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15. Passauer Weihnachtscircus  |  04.01.2017  |  12:00 Uhr

Manege frei für Tiere?

von Dana Neuleitner, Eva Fürst

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Weihnachtliche Dekoration im Foyer-Zelt

Weihnachtliche Dekoration im Foyer-Zelt | Dana Neuleitner

Weihnachtliche Dekoration im Foyer-Zelt - Dana Neuleitner


Freitagnachmittag. Die Lichter am blauroten Zirkuszelt funkeln einladend, doch noch ist der Platz vor der Dreiländerhalle menschenleer. Als wir das Foyer-Zelt betreten, staunen wir nicht schlecht. In der Mitte steht ein riesiger Weihnachtsbaum, um ihn herum sieben Stände, die wie Christkindlmarktbuden dekoriert sind. In der Luft liegt der Geruch von Popcorn und gebrannten Mandeln. Der Passauer Weihnachtscircus will seinem Namen eindeutig gerecht werden. Während wir warten, kommt ein Zirkusmitarbeiter nach dem anderen herein, grüßt uns kurz freundlich, bevor er wieder geschäftig das Zelt auf der anderen Seite verlässt.

Der Tiertrainer mit seinem Ziegenbock

Der Tiertrainer mit seinem Ziegenbock | Dana Neuleitner

Der Tiertrainer mit seinem Ziegenbock - Dana Neuleitner


Wir sind mit Jochen Träger-Krenzola, einem der Tiertrainer, verabredet. Zu seinen Schützlingen gehören jedoch weder fauchende Tiger noch stolze Pferde, dafür aber neben einem Ziegenbock und neun Schweinen noch Katzen, Hunde und eine Schar Vögel. Letztere durfte er wegen Ansteckungsgefahr mit der Vogelgrippe schweren Herzens nicht mit nach Passau bringen. Der 50-Jährige tritt mit seinen Tieren nicht nur im Zirkus, sondern zum Beispiel auch in Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen auf, was ihm ebenfalls großen Spaß macht. "Es ist besonders toll, wenn man dann von einer Pflegerin erfährt, dass ein Patient schon seit mehreren Wochen kein Wort mehr geredet hat, aber dann auf die Tiere reagiert", erzählt er uns. Am Zirkus habe ihn schon immer die "Mischung aus Glanz und Dreck" fasziniert. Er selbst kommt nicht aus einer Schaustellerfamilie und machte seinen Eltern zuliebe erst einmal eine Schlosserlehre, bevor er mit 18 zum Staatszirkus der DDR ging. Seitdem war er schon in ganz Europa auf Tour.

Demonstranten vor dem Zirkus

Demonstranten vor dem Zirkus | Dana Neuleitner

Demonstranten vor dem Zirkus - Dana Neuleitner


"In Deutschland sind die Tierschutzgesetze eindeutig mit am strengsten", berichtet er. Und das sei auch gut so, denn Tierschutz sei ihm wichtig. Dennoch sind die Tierschützer hier am lautesten. Auch heute ist eine Demo angekündigt. Die Demonstranten haben Pappschilder dabei, auf denen zum Beispiel "Kein Applaus für Tierquälerei", "Schluss mit Tieren im Zirkus" oder "Dressur ist immer Gewalt" steht. "Das stimmt so nicht", meint Jochen Träger-Krenzola, der den Namen "Krenzola" von seinem verstorbenen Lehrmeister vererbt bekam, denn bei der Dressur setzt man auf den natürlichen Spiel- und Beutetrieb – wie auch beim Stöckchenholen bei der Hundeerziehung. Dass es aber auch in dieser Branche schwarze Schafe gibt, die ihre Schützlinge mit Schlägen strafen, bestreitet er nicht. Er wünscht sich jedoch von den Demonstranten, dass sie nicht alle Zirkusleute in denselben Topf werfen und vorverurteilen, sondern sich die individuellen Gegebenheiten erst mal genauer ansehen, bevor sie zu einer Entscheidung kommen. Silvia, eine der Demonstrantinnen, hat den Wunsch nach einem Zirkus ganz ohne Tiere, da vor allem die häufigen Ortswechsel stressig für diese seien. Glaubt man dem Freiburger Verhaltensbiologen Immanuel Birmelin, der Cortisolwerte bei Zirkuslöwen bei langen Reisen verglich, waren diese fast genauso entspannt wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn – lediglich ihr Trainer war gestresst. Seiner Meinung nach hätten es Zirkustiere zudem besser als ihre Artgenossen im Zoo, da sie mehr Abwechslung und Beschäftigung haben.

