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26.05.2016  |  10:00 Uhr

Selbstversuch Ballett: Was wirklich hinter rosa Tütüs und Spitzenschuhen steckt

von Larissa Schaidnagel

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"Du wirst also ein bisschen im Tütü durch die Gegend hüpfen", meinte eine Freundin mit breitem Grinsen im Gesicht zu mir als ich ihr erzählte, dass ich diese Woche zum Ballett-Training gehen werde. Abgesehen davon, dass niemand im Tütü zum Training erschien, zeigte mir der berühmte "Tag danach" vor allem eines: Ballett ist mehr als nur ein bisschen durch die Gegend hüpfen. Nicht nur, dass ich mich nur mit Mühe und Not aus dem Bett hieven konnte, ich spürte plötzlich auch Muskeln, von denen ich zuvor nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Aber zurück zum Anfang: es ist Mittwochnachmittag, 14 Uhr. Wir haben uns bei Ballett-Trainerin Vivien angekündigt. Sie freut sich schon auf uns, meinte sie. Mal sehen, wie lange diese Vorfreude anhält, denn trotz vieler Jahre Tanzerfahrung versuche ich mich heute das erste Mal an Ballett. Dehnbarkeit und Gelenkigkeit zählen nämlich nicht unbedingt zu meinen großen Stärken. Dennoch bin ich voller Vorfreude als ich den Trainingsraum im Sportzentrum betrete und nach einer kurzen Vorstellung, wer wir Sportsfreundinnen denn sind und was wir machen, geht es auch schon los. Vivien erklärt die erste Schrittfolge und alle verteilen sich an der vor dem Spiegel stehenden Ballett-Stange oder den am Rand stehenden Matten und Kletterwänden, um sich mit einer Hand festhalten zu können. Schon beim Anblick der Stange wird mir etwas mulmig und ich reihe mich lieber zunächst an der Matte ein. "Ist jemand völlig verwirrt?", fragt Trainerin Vivien nach der ersten Anweisung. Ich hebe etwas zögerlich die Hand und werde prompt direkt neben sie an die Stange gebeten. Na prima. Ich versuche mich einfach an den anderen zu orientieren. Was anfangs noch etwas schwer fällt, klappt mit der Zeit aber immer besser. Vor allem, nachdem Vivien mir die Grundhaltung des Körpers und der Arme gezeigt hat. Man mag es kaum glauben, aber mit der richtigen Haltung fallen einem die Bewegungen schon um einiges leichter. Rücken gerade, Kopf gestreckt, Schultern nach unten, Arme leicht nach innen geknickt und auf Brusthöhe, Finger gestreckt, die Spitze des Daumens berührt den unteren Teil des Mittelfingers.

Die Geschichte des Balletts begann in Italien und ging dann auf Frankreich über, weshalb auch heute noch die meisten Begriffe der Ballettsprache französischen oder (seltener) italienischen Ursprungs sind. Natürlich verwendet auch Vivien diese Bezeichnungen, von denen ich leider nicht den Hauch einer Ahnung habe und deshalb sämtliche Begriffe wie "Tendu", "Arabesque" und "Relevé" bereits kurz nachdem sie sie ausgesprochen hat wieder vergessen habe. Aber schlussendlich geht es ja auch nicht um die perfekte Beherrschung der Ballettsprache, sondern darum, dass das, was ich versuche mitzutanzen, zumindest den Anschein von Ballett haben soll. Was ich mir allerdings merken konnte ist das "Plié", die berühmte Kniebeuge in der ersten Fußposition, bei der die Füße nebeneinander stehen und sich die Fersen berühren. Das ganze sollte dann auch vorteilhafterweise nicht so aussehen, als würde man sich auf der Toilette befinden, sondern es ist wichtig, mit aufrechtem Körper und angespanntem Po gerade nach unten zu gehen. Ich merke bereits jetzt wie meine Zehen durch das ständige Anspannen unglaublich verkrampft sind. "Du musst den ganzen Innenfuß anspannen, nicht nur die Zehen, dann verkrampfst du nicht so sehr", rät mir eine der anderen Mädels und ich bin ihr sehr dankbar für diesen Tipp, denn das Anspannen der gesamten inneren Fußfläche sorgt tatsächlich für weniger verkrampfte Zehen. Ein kurzer Blick zur Uhr verrät mir, dass die 90 Minuten schon fast vorüber sind. Es folgen noch einige Übungen für die Bauchmuskeln. "Ihr wollt doch alle eine Bikinifigur, oder etwa nicht?" fragt Vivien lächelnd in die Runde. Schon die ganze Stunde über findet sie die perfekte Mischung aus Lob und Kritik, aus scherzhaften Anmerkungen und ernsten Erklärungen. So fühle sogar ich mich am Ende gar nicht mehr wie der "Neuling", sondern als Teil der Gruppe. Aber auch als der erschöpfteste Teil der Gruppe. Muskeltechnisch wird im Ballett tatsächlich alles trainiert. Besonders natürlich die Beine, der Po und der Bauch für diverse Sprünge und Drehungen.

Wie es wohl Männern beim Ballett ergeht?
"Ballett ist im professionellen Bereich für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet. Beide Geschlechter sind sehr hohen Anforderungen, körperlich wie psychisch, ausgesetzt - es wird oft nur Wert auf verschiedene Bewegungen gelegt. Problematisch im Hobbybereich ist einzig und allein der Ruf des Balletts, der sehr frauendominant und rosa ist", erklärt mir Vivien. "Sobald ein Mann einmal Ballett ausprobiert, merkt er, dass es ein Sport ist, der ein Rundum-Körpertraining erfordert, so wie andere Sportarten nun mal auch."

Um kurz nach 16:30 mache ich mich auf den Nachhauseweg. Um einige Erfahrungen und Eindrücke reicher und mit der Erkenntnis, dass Ballett den Ruf des "Mädchensports" nicht wirklich verdient hat.

Eure Larissa von den Sportsfreundinnen






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