Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




Passau  |  03.05.2016  |  16:32 Uhr

Er war dann mal weg

Johannes Erdt erzählt von seiner Wanderung auf dem Jakobsweg

von Anna Maucher

Lesenswert (21) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken


  • Artikel 9 / 23
  • Pfeil
  • Pfeil




Wanderer auf dem Jakobsweg

Wanderer auf dem Jakobsweg | Johannes Erdt

Wanderer auf dem Jakobsweg - Johannes Erdt


Jeder, der noch Tipps für die Gestaltung der nächsten Semesterferien braucht, sollte jetzt weiterlesen. Denn Johannes Erdt, Student an der Universität Passau, wollte seine freie Zeit nicht mit Party auf Mallorca oder Cluburlaub verbringen. Was Ausgefallenes sollte es sein. Und das ist es dann auch geworden: Er wanderte fünf Wochen lang, von Anfang März bis Anfang April 2016, auf dem Jakobsweg. Der Jakobsweg ist ein Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela in Spanien. Jahr für Jahr wandern ihn Menschen von überall auf der Welt. Auf die Idee gekommen ist Johannes durch die Buchverfilmung "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling, der darin über seine Erfahrungen auf diesem Weg berichtet. Einen Monat später war der Flug nach Frankreich, dem Start der Route, gebucht.

Johannes' Absicht hinter dieser Wanderung war, sich eine Zeit lang mit sich selbst beschäftigen zu können. Der erste Wandertag begann euphorisch. "Nur durch meine Vorfreude habe ich den wahrscheinlich so gut überstanden.", meint Johannes. Denn der erste Tag gilt als der schlimmste der gesamten Strecke. 29 Kilometer sollten gelaufen werden, 1400 Höhenmeter galt es zu überwinden und auf den letzten Kilometern wartete auch noch eine 70 Zentimeter dicke Schneedecke auf die Wanderer. Außerdem regnete es, wie die meiste Zeit, die Johannes auf dem Weg verbrachte, sehr stark. Eine Liste mit Herbergen hatte er zum Glück bei seiner Einweisung bekommen. Es gab also genug Möglichkeiten, jederzeit in eine davon einzukehren.

Auch mit Schnee muss man auf dem Weg rechnen

Auch mit Schnee muss man auf dem Weg rechnen | Johannes Erdt

Auch mit Schnee muss man auf dem Weg rechnen - Johannes Erdt


Doch was nimmt man für eine fünfwöchige Wanderung eigentlich mit? Den Trekkingrucksack musste Johannes einfach nur aus dem Schrank holen. Zusätztlich wurden in einem bekannten Outdoor-Laden noch eine Regenjacke, richtige Trekking-Schuhe mit gutem Profil und eine Regenabdeckung für den Rucksack gekauft. "Die Regenjacke war die beste Entscheidung meines Lebens.", lacht Johannes. Einen Fehler gesteht er sich jedoch ein: "Ich hatte nur eine Jeans dabei und hätte sie an einem Abend fast abgefackelt", erzählt er. "Man musste die regennassen Klamotten immer irgendwie trocknen und einmal habe ich sie auf einen Ofen gelegt. Jetzt habe ich halt ein Brandloch in einer meiner Hosentaschen - aber auch eine lustige Erinnerung."

Eine "eingebrannte" Erinnerung

Eine "eingebrannte" Erinnerung | Johannes Erdt

Eine "eingebrannte" Erinnerung - Johannes Erdt


Essen und vor allem Trinken sollte man natürlich auch genug mitnehmen, um den Tagesmarsch gut bestehen zu können. Abends konnte man dann in den Herbergen kochen und essen und es gab meistens Möglichkeiten zum Einkaufen. "Man musste sich mit den Ladenbesitzern mit Händen und Füßen verständigen. Daran merkt man, dass die meisten Dörfer, wo man durchkam, keine Touristenhochburgen waren. Und genau das war so authentisch."

