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Passauer Tierheim  |  23.11.2016  |  12:00 Uhr

Von Hundegebell und Katzenopas tief im Passauer Wald

von Dana Neuleitner, Eva Fürst

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Ächzend quält sich der blaue Bus den Hügel des Passauer Stadtteils Kohlbruck hinauf. Fast alle Fahrgäste sind schon ausgestiegen, nur Eva, ich und zwei Jura-Erstsemester, die dasselbe Ziel haben wie wir, sind noch an Bord. "Endhaltestelle, bitte alle aussteigen!", ruft die Busfahrerin, als das Gefährt schließlich stehen bleibt. Gemeinsam mit den anderen beiden machen wir uns auf die Suche nach Schildern, die uns den Weg zum Tierheim erklären. Nach einer kleinen Matschwanderung, bei der sich herausstellt, dass wir alle vier an besseres Schuhwerk hätten denken müssen, hören wir in einiger Entfernung endlich das Gebell von Hunden. Ein Zeichen dafür, dass wir uns wohl doch nicht verirrt haben.

Der dreibeinige Ziggy

Der dreibeinige Ziggy | Dana Neuleitner

Der dreibeinige Ziggy - Dana Neuleitner


Im Tierheim herrscht Hochbetrieb. Zahlreiche Freiwillige jeder Altersschicht sind gekommen, um mit den Hunden Gassi zu gehen. Je nach Erfahrung wird ihnen ein Tier zugeteilt, für das sie einen Ausweis oder Autoschlüssel als Pfand hinterlegen müssen. Eine Helferin führt einen gerade angekommenen Hund wieder zum restlichen Rudel ins Außengehege und bringt unseren beiden Wegbegleiterinnen gleich darauf ein anderes freudig wedelndes Fellknäuel. Ein weiterer Besucher bekommt Ziggy zugewiesen. Dem weißhaarigen Schäfermischling, der im Internet schon eine kleine Fangemeinde hat, musste ein Vorderbein abgenommen werden, nachdem er vor einen Zug lief. Seiner Lebensfreude scheint dies jedoch keinen Abbruch getan zu haben. Er hüpft munter umher und hat sich an die neue Situation allem Anschein nach schon angepasst. Eva und ich werden von Bettina Mittler, der Tierheimleiterin, in Empfang genommen, die uns mit ins Katzenzimmer nimmt, wo gerade eine Übergabe stattfindet. Die beiden ältesten Bewohner des Hauses, der 18-jährige Perserkater Babos und der nicht minder betagte Lucky, werden von ihrer neuen Besitzerin ausgiebig mit Streicheleinheiten versorgt und langsam an die mitgebrachten Transportboxen gewöhnt. Sie wurden vor zwei Jahren zusammen mit sieben anderen Leidensgenossen aus einem Messie-Haushalt gerettet. Junge Tiere finden oft schneller ein neues Zuhause, auch wenn deren Erziehung normalerweise mehr Zeit in Anspruch nimmt, als die eines Älteren. Nach wochenlanger Gewöhnungszeit an die neue Besitzerin, können es die beiden Senioren kaum erwarten, endlich die fünfminütige Heimreise anzutreten.

Tierheimleiterin Bettina Mittler

Tierheimleiterin Bettina Mittler | Dana Neuleitner

Tierheimleiterin Bettina Mittler - Dana Neuleitner


Derzeit leben etwa 60 Katzen und 25 Hunde hier. Die neuesten Bewohner sind ein Pekinesen- und ein Terrier-Mix (die kleine Tochter der Tierheimleiterin gab ihnen die Namen Elsa und Anna), die bei strömendem Regen auf einem Autobahnparkplatz der A3 gefunden wurden, wo sie leinenlos herumliefen. Auf der Facebookseite des Tierheims sucht Bettina Mittler nach den ursprünglichen Haltern. Dass die beiden jetzigen Findelkinder weder gechipt, noch tätowiert sind, erschwert die Suche jedoch. Aus diesem Grund werden sowohl sie, als auch alle anderen Neuankömmlinge im Tierheim mit diesen Erkennungszeichen versehen. Zusätzlich erhalten sie eine Impfung und eine Entwurmung. All dies trägt dazu bei, dass die monatlichen Tierarztkosten bei ungefähr 4.500 Euro liegen. Mit anderen Ausgaben, wie etwa Personal oder Futter, ergibt das einen jährlichen Betrag von etwa 120.000 Euro. Gestemmt wird dieser zum kleinen Teil durch die Stadt Passau, der große Rest über Spenden, Patenschaften und Mitglieder, von denen es laut Tierheimleitung nie genug geben kann, vor allem jetzt, da es in der Nacht zuvor zu einem Zwischenfall kam:

Tobis Spuren der Verwüstung

Tobis Spuren der Verwüstung | Dana Neuleitner

Tobis Spuren der Verwüstung - Dana Neuleitner


Eva auf Tuchfühlung

Eva auf Tuchfühlung | Dana Neuleitner

Eva auf Tuchfühlung - Dana Neuleitner


Schäferhund Tobi hatte in seiner ersten Nacht im Hundehaus das Gitter seiner Box zerbissen, sich durch das so entstandene Loch gezwängt und sich einen Weg nach Draußen bahnen wollen, wobei ihm ausgerechnet ein tragender Balken im Weg war. Nun wird ermittelt, ob das kleine Gebäude eventuell sogar abgerissen werden muss – und das, obwohl erst vor kurzem viel Geld in die Renovierung des Daches gesteckt wurde. In der Zwischenzeit steht das Haus leer und Bettina Mittler die Verzweiflung förmlich ins Gesicht geschrieben. Trotz allem hat Tobi schon einen Interessenten. Die frühere Krankenpflegerin erzählt, dass jährlich etwa 300 Tiere vermittelt werden. Zu den neuen Besitzern gehören – nach einer vorherigen Wohnungs- und Platzkontrolle – auch viele der ehemaligen Gassigeher. Viele Besuche sind nötig, um die Interaktion zwischen Mensch und Tier zu sehen und herauszufinden, wer zu wem am besten passt. Ist alles in Ordnung, erfolgt die Übergabe. "Das sind die schönsten Momente. Wenn man sieht, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat", meint die Leiterin, die selbst als Gassigeherin angefangen hat, lächelnd. Jetzt, kurz vor Weihnachten hat sie diesbezüglich aber einen großen Wunsch. "Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum. In all dem Trubel wären sie total überfordert und man kann sich auch nicht die Zeit nehmen, die sie zur Eingewöhnung dringend brauchen." Aus diesem Grund gibt es, wie in vielen anderen Tierheimen auch, in der Zeit eine Art Vermittlungsstopp, wenn sich herausstellt, dass die Tiere nur als Geschenk gedacht sind. So soll verhindert werden, dass sie bald darauf wieder abgegeben werden. Zu den häufigsten Motiven gehören Bettina Mittler zufolge vor allem eine Allergie oder ein Umzug der Halter. Sie selbst zweifelt jedoch nicht allzu selten an diesen Begründungen, vor allem in der Hochsaison August, wenn ein deutlicher Anstieg an Abgaben erkennbar ist. Viele der Tiere blühen im Tierheim richtiggehend auf. So wandelt sich so mancher früher ängstliche und menschenscheue Hund in ein schwanzwedelndes, freudig bellendes Fellknäuel, das alle Besucher zusammen mit dem restlichen Rudel lautstark im Chor begrüßt.

Jacky

Jacky | Dana Neuleitner

Jacky - Dana Neuleitner


Eva und ich beschließen, uns nun auch als Gassigeher zu versuchen und bekommen den ebenfalls ziemlich laut bellenden Jacky zugeteilt. Zu dritt gehen wir an der Straße, die am Tierheim vorbeiführt, entlang. Inzwischen ist es etwas kühler geworden, der berühmt-berüchtigte Passauer Nebel ist dabei, die Stadt zurück zu erobern. Jacky ist kaum zu bremsen, läuft von einem Busch zum nächsten und markiert fleißig. Bei einem kurzen Abstecher in den Wald scharrt er begeistert im Laub, das dadurch in alle Richtungen fliegt. Lachend weichen wir den Blättern aus, auch wenn unsere zuvor noch saubere Kleidung inzwischen schon deutliche Matschspuren aufweist. Naja, so ist das eben in der Natur und wir sind ja schließlich nicht aus Zucker. Dem Mischling kann es gar nicht schnell genug gehen. Wahrscheinlich kläfft er nur deswegen die vorbeikommenden Jogger an, um zu sagen "Hey, nehmt mich mit! Die zwei sind mir echt zu langsam!" Der Wald lichtet sich und wir haben eine tolle, wenn auch etwas diesige Aussicht über die Dreiflüssestadt. Die weiße Schwanzspitze unseres Schützlings wedelt ununterbrochen und die Ohren sind spitz aufgerichtet. Wieder zurück im Tierheim, wird der Rüde vom restlichen Rudel lautstark begrüßt. Bettina Mittler nimmt ihn in Empfang. "Mich stört das Bellen inzwischen gar nicht mehr. Im Gegenteil, ich brauche das. Dann weiß ich, dass hier was los ist! Außerdem wird's eh ruhig, wenn keine Besucher mehr da sind." Für uns ist das schwer vorstellbar. Damit es den Tieren aber trotz allem nicht zu viel wird, ist montags und mittwochs Ruhetag. Dann wird es auch in diesem Teil des Passauer Waldes mal still.






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