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20.12.2015  |  08:00 Uhr

Teil 4: Der Passauer Weihnachtskrimi "Spurlos verschwunden"

von Catharina Klein

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| Catharina Klein

- Catharina Klein



 

4. Kapitel: Die Lösung des Rätsels?

 

"Alles okay bei dir?", weckt mich eine hörbar verunsicherte Stimme aus meinem furchtbaren Tagtraum. Ich schrecke hoch und blicke in das besorgte Gesicht einer verschneiten Paula, die mit roter Nase und kleinen Perlen in den nassen Haaren vor meinem Schreibtisch steht und mich mit gerunzelter Stirn aufmerksam mustert. "Paula", flüstere ich mit plötzlich rauher Stimme, "ich glaube, ich weiß, wohin Louisa Pfennig am Mittwochabend wollte."

 


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Ungläubig weiten sich die blassgrünen Augen meiner Kollegin und fordern mich wortlos auf, weiter zu sprechen. "Jana Großmann wusste nichts von dem Date, obwohl ihr die Vermisste – nach eigenen Angaben – normalerweise alles erzählt", beginne ich meine Theorie ganz von vorne, damit nicht nur sie, sondern zugegebenermaßen auch ich noch einmal in aller Ruhe meinem plötzlichen Geistesblitz gedanklich folgen kann, in der Hoffnung, dass sich vielleicht tatsächlich eine nachvollziehbare Logik aus meinem intuitiven Ansatz erschließt. "Warum aber sollte ihr die Vermisste dieses eine Treffen bewusst verheimlichen? Entweder, es hat sich spontan ergeben und Louisa kam nicht mehr dazu, ihrer Mitbewohnerin davon zu erzählen, oder aber es war ihr peinlich", beantworte ich meine Frage selbst und halte kurz inne, nehme Paulas verständnisvolles Nicken als Bestätigung, dass sie mir bis hierhin folgen kann, und philosophiere weiter: "Ich hätte da eine Theorie, die sogar beide Komponenten vereint: Jodel. Ein etwas verwirrender Name, doch das ist eine App für das Handy, ein äußerst skuriller Zeitvertreib", füge ich erläuternd hinzu. "Ich kenne diese App", unterbricht mich Paula, "sinnlos, aber manchmal recht unterhaltsam." Ich muss sie wohl etwas ungläubig, vielleicht kritisch angeschaut haben, denn sie zuckt nur unschuldig mit den Schultern und verstummt. "Naja", nehme ich den Faden wieder auf, "jedenfalls habe ich aus eigener Recherche erfahren, dass sich über dieses Quatschportal ab und zu anonyme Treffen organisieren." "NEIN!", platzt mir meine Kollegin erneut ins Wort. Tadelnd, da langsam wirklich genervt blicke ich in ihre aufgerissenen Augen. Nichtsdestotrotz aufrichtig gespannt warte ich auf eine Entschuldigung oder wenigstens eine Erklärung für ihr wiederholtes respektloses Unterbrechen meiner klugen Gedankengänge. "Nun?", fordere ich sie betont ruhig zu einer Fortsetzung ihres nichtssagenden Zwischenrufes auf. Als hätte sie kurzzeitig vergessen, wo sie sich gerade befindet, scheint sie sich nach wenigen Sekunden plötzlich wieder an meine Gegenwart zu erinnern und es kommt langsam Bewegung in die schockstarre Mimik meiner, wie es scheint, komplett zerstreuten Kollegin.

 

Wie in Zeitlupe formen ihre Lippen angestrengt das erste Wort: "Alfred", nach kurzer Pause fährt sie stockend fort: "ich habe es gelesen." Geduldig warte ich auf nähere Erläuterungen ihrer rätselhaften Worte. Sie erkennt mein großes Fragezeichen in den tiefen Falten meiner gerunzelten Stirn, scheint sich zudem wieder etwas gesammelt zu haben, denn spricht nun flüssiger weiter: "Du hast recht. Louisa hat sich mit einem Anonymen verabredet. Ich kenne den Jodel." Nun bin ich es, der seinen Ohren nicht zu trauen wagt, fasse mich jedoch schneller wieder und vergewissere mich, dass ich richtig verstanden habe: "Du hast in dieser App mit eigenen Augen gelesen, dass Louisa sich am Mittwochabend gegen neun Uhr in der Innstadt mit einem jungen Mann treffen wollte?" "Naja, ohne Namen, aber ansonsten: ja."

 


| Catharina Klein

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Ich habe keine Zeit für Fassungslosigkeit oder andere sinnlose Gefühlszustände, denn wenn das tatsächlich stimmt, was meine Kollegin da erzählt, dann heißt das doch... "Wir können das Handy orten! Ein Anruf bei den Entwicklern der App und wir kennen den Ort des Mannes, mit dem sie sich treffen wollte!" "Und somit vielleicht sogar des Täters, wenn tatsächlich er das angekündigte Date war", schlussfolgert Paula mit dem Handy bereits in der Hand. "Das versuche ich sofort herauszufinden", sie tippt in weißen Buchstaben eine kurze Nachricht in das hellblaue Kästchen. Ein kluges Köpfchen und mit vollem Eifer bei der Sache – so kenne ich meine junge Kollegin! Ich hebe ebenfalls den Hörer von der Aufladestation und tippe die Nummer des Jodelteams in die schwarzen Tasten. Nun geht alles ganz schnell: die Entwickler der App erklären sich nach kurzer Erläuterung der gefährlichen Sachlage meinerseits sofort bereit, die hochgelobte Anonymität für kurze Zeit hintenanzustellen und nach der entsprechenden Passage zu suchen, an die sich meine Kollegin zu erinnern meint. Mit wenigen technischen Tricks werden wir den Urheber und somit auch das gesuchte Handy orten können und hoffentlich bald das Mädchen finden.

 

"Alfred!", höre ich eine aufgeregte Stimme mich rufen und blicke von meinen Unterlagen auf. "Ich glaube, der Entführer hat sich gemeldet!" Schon steht Paula vor meinem Schreibtisch und hält mir aufgeregt ihr Handy entgegen. Ungläubig nehme ich ihr das Smartphone aus der Hand und blicke auf eine Reihe hellblauer Spalten mit jeweils kurzem Textinhalt. "Auf Jodel?", frage ich mehr rhetorisch nach der Bestätigung dessen, was ich sowieso schon weiß auf blau auf dem Bildschirm sehe und lese aufmerksam, was da nacheinander geschrieben steht. "Liebe Jodler, nachdem sich der gute Mann, der am Mittwochabend die verschwundene Studentin treffen wollte, noch immer nicht gemeldet hat, werden wir nun davon ausgehen, dass er der gesuchte Entführer ist. Um unsere noch vage These zu bestätigen, werden wir in Kürze die App entanonymisieren und die Handys der beiden Verabredeten orten. Wir bitten um Euer Verständnis. #diePolizei". Widerwillen muss ich schmunzeln, diese bunte Umgebung scheint auch einem ernsten Hinweis die Strenge zu nehmen. Und die Glaubhaftigkeit offensichtlich noch dazu: "Achtung, die Polizei auf Jodel – in Passau kommt niemand drum herum #Jodelhauptstadt", Paula hätte es wissen müssen, eine personalisierte Nachricht auf einem anonymen Forum wird natürlich für einen rein unterhaltsamen Scherz gehalten. Und doch scheint das zweifelsfrei humorlose Thema so manchen Jodler nachdenklich zu stimmen: "Das könnte tatsächlich die Polizei sein, hast du nicht von der verschwundenen Studentin gehört?" Ich lese weiter "Ich warne euch, lasst die App anonym! Ansonsten wird Louisa etwas passieren!"

 

Ich blicke auf, das ist die Nachricht, die ich lesen sollte. Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser Kommentar tatsächlich von unserem Entführer stammt? Doch wer sonst hätte diese Nachricht verfassen sollen? Das alles macht für mich noch keinen Sinn. Aber vielleicht sind wir der Lösung dieser seltsamen Entführung hiermit schon ein ganzes Stück näher gekommen.

 






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