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17.01.2016  |  13:30 Uhr

Studentin als Chaos-Königin

Julias Lieblingsszenen aus der Komödie "Is' was, Doc?"

von Julia Gabauer

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Schon mal als Spinner bezeichnet worden? Meistens ist das ja wenig schmeichelhaft. Auf Englisch heißt Spinner allerdings "screwball" und bezeichnet einen nach außen geworfenen Baseball, der unberechenbar ist. Dieser Begriff prägte das Genre der Screwball-Komödie. Solche Streifen gab es vor allem in den 30er- und frühen 40er-Jahren, zum Beispiel "Leoparden küsst man nicht". Einige Zeit später entschloss sich der Regisseur Peter Bogdanovich eine Hommage an diese Art Filme zu drehen und so erschien 1972 "Is' was, Doc?" (Trailer).

Judy hält Howard und ganz San Francisco ziemlich auf Trab.

Judy hält Howard und ganz San Francisco ziemlich auf Trab. | Warner Bros. Entertainment

Judy hält Howard und ganz San Francisco ziemlich auf Trab. - Warner Bros. Entertainment


Handlung: Hm, naja, die Story dieses Films zu beschreiben ist ungefähr so einfach wie als Kamel durch ein Nadelöhr zu gehen. Aber bitte: Der schrullige Musikprofessor Dr. Howard Bannister besucht mit seiner spießigen Verlobten Eunice Burns einen Musikologenkongress in San Francisco, weil er auf ein Stipendium hofft. Im Hotel trifft er Judy Maxwell, eine freche, aber liebenswerte Langzeitstudentin, die von jeder Uni fliegt, weil sie Chaos verbreitet, wo sie geht, steht und atmet. Das schafft sie auch bei Howard ganz gut und ein komischer Zufall sorgt für weitere Komplikationen. Nicht nur Howard und Judy, sondern auch die steinreiche Mrs. Van Hoskins und der Spion Mr. Smith haben mit gleich aussehenden Reisetaschen im Hotel eingecheckt. Sie wird bald ihre Juwelen vermissen und er Geheimdokumente der Regierung, denn für die Kofferinhalte interessieren sich weit mehr Personen als nur ihre vier Besitzer. Was folgt, sind viele, viele Verwechslungen, zerlegte Hotelzimmer, ein geklauter chinesischer Drache, ein Richter mit Nervenzusammenbruch und jede Menge Spaß. Aus all diesem Chaos habe ich meine fünf Lieblingsszenen herausgepickt.

1. "Sagen Sie, was machen Sie da eigentlich?"

Barbra Streisand spielt Judy und ihre Rolle fegt wie ein Wirbelwind durch den ganzen Film. Als sie Howard trifft, ist es Liebe auf den ersten Blick und von da an gibt es für sie kein Halten mehr. Ihre Flirtmethoden kann man guten Gewissens als besessen beschreiben. Zum Beispiel schleicht sie sich in sein Hotelzimmer und nimmt in aller Ruhe ein Bad. Und er ist so schrullig, dass ihm bei einer schönen, jungen Frau in seiner Wanne nicht Besseres einfällt, als die Polizei rufen zu wollen. Ein unglaublich lustige Szene, bei der die Chemie zwischen Streisand und Ryan O'Neal als Howard deutlich wird.

2. "Jawohl, Eunice!"

Madeline Kahn ist Eunice, Howards dauerkeifende Verlobte mit Helmfrisur-Perücke und Bundeswehrattitüde. Sie und Judy könnten nicht unterschiedlicher sein und deswegen ist Stress vorprogrammiert, als diese zwei das erste Mal aufeinandertreffen. Howard kann sich gegen beide nicht wehren und entscheidet sich deswegen für Plan B: Kapitulation.

3. "Das ist nicht Eunice Burns!"

Um Howards Herz zu erobern, beschließt Judy, sich als Eunice auszugeben und den Kongress zu besuchen. Dort mischt sie die gelangweilten Forscher ordentlich auf, während Howard verzweifelt (und erfolglos) versucht, das Ganze klarzustellen. Doch die Musikologen sind ihr längst verfallen, einerseits weil sie genauso schräg sind wie Judy, andererseits weil sie sie "Burnsie" nennen dürfen.

4. "Spiel das für mich!"

Bevor sich Barbra Streisand als Schauspielerin etablierte, war sie für ihre Musik berühmt. Deswegen kam der Regisseur nicht umhin, sie auch in diesem Film trällern zu lassen. Über den Dächern von San Francisco singt sie "As time goes by" aus dem Film "Casablanca" und Ryan O'Neal darf auf dem Klavier dazu klimpern. Die Szene hat zwar keine große Bedeutung für die Geschichte, ist aber zuckersüß.

5. "Frag nicht, mir nach!"

Wem der Film noch nicht verschwurbelt genug war, der kommt am Ende auf seine Kosten. Das ganze Durcheinander gipfelt nämlich in einer absolut irrwitzigen Verfolgungsjagd, bei der halb San Franciso geschrottet wird. Hier werden auch Männer Spaß haben, denn es gibt viele, für damalige Verhältnisse beeindruckend choreographierte Stuntszenen.

Mein Fazit: In erster Linie sollte man alle Vernunft vergessen, denn die Story ist einfach geballter Irrsinn. Der Austausch der Taschen ist so verwirrend wie ein Hütchenspiel. Ich habe den Film auch schon mal auf einem DVD-Abend mit Freunden geschaut, denen er weniger gefallen hat. Wer allerdings Fan von Slapstick-Comedy ist, der wird seine reine Freude dran haben. Die Kette aus urkomischen Situationen und Dialogen voller Wortwitz will einfach nicht abreißen. Wer jetzt glaubt, ich hätte zu viel verraten, dem sei gesagt: Die Trickkiste dieses Films hat noch einige Überraschungen in petto.

Meine Wertung: 9 von 10 Filmrollen


| Gregor Weber

- Gregor Weber


Is' was, Doc? (What's up, Doc?). USA 1972. Ab 12 Jahren. 94 Minuten. Regie: Peter Bogdanovich. Drehbuch: Buck Henry, David Newman und Robert Benton. Produktion: Peter Bogdanovich. Mit Barbra Steisand, Ryan O'Neal, Madeline Kahn, Kenneth Mars, Austin Pendleton und mehr.






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