Das Interessanteste an der Reise sind die vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, denen man begegnet. "Man lernt viele Leute kennen. An ein paar Tagen läuft man zusammen und redet. Mit manchen beläuft es sich nur auf den üblichen Smalltalk, mit anderen kommt man aber auch wirklich in ernste Gespräche, in denen man auch Persönliches preisgibt. Das war etwas Neues für mich und auch wirklich inspirierend." Ein großer Vorteil der unterschiedlichen Kulturen: Man konnte kulinarisch in den Herbergen viel ausprobieren. Über koreanisches Hühnchen bis zu italienischer Carbonara - alles wurde zusammen in den Herbergsküchen gekocht und miteinander geteilt.

Die Prozession während der Semana Santa in Léon

Die Prozession während der Semana Santa in Léon | Johannes Erdt

Die Prozession während der Semana Santa in Léon - Johannes Erdt


"Ein besonderes Erlebnis während meiner Wanderung war für mich die Semanta Santa, die Osterwoche, in Léon", erzählt Johannes. "Hunderte Leute liefen durch die Straßen mit langen Kutten und Spitzhauben, die im ersten Moment an den Ku-Klux-Klan erinnern. Aber natürlich hat die Prozession nichts damit zu tun. Ein Orchester spielte permanent  und so wurde die perfekte Gänsehautathmosphäre geboren. Das war einfach nur unglaublich beeindruckend."

Was Johannes von seiner Reise mitnimmt? "Ich weiß jetzt, dass ich solche großen Ziele erreichen kann. Und dass man nicht immer auf Verkehrsmittel angewiesen sein muss, sondern auch mal 30 Kilometer zu Fuß laufen könnte. Theoretisch." Für die meisten Pilger waren es keine religiösen Motive, die sie auf den Jakobsweg geführt haben, sondern einfach die Herausforderung. "Und ich würde es auf jeden Fall wieder machen."

Am Ziel: Santiago de Compostela

Am Ziel: Santiago de Compostela | Johannes Erdt

Am Ziel: Santiago de Compostela - Johannes Erdt


Falls einige von euch auf den Geschmack einer Wanderung auf dem Jakobsweg gekommen sind, hat Johannes hier auch ein paar Ratschläge auf Lager: "Nehmt nicht zu viel Mist mit, sondern wirklich nur das Nötigste. Keiner braucht Kamera-Sets oder einen Schminkkoffer auf einem 30-Kilometer-Tagesmarsch. Das schmerzt nur und nimmt einem den Spaß an der Sache."

Außerdem sollte man sich Zeit lassen. "Es gab Wanderer, die sind nach einem strikten Plan jeden Tag durchgehetzt. Man sollte in Ruhe laufen und sich nicht stressen lassen." Und ganz wichtig: "Nicht dauernd ablenken lassen, sondern auch mal Zeit mit sich selbst verbringen." Das heißt, auch mal die Kopfhörer rausnehmen und das Handy ausmachen. Am besten für die ganze Wanderung. Sich lieber mit den Menschen austauschen anstatt die Abende in den Herbergen am Smartphone zu verbringen. Und auch wenn es schön ist, gemeinsam zu laufen, so sollte man eben doch auch einen Teil des Weges alleine gehen. Eben genau um sich mit sich selbst zu beschäftigen, was ja auch Johannes' Idee hinter dem Weg war. Und was den Jakobsweg für ihn zu einer einmaligen Erfahrung gemacht hat.

Eure Anna






comments powered by Disqus


Dokumenten Information
Copyright © PNP-Campus 2018
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am




Über HUMANSOFPASSAU




Eine Stadt - viele Gesichter.
Wir wollen euch mit unserem Blog einen Einblick in inspirierende Lebensgeschichten der Menschen in Passau geben.
Auf euch warten besondere Straßeninterviews - von witzigen bis hin zu ernsten und ganz besonderen, persönlichen Geschichten. Lasst euch überraschen, welche einzigartigen Menschen hinter ihren alltäglichen Masken stecken. Vielleicht betrachtet ihr sie das nächste Mal mit ganz anderen Augen.
Folgt unserem Blog und erfahrt Außergewöhnliches über die HUMANSOFPASSAU!

Eure Caro, Leila, Anna, Veronika, Hannah und Ramona


Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




Limitierte Aktion


Jetzt das Studentenabo der Passauer Neuen Presse bestellen und gratis BIBBAG sichern! [mehr]








realisiert von Evolver