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Unterwegs mit zwei Sportkommentatoren  |  24.11.2015  |  10:00 Uhr

Von der Kunst des schnellen Redens

von Thomas Altvater

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"Tooooooooooooor!", "Da ist das Ding!" oder "Auuus, das Spiel ist auuuus!": Fußballkommentatoren machen Fußballspiele zu einem echten Erlebnis, nicht nur für die Ohren. Aber was müssen solche sportbegeisterten Dauerquatscher überhaupt leisten und wie ticken sie? Um das herauszufinden, haben wir zwei Radiokommentatoren bei ihrer Arbeit begleitet und zugehört.

Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl kommentieren zu zweit die Heimspiele des SV Schalding-Heining im Passauer Uniradio. Sie sind das SVS-Radio. Und ihr Arbeitsplatz könnte kaum klischeehafter sein: Ein Raum, etwa sechs Quadratmeter, zwei Stühle, ein großer Tisch, zwischen vielen Kabeln eine kleine Radioausrüstung und vor einer großen Fensterscheibe viel grüner Rasen.

Die Kommentatoren in Aktion

Die Kommentatoren in Aktion | Thomas Altvater

Die Kommentatoren in Aktion - Thomas Altvater


Alles startete mit dem Hochwasser-Benefizspiel des FC Bayern München in Passau vor zwei Jahren, wo Maximilian Blindhuber mit einigen Freunden eine Live-Übertragung im Radio auf die Beine stellte. Durch Zufall lernte er kurz darauf Josef Wetzl kennen. Relativ schnell entstand die Idee, den SV Schalding-Heining im Radio zu kommentieren. Als die zwei Fußballkenner damit auf den Verein zugingen, stießen sie auf große Begeisterung aufseiten der Schaldinger. Zuerst stand für Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl allerdings der Spaß am Kommentieren im Vordergrund. "Wir sind mit Kommentatoren wie Günther Koch aufgewachsen, das hat uns natürlich geprägt". Und mittlerweile hat sich das SVS-Radio etabliert. Rund 500 Hörer verfolgen die Übertragungen pro Spiel, zudem unterstützen Sponsoren das junge Radio. Auch der Verein hilft den beiden Reportern sehr.

Der SV Schalding-Heining ist aktuell der sportlich erfolgreichste Fußballverein Passaus. Die erste Mannschaft spielt seit zwei Jahren in der vierten deutschen Liga, der Regionalliga. Zu den Heimspielen am Reuthinger Weg kommen durchschnittlich etwa 1000 Fußballfreunde. Dem Verein ist der lokale Bezug sehr wichtig. Fast alle Spieler kommen aus dem Passauer Raum. Maximilian Blindhuber, Student in Passau, und Josef Wetzl, Referendar im Umland von Passau, folgen somit auch wenig der Vereinsphilosophie.

Das aktuelle Vereinsheft, die Aufstellung, der Sendungsplan und viel Unordnung

Das aktuelle Vereinsheft, die Aufstellung, der Sendungsplan und viel Unordnung | Thomas Altvater

Das aktuelle Vereinsheft, die Aufstellung, der Sendungsplan und viel Unordnung - Thomas Altvater


Etwa zwei Stunden vor Spielbeginn machen sich die zwei Jungreporter auf den Weg zum Stadion. Die Technik, bestehend aus Mikrofonen, Kopfhörern, Laptop und einem Live-Übertragungsset für das Radio, ist in der Kommentatorenkabine schnell aufgebaut. Josef Wetzl versucht die Mannschaftsaufstellung der Schaldinger taktisch und graphisch zu ordnen, bekommt dabei aber meistens Hilfe von Trainer Mario Tanzer. Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl sind sich einig: "Vorbereitung ist das Wichtigste am Kommentieren".

Während es in der Bundesliga vor jedem Spiel rund 150 Seiten Statistiken über die Mannschaften gibt, arbeitet das SVS-Radio mit etwa drei Seiten pro Spiel: die aktuelle Tabelle, der Zuschauerdurchschnitt der Mannschaften und die persönlichen Daten der Spieler des SV Schalding-Heining. Bereits eine halbe Stunde vor Spielbeginn gehen Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl auf Sendung. Sie geben ihren Hörern einen Überblick über die aktuelle Begegnung und den Saisonverlauf. Außerdem werden vorab aufgezeichnete Interviews mit Trainern oder Spielern gesendet. Pünktlich zum Anpfiff beginnt Maximilian Blindhuber das Spiel zu kommentieren.

Der Blick aus der Kommentatorenkabine

Der Blick aus der Kommentatorenkabine | Thomas Altvater

Der Blick aus der Kommentatorenkabine - Thomas Altvater


Jeder Pass wird kommentiert, jeder Spielzug den Hörern beschrieben. Bei Torchancen wird die Stimme lauter, bei andauerndem Ballgeschiebe leiser. "Unsere Hörer sollen erkennen, dass wir ein Vereinsradio sind. Trotzdem versuchen wir weitestgehend neutral zu bleiben", sagt Josef Wetzl. Besonders schwer sei es, langweiliges Hin-und-her-Gespiele oder Verletzungsunterbrechungen zu kommentieren und trotzdem zu unterhalten. Während dem Spiel spricht immer nur einer der beiden, etwa alle 60 Sekunden wechseln sie sich ab. Ihre Augen verfolgen aufmerksam das Spielgeschehen. Im Sportjargon würde man sagen, dass beide während des Sprechens voll fokussiert, im Tunnelblick sind.

Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl wollen sich ständig weiterentwickeln. Pläne für die Zukunft, wie eine Aufwertung der Technik, gibt es genug. Der sportliche Leiter des SV Schalding-Heining meinte scherzhaft, dass das SVS-Radio bald bekannter sei als der Verein selbst. Und wer weiß, vielleicht werden Maximilian Blindhuber und Josef Wetzl in drei Jahren die Fußballweltmeisterschaft in Russland kommentieren. Dann hört man ihre "Tooooooor"-Rufe nicht nur in Passau, sondern in ganz Deutschland. Talent dazu hätten sie allemal.






 

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