Die Zirkusmanege kurz vor Showbeginn

Die Zirkusmanege kurz vor Showbeginn | Dana Neuleitner

Die Zirkusmanege kurz vor Showbeginn - Dana Neuleitner


Silvia war auch bei den Initiatoren des Wildtierverbots für in Passau gastierende Zirkusse dabei, das ab dem 01.01.2019 in Kraft tritt. Dann wird Erwin Frankello, der zur Zeit mit seinen beiden Elefanten und den Seelöwen "Itchy" und "Scratchy" im Weihnachtscircus auftritt, wohl nicht mehr dabei sein. Ebendieser kam auf die kleine Demogruppe zu, brachte ihrem Hund eine Schale Wasser und bot Kaffee und eine Besichtigung der Unterbringungen der Tiere an, was alle außer Silvia aber ablehnten. Auch wenn sie bei der Begegnung mit Frankello nicht sehr gesprächig waren, sei ihnen Dialog wichtig. Bei den Zirkusleuten stoßen sie eigenen Angaben nach verständlicherweise nicht unbedingt auf Begeisterung, sehen sich aber auch keinen Pöbeleien ausgesetzt.

Jochen Träger-Krenzola kündigt seine Schweinchen an

Jochen Träger-Krenzola kündigt seine Schweinchen an | Dana Neuleitner

Jochen Träger-Krenzola kündigt seine Schweinchen an - Dana Neuleitner


Jochen Träger-Krenzola empfängt uns und die anderen Besucher zur Show im Frack, die wir uns, mit Popcorn und gebrannten Mandeln ausgestattet, ansehen. Natürlich kann es passieren, dass ein Tier mal keine Lust hat oder etwas schief geht. "Man muss halt darüber lachen", meint er. Auch bei den Tricks seiner Vierbeiner funktioniert dieses Mal nicht alles auf Anhieb. Dass man in der in der Manege auch ganz ohne Tiere Erfolg haben kann, beweist zum Beispiel der Cirque du Soleil, bei dem ausschließlich Artisten auftreten. Und auch in der Vorstellung applaudieren der Darstellerin, die unzählige Hula-Hoop-Reifen gleichzeitig um alle erdenklichen Körperstellen kreisen lässt, alle – von Kleinkindern bis hin zu stark tätowierten Männern – mindestens genauso laut, wie den Schweinchen, was in manchen Fällen aber auch am knappen Showoutfit der Dame liegen mag.

Unser persönliches Fazit ist, dass wir das Zirkuszelt mit einem besseren Gefühl verlassen haben, als wir erwartet hatten. Dass Wildtiere nicht in den Zirkus gehören, finden wir nach wie vor. Gerade bei diesem Thema können wir die Bedenken der Demonstranten durchaus verstehen. Wir sind aber auch einer Meinung mit Jochen Träger-Krenzola: Bevor man alle Tierlehrer über einen Kamm schert, sollte man sich selbst ein Bild von der Lage machen und den Dialog miteinander suchen. Der Zauber der zu den Klängen von Mariah Careys "All I want for Christmas is you" eröffneten Vorstellung hat uns jedenfalls auch im Erwachsenenalter noch erfassen können.






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