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15.11.2015  |  09:00 Uhr

Mord, Party und Champagner

"Cocktail für eine Leiche": geglücktes Experiment von Alfred Hitchcock

von Gregor Weber

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Nachdem meine PuZ-Kollegin Sonja letzte Woche den schlechtesten US-Film aller Zeiten vorgestellt hat, habe ich mich für euch auf die Suche nach etwas Hochwertigerem gemacht. Fündig wurde ich bei einem der besten und auch einflussreichsten Regisseure Hollywoods: dem "Master of Suspense himself", Sir Alfred Hitchcock, und seinem wenig bekannten, aber beeindruckenden Farbfilm-Debüt "Cocktail für eine Leiche" (Originaltitel: Rope).

Philip und Brandon

Philip und Brandon | Universal Pictures

Philip und Brandon - Universal Pictures


Handlung: Die beiden ehemaligen Harvard-Studenten Brandon Shaw (John Dall) und Philip Morgan (Farley Granger) strangulieren ihren alten Kommilitonen David Kentley (Dick Hogan) im Wohnzimmer ihres Appartements zu Tode. Anschließend verstecken sie die Leiche in einer schweren Büchertruhe mitten in der Wohnung. Dabei handeln sie nicht aus niederen Beweggründen, sondern weil sie überzeugt sind, zu einer geistigen Elite zu gehören. Inspiriert von den Abhandlungen ihres Professors Rupert Cadell (John Stewart) sehen sie diese Tat als intellektuelle Herausforderung an. Um den in ihren Augen perfekten Mord gebührend zu feiern, veranstalten sie sogleich eine Party. Unter den Gästen befinden sich Mr. Kentley (Cedric Hardwicke), Davids Vater, und Mrs. Atwater (Constance Collier), seine Tante. Ebenso die Verlobte des Toten, Janet Walker (Joan Chandler), und deren ehemaliger Geliebter Kenneth Lawrence (Douglas Dick), der früher sehr gut mit David befreundet war.

David Kentley

David Kentley | Universal Pictures

David Kentley - Universal Pictures


Kritik: "Cocktail für eine Leiche" aus dem Jahr 1948 war der erste Film, den Alfred Hitchcock selbst produzierte. Dadurch hatte er freie Hand bei der Gestaltung. Seine Möglichkeiten hat er meiner Meinung nach auch sehr gut genutzt. Der Film basiert auf einem Theaterstück, das wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Im Jahr 1924 töteten zwei wohlhabende Studenten der Universität von Chicago, bekannt als Leopold und Loeb, den 14-jährigen Bobby Franks. Ihr Motiv: das perfekte Verbrechen. Dass der Film aus einem Theaterstück entstand, wird schnell klar. Er ist als Kammerspiel in Echtzeit inszeniert und dabei so geschnitten, als wäre es eine einzige lange Einstellung. Gekonnt werden Schnitte durch Schwenks und Zooms verschleiert. So fährt die Kamera auf den Rücken eines Protagonisten oder eine Stuhllehne zu, verharrt dort kurz, schwenkt dann sofort weiter und  ist wieder direkt im Geschehen. Durch diese Art der Inszenierung fühlt sich der Zuschauer als Teil der Handlung, als ein Protagonist der vorgeführten Welt.

v.l. Philip, Brandon und Rupert

v.l. Philip, Brandon und Rupert | Universal Pictures

v.l. Philip, Brandon und Rupert - Universal Pictures


Genug der Lobpreisungen für Alfred Hitchcock, die Darsteller machen einen ebenso guten Job vor der Kamera wie der Regisseur dahinter. Besonders stechen Dall, Granger und Stewart hervor. Dall spielt seine Rolle als überheblicher und eiskalter Mörder mit einer Überzeugung, die den Zuschauer auf seine Seite zieht. Man hofft sogar, dass ihm der perfekte Mord wirklich gelungen ist. Auch leidet man mit Granger, dessen Charakter Philip sofort nach dem Mord Gewissensbisse bekommt und sich während der Party immer mehr betrinkt, um mit den Geschehnissen besser klarzukommen.

Mein Fazit: Hervorragende Unterhaltung mit großer technischer Leistung und überzeugenden Darstellern. Genau das Richtige, wenn der Tatort am Sonntag mal wieder zum Sterben langweilig ist.

Cocktail für eine Leiche (Rope). USA 1948. Ab 16 Jahren. 80 Minuten. Regie und Produktion: Alfred Hitchcock. Drehbuch: Arthur Laurents. Mit John Dall, Farley Granger, John Stewart und Joan Chandler.






 

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