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Passau  |  25.01.2016  |  13:00 Uhr

Kein Zutritt unter 18 Jahren!

Auf Tuchfühlung mit Beate Uhse

von Veronika Pichlmair

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"Mama, warum geht der Mann da in den Laden, wo es Frauenanziehsachen gibt?" "Boah, schau mal, die geht da jetzt ernsthaft rein!" Jeder geht dran vorbei und jeder beäugt ganz interessiert diejenigen, die sich hineintrauen. Die Rede ist von Beate Uhse in der Bahnhofstraße.

Die erste Abschreckung gleich an der Tür. Minderjährige haben keinen Zutritt.

Die erste Abschreckung gleich an der Tür. Minderjährige haben keinen Zutritt. | Leila Oueslati

Die erste Abschreckung gleich an der Tür. Minderjährige haben keinen Zutritt. - Leila Oueslati




Auch Anna, Leila und ich standen mehr oder weniger selbstbewusst vor dem Ladeneingang. "Kein Zutritt für Jugendliche unter 18 Jahren" steht da. Was macht man nicht alles für die Wissenschaft, denken wir uns und betreten das Geschäft. Kaum sind wir drinnen, verfliegt jedes Vorurteil. Auf den ersten Blick ist es eine Mischung aus dm, Wäscheabteilung bei H&M und Nanu-Nana. Klar hängt dort das ein oder andere pikante Teilchen - Sexshop bleibt Sexshop. Doch die Atmosphäre ist ganz anders als erwartet. Nicht zuletzt wegen Werner Tekampe, dem Filialleiter der Passauer "Beate".

Ein Blick in den Laden.

Ein Blick in den Laden. | Leila Oueslati

Ein Blick in den Laden. - Leila Oueslati


Der gebürtige Nordrhein-Westphaler ist gelernter Maurer. Da ist die Frage naheliegend, wie es ihn ausgerechnet nach Passau zu Beate Uhse
verschlagen hat. "Ich hatte einen Verkehrsunfall auf dem Heimweg von der Arbeit und war längere Zeit im Krankenhaus. Durch eine Bekanntschaft dort hat es mich hierher nach Passau verschlagen. Leider musste ich bald feststellen, dass mir meine frühere Arbeit aufgrund meines Unfalls nicht mehr möglich ist." Bei der Jobsuche ist ihm schließlich die Stellenanzeige von Beate Uhse aufgefallen. "Da habe ich mir erstmal auch gedacht, Beate Uhse, das ist doch ein Sexshop, da schaust du lieber mal nach was anderem!" Allerdings, wegen der langen Krankheitsgeschichte und den damit verbundenen Umständen, siegte im Februar 1992 letzten Endes dann doch "Team Beate".

Auch an Scherzartikeln fehlt es im Laden nicht.

Auch an Scherzartikeln fehlt es im Laden nicht. | Leila Oueslati

Auch an Scherzartikeln fehlt es im Laden nicht. - Leila Oueslati


Vom Bau zu dieser besonderen Art von Verkauf war es allerdings eine ziemliche Umstellung. Natürlich auch verbunden mit einer neuen, zusätzlichen Ausbildung, schließlich wird man nicht von heute auf morgen zum Filialleiter befördert. "Nach fast 25 Jahren habe ich mir dieses Geschäftsgebaren dann allerdings doch sehr gut einverleibt", lacht Herr Tekampe. Einiges möchte er auch in Zukunft nicht missen: "Der besondere Umgang mit den Menschen gefällt mir hier sehr gut. Klar ziehen einen in der Branche manche runter, aber die meisten ziehen einen dann doch wieder hoch! Das einzige, was ich mir als Alternative vorstellen könnte, wäre, danach in Rente zu gehen", scherzt er.

Leila stöbert gleich mal in der Erotik-Roman-Ecke...

Leila stöbert gleich mal in der Erotik-Roman-Ecke... | Anna Maucher

Leila stöbert gleich mal in der Erotik-Roman-Ecke... - Anna Maucher


Zweifellos macht man in einem Sexshop auch kuriose Begegnungen. "Am Anfang meiner Beate-Uhse-Zeit kam auf einmal eine Reihe Nonnen rein. Ich habe natürlich gleich gefragt, ob ich ihnen helfen kann, doch die haben sich gar nicht stören lassen. Sie haben geschlossen eine Runde durch den Laden gedreht und sind wortlos wieder rausmarschiert. Da dachte ich mir dann schon, dass die sich hier wohl vertan haben", amüsiert sich Herr Tekampe. Lustig wird es auch, wenn die Kundschaft aus seiner Heimat Nordrhein-Westphalen kommt: "Die meinen dann natürlich, niemand versteht sie hier, wenn sie Plattdeutsch reden. Dann spreche ich sie extra auf Platt an. Klar ist das erst mal sehr peinlich, dass ausgerechnet in Beate Uhse jemand aus ihrer Gegend arbeitet und jedes Wort versteht. Solche Begegnungen sind jedes Mal witzig", erzählt er augenzwinkernd.

Nicht nur Spielzeug: Beate Uhse hat auch ein großes Dessous-Sortiment.

Nicht nur Spielzeug: Beate Uhse hat auch ein großes Dessous-Sortiment. | Leila Oueslati

Nicht nur Spielzeug: Beate Uhse hat auch ein großes Dessous-Sortiment. - Leila Oueslati


Ärgerlich ist es allerdings, wenn Leute im Geschäft abfällig reagieren. "Klar ist nicht alles nach dem eigenen Geschmack, aber man muss es schließlich nicht an Ort und Stelle rausposaunen." Oftmals wird das Geschäft auch mit gewissen Etablissements verwechselt: "Da kommen dann Männer und Frauen hier rein und fragen 'Na, wo kann man hier...'. Also wir hier sind ein Geschäft. Nichts weiter", macht der Filialleiter deutlich. Nach der Image-Aufbesserung des Unternehmens 2007 kamen Vorfälle wie dieser allerdings nicht mehr häufig vor. "In vielen Menschen ist dieses schmuddelige Image des Ladