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29.11.2015  |  08:00 Uhr

Teil 1: Der Passauer Weihnachtskrimi "Spurlos verschwunden"

von Catharina Klein

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- Catharina Klein


Irgendetwas stimmt hier nicht, irgendetwas ist falsch. Eine leise Ahnung oder bloß ein Gedanke? Vielleicht nur eine Einbildung, die sie warnt, ihr sagt, dass sie wachsam sein sollte. Nein, Moment, da ist wirklich jemand hinter ihr. Ein dunkler Schatten bewegt sich beinahe lautlos in kurzer Entfernung. Ein Rascheln, ein leises Knacken. Verfolgt der mich? Ihre Gedanken drehen sich im Kreis. Nein, er hat nur das gleiche Ziel, er möchte auch über die Brücke. Sie beschleunigt ihr Tempo, es ist nicht mehr weit. Bleib ruhig, gleich bist du da. Doch die Schritte werden nicht leiser, sie werden lauter, schneller, ohne Probleme hält er mit. Nicht umdrehen, einfach so tun, als würdest du ihn nicht bemerken. Ist das leises Schnaufen, was sie da hört? Ist er schon so nah? Ein eisiger Schauer läuft ihr über den Rücken, die Nackenhaare stellen sich auf. Plötzlich spürt sie warmen Atem in ihrem Nacken und augenblicklich wird ihr bewusst: das kann kein gutes Ende nehmen.

 1. Kapitel: Ein Anruf vor dem Wochenende


| Catharina Klein

- Catharina Klein


Puh, ganz schön kalt geworden die letzten Tage. Ein eisiger Windstoß begrüßt mich wenig herzlich an diesem grauen Freitag Morgen, als ich noch etwas müde das warme Haus verlasse. Fröstlend ziehe ich den Reisverschluss meiner Winterjacke bis zum Anschlag und stecke die Hände tief in die gefütterten Taschen. Hilft ja nichts, die Arbeit ruft – doch so kurz vor dem Wochenende ist das eigentlich halb so schlimm. Bleibt es heute erwartungsgemäß ruhig, werde ich mir wohl auch schon den Nachmittag freinehmen, um in aller Ruhe dringend nötige Einkäufe zu erledigen. Noch einen Abend gesalzene Nudeln mit einem Glas Leitungswasser und ich stelle mich tatsächlich in die kilometerlangen Schlangen vor den Kassen kurz vor Ladenschluss im REWE. Dabei habe ich mir geschworen, diesen Wahnsinn nie wieder mitzumachen. Aber ich bin guter Dinge: was soll schon groß passieren heute, wer ist so kurz vor Weihnachten nicht in fröhlicher Glühweinstimmung? Mein Blick wandert auf die Uhr: viertel nach acht, ich bin früh dran. Da wäre ja fast noch ein Coffee-to-go… Dididimmdadamm: Eine mir nur allzu bekannte Melodie vernichtet umgehend meinen schönen Gedanken an eine duftende Motivation für den anstehenden Tag. Hastig ziehe ich das Handy aus dem vorderen Fach meiner Aktentasche. Wer um Gottes Willen ruft mich um diese Zeit schon an? Ein Blick auf das Display bestätigt meine Vermutung: die Arbeit kann meine Ankunft nicht mehr erwarten. "Morgen, was gibt's?", melde ich mich in der Bemühung, mir die gute Laune von meiner übermotivierten Kollegin nicht verderben zu lassen. "Guten Morgen, Alfred. Eine Vermisstenanzeige: 21 Jahre, weiblich, vielleicht schon seit Mittwoch", lautet die knappe Antwort. "Vielleicht?", ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Stress macht sich die junge Paula selbst schon genügend. Sie ist noch neu im Kommissariat und versucht, ihre fehlende Erfahrung mit Fleiß, wenn nicht gar schon Übereifer wettzumachen. Doch mein Versuch, ihre nicht zu überhörende Anspannung etwas zu dämpfen, zeigt wenig Wirkung: "Wann kommst du?", möchte sie nur von mir wissen, ohne auf meine Nachfrage überhaupt einzugehen. "Gleich da." Mit einem Fingertipp auf das Smartphone ist der Anruf beendet. Doch nicht so die Gedanken, die sich nun um das vermisste Mädchen drehen. So gelassen, wie ich versuchte zu wirken, bin ich natürlich nicht. Hoffentlich nur ein Missverständnis, aber zwei Tage sind eigentlich schon zu lange für ein bloßes Missverständnis. Viel zu lange. Kein Kaffee heute Morgen, ich muss mich beeilen.


| Catharina Klein

- Catharina Klein


"Und, gibt es etwas Neues?", frage ich ohne große Umschweife beim Hereinkommen in das Büro. Etwas außer Atem stelle ich die Aktentasche neben meinen Schreibtisch und fahre noch im Stehen den Computer hoch. Paula sitzt konzentriert hinter ihrem Bildschirm, blickt dennoch kurz auf und antwortet etwas resigniert: "Noch nichts, die Mitbewohnerin ist auf dem Weg ins Kommissariat. Sie hat die Studentin heute Morgen als vermisst gemeldet." Wie als Reaktion auf ihre Aussage geht in diesem Moment die Türe auf und die Sekretärin erscheint mit einem jungen Mädchen im Schlepptau: "Jana Großmann ist hier für eine Aussage." "Ich mach schon", sage ich mehr zu Paula als zu der wartenden Sekretärin und winke die mir eben vorgestellte Jana zu mir. "So, Frau Großmann, nehmen Sie bitte Platz. Was genau haben Sie uns zu berichten?" Mir gegenüber sitzt eine junge Dame Anfang zwanzig, ein langer Wollschal verdeckt ihren Hals bis zum Kinn, das ungekämmte lange Haar hat sie wohl in Eile zu einem unordentlichen Dutt gebunden. In ihrem übergroßen Parka wirkt sie zart, beinahe zerbrechlich. Von Angst zu sprechen wäre weitaus untertrieben: Panik verraten die großen, dunklen Augen und das nervöse Kauen auf der Unterlippe. "Sie war nicht zu Hause heute Morgen. Das Bett ist gemacht, alles ordentlich wie immer, doch Lou ist nicht da!" "Lou ist Louisa Pfennig, Ihre Mitbewohnerin?" Sie bestätigt mit einem Nicken. "Und das ist ungewöhnlich? Sie ist nicht vielleicht schon in einer Vorlesung?" Es gibt beinahe nichts, was es noch nicht gab: eine Frau hatte ihr Handy verloren und wurde unweigerlich für ermordert gehalten, ein Vermisster war in Wirklichkeit nur kurz einkaufen und eine Person hat nach langer Ermittlung nicht einmal existiert, ein fiktive Wunschpartnerin aus den Tagträumen eines Verückten. Davon darf und will ich nicht ausgehen, doch als langjähriger Kriminalpolizist habe ich auch gelernt, den Teufel nicht an die Wand zu malen, bevor überhaupt die Wände stehen. Erst Hintergründe und Eckdaten, dann sehen wir weiter. "Naja, sie ist manchmal morgens am Inn joggen, aber keine drei Stunden und auch nicht so früh. Uni hat sie erst heute Nachmittag um zwei. Ihr Handy ist aus, schon seit Mittwoch Abend", berichtet das Mädchen mit verzweifelter Stimme, während sie weiterhin auf ihrer Lippe kaut. "So jetzt einmal ganz von vorne: wann haben Sie Louisa Pfennig zuletzt gesehen, was könnte passiert sein und wie ist Ihr Verhältnis? Ich werde aus Ermittlungsgründen Ihre Aussage aufzeichnen, wenn Sie nichts dagegen haben?" Sie schüttelt den Kopf, fährt sich mit beiden Händen über das blasse Gesicht und holt tief Luft, als müsste sie erst ihre Gedanken ordnen. "Lou und ich kennen uns seit der O-Woche vor dem ersten Semester, wir waren zusammen auf der Kneipentour und haben uns auf Anhieb super verstanden. Sie studiert  KuWi," bemerkt meinen fragenden Blick und ergänzt: "Kulturwirtschaft, ich Medien und Kommunikation. Wir waren beide nur vorläufig irgendwo untergekommen, sie im voll möblierten Zimmer eines Erasmusstudenten, der für den Sommer wiederkommen sollte, ich in der Ilzstadt, viel zu weit weg und ohne gute Busverbindung. Wir haben eine schöne und zentrale WG gesucht und bald gefunden. Seit März wohnen wir zusammen in der Altstadt, alles läuft prima, wir sind beide zufrieden" und nach einer kurzen Pause: "Also, denke ich jedenfalls..." Ich nicke ihr aufmunternd zu, bitte sie, weiterzuerzählen. Sie mache das sehr gut, und das meine ich auch so. "Am Mittwoch Abend wollte ich auf einen Geburtstag einer guten Freundin. Wir haben beide aus dem Studiengang einen eigenen Freundeskreis, doch wir kennen inzwischen die Leute der jeweils Anderen. Ich habe sie also gefragt, ob sie mitkommen möchte, wollte sie aber nicht. Sie hatte etwas anderes vor. Ich weiß nicht, was, ich habe nicht nachgefragt." Sie verstummt und schaut mich mit ihren großen Augen an. Ist da Scham in ihrem Blick? Ich wähle meine Worte mit Bedacht, möchte ihr Mut zusprechen, nicht ihre Sorge noch verstärken: "Hören Sie, Frau Großmann, Sie haben alles richtig gemacht! Es gibt doch bestimmt häufiger Abende, die Sie beide nicht zusammen verbringen." "Ja, natürlich. Aber sie verschwindet dann nicht einfach." Nach kurzem Zögern erzählt sie weiter: "Ich kam spät zurück und bin sofort schlafen gegangen. Am nächsten Morgen habe ich den Wecker überhört und komplett verschlafen. Ich war viel zu spät dran und somit froh, dass Lou nicht das Bad besetzte. In der Uni habe ich ihr nur ziemlich kurzfristig eine Nachricht geschrieben, dass ich nicht zum Filmeabend komme und sie gebeten, für mich abzusagen. Wir hatten eigentlich geplant, mit mehreren Freundinnen bei Clara gemütlich "Eine Weihnachtsgeschichte" zu schauen und Glühwein zu trinken. Aber ich war einfach zu fertig, ich wusste, dass heute ein langer Tag wird. Ich habe ja eigentlich Blockseminar... Dann war mein Akku leer und als ich zu Hause war, bin ich bald schlafen gegangen. Erst gerade eben bekam ich eine Nachricht von Clara, keine Ahnung, woher sie meine Nummer hat, von Lou jedenfalls nicht. Sie hat mich gefragt, warum wir nicht gekommen sind und ob Lou gerade kein Handy hat. Ich habe die Nachricht erst gar nicht verstanden, dann ist mir aufgefallen, dass Lou auch mir nicht geantwortet hat. Sie hat meine Nachricht nicht einmal gelesen! Ich hatte plötzlich Panik, bin sofort in ihr Zimmer gerannt. Alles schien wie immer, doch von ihr weit und breit keine Spur. Dann habe ich bei der Polizei angerufen." "Vielen Dank, Frau Großmann. Lassen Sie uns bitte Ihre Handynummer und bestenfalls alle Nummern derer Personen da, die zuletzt Kontakt zu Frau Pfennig gehabt haben könnten. Wir halten Sie auf dem Laufenden."

Ich schiebe meinen Notizblock und das Aufnahmegerät zur Seite, stütze mit einem Seufzer der Ratlosigkeit meine Ellbogen auf die Tischplatte und lege den Kopf in beide Hände. Wo soll man da nur anfangen? Eine verschwundene Studentin mit unzähligen Freunden und Kontakten, doch ohne jegliche Spur – und keiner weiß, wer sie wann wo zuletzt gesehen hat. Eine verzwickte Situation und mit jeder Sekunde wachsender Zeitdruck, diese schnellstmöglich zu lösen. So viel zu einem freien Nachmittag – da liegt ein Berg an Arbeit vor mir und einem gemütlichen Wochenende.

Du willst wissen, wie es weitergeht? Die Fortsetzung folgt am 2. Advent...






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