rufen, bei meiner Kollegin weiß ich Louisa in guten Händen.

 

"Wollen Sie mir jetzt verraten, was Ihre Aktion zu bedeuten hatte?", frage ich erneut ehrlich interessiert an den Gründen für diese seltsame Entführung. "Die Anonymität ist wichtig, das ist das Prinzip der App", beginnt der junge Mann seinen Rechtfertigungsversuch, "Doch was denken sich die Leute? Anonymität ist doch kein Blankoscheck für unüberlegte Dummheiten. Ich wollte, dass sich die Studenten wieder bewusst werden, was sie da eigentlich schreiben und so alles von sich preisgeben. Und dann sogar anonym ein Date mit einem Unbekannten ausmachen?! Das ist doch purer Leichtsinn!" Jetzt verstehe ich die "Warnung", wie er es nannte. Er wollte an die Vernunft appellieren, der gesamten Jodel-Welt ohne zu zögern seine intimsten Geheimnisse preiszugeben und sich unüberlegt auf scheinbar harmlose Treffen einzulassen. Auch wenn ich es nur ungern zugebe, so kann ich mich doch wahrscheinlich das erste Mal in meiner Karriere in den Mann, der ein Mädchen entführte, sogar ein bisschen hineinfühlen. Aber er wählte nunmal einen falschen Weg. Zwei Kollegen in Uniformbetreten die Wohnung und führen den Täter wortlos ab. Im Weggehen dreht er sich noch einmal um und schaut mich hilfesuchend an. Aus seiner Situation kann ich ihm nicht heraushelfen, doch seine Strafe wird gemäßigt ausfallen. Immerhin ist nichts passiert.

 

Erleichtert, dass die ganze Geschichte noch einmal gut gegangen ist, und erschöpft von den letzten aufwühlenden Tagen lasse ich mich auf den kleinen Hocker in der Garderobe fallen. In diesem Moment kommt Paula aus dem Zimmer, in dem die Studentin festgehalten wurde. Auch sie wirkt sichtlich müde. Ihrer glücklichen Mimik kann ich entnehmen, dass es Louisa den Umständen entsprechend gut zu gehen scheint und ich nicke ihr beruhigt mit einem Lächeln zu. Ich muss zugeben, ich bin stolz auf uns. Mit dem Fleiß und Eifer meiner jungen Kollegin sowie meiner jahrelangen Erfahrung und verlässlicher Intuition haben wir auch dieses zunächst spurenlose Rätsel gemeinsam erfolgreich gemeistert. Jetzt kann Weihnachten kommen!

 


- Catharina Klein









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