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Buchkritik  |  29.11.2015  |  09:00 Uhr

Sex, Drugs und Jazz

Jack Kerouacs "Unterwegs" ist die Bibel der Beatniks

von Sonja Seidl

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"Unterwegs" lässt sich am besten unterwegs lesen.

"Unterwegs" lässt sich am besten unterwegs lesen. | Sonja Seidl

"Unterwegs" lässt sich am besten unterwegs lesen. - Sonja Seidl




Ihr kennt das bestimmt: diesen Wunsch, einfach alles hinzuschmeißen, in ein Auto zu steigen und weg. Jack Kerouac hat das in den 1940er Jahren mehrmals gemacht und ein Buch darüber geschrieben. Sein Werk "Unterwegs" wurde schnell zum Manifest der Beatniks, einer literarischen Subkultur in den 50ern, die oft mit den heutigen Hipstern verglichen wird. Die Beatniks waren Wegbereiter für die Hippie-Generation. "Unterwegs" hat zahlreiche Autoren, Journalisten und Künstler (Johnny Depp nennt es "seinen Koran") geprägt. Aber ist es wirklich lesenwert?

Mir sagte "Unterwegs" nichts, bis 2012 eine Verfilmung mit Kristen Stewart in die Kinos kam. Vor zwei Jahren habe ich mir das Buch gekauft, es angefangen – und bald wieder weggelegt. Für euch habe ich es nochmal hervorgekramt.

Inhalt: Ich-Erzähler Sal Paradise, Kerouacs Alter Ego, macht sich Ende der 1940er von New York auf in den Westen. Er trampt, springt auf Güterwaggons, fährt mit dem Greyhound oder Auto und ist stets knapp bei Kasse. Unterwegs trifft er neue Leute, aber auch bekannte Gesichter, zum Beispiel Draufgänger-Kumpel Dean Moriarty. Zusammen feiern sie wilde Partys mit leichten Mädchen, harten Drogen und Jazz.

Unterwegs

Unterwegs | Sonja Seidl

Unterwegs - Sonja Seidl


Kritik: Kreative Aussteiger, die hinaus in die Welt ziehen – für mich klang die Story sehr reizvoll. Meine anfängliche Begeisterung wurde aber bald gedämpft. Es gibt da ein paar Dinge, die mich an "Unterwegs" stören, zum Beispiel dieser unterschwellige Sexismus. Es mag daran liegen, dass Autor und Ich-Erzähler ein Mann sind, aber auf die Dauer gehen mir diese jungen Typen, die ständig irgendwelche Mädchen ins Bett bekommen wollen und sich voll laufen lassen, auf den Keks. Alles dreht sich um Sex, Drugs, Rock'n'Roll – wobei man den Rock durch Jazz ersetzen sollte. Jazz spielt eine große Rolle in "Unterwegs". Kerouac beschreibt sämtliche Jazz-Improvisationen besonders ausufernd. Ich musste dabei immer nur an "Katzen brauchen furchtbar viel Musik" von Disneys Aristocats denken. Ausufernd ist auch die Zahl der Charaktere, die Kerouac ins Buch packt, aber kaum vorstellt. Irgendwann habe ich den Überblick verloren, wer nochmal wer ist und wo in den Staaten wir uns überhaupt befinden. Sal und seine Freunde hetzen von einem Ort zum anderen, trotzdem hat "Unterwegs" seine Längen, weswegen ich es beinahe nochmal weglegen wollte.

Warum ich es doch gelesen habe: Mit dieser ganzen chaotischen Geschichte schwingt eine gewisse Unbeschwertheit mit, nach der wir uns auch heute noch sehnen. Einfach abhauen, nicht an den nächsten Tag denken, Spaß haben und frei sein. Und dieses Gefühl, Regeln zu brechen und Teil einer neuen Generation zu sein. Nach dem Motto: "Wir wussten, dass wir Chaos und Wahnsinn hinter uns ließen und unsere einzige noble Aufgabe in der Zeit erfüllten – wir waren in Bewegung."

Mein Fazit:

Spannung: hinkt bisweilen hinterher

Figuren: viel zu viele, die man nicht auseinanderhalten kann

Schreibweise: oft sehr lange Sätze

Fun Fact: Kerouac hat für das Schreiben des Romans genauso lange gebraucht wie ich zum Lesen (drei Wochen) ;)

Ein Klassiker, weil: es das Manifest der Beatniks ist und Hippies und die Literatur geprägt hat.

Unterwegs (On The Road). USA 1957. 380 Seiten (Rowohlt-Taschenbuch). Autor: Jack Kerouac






 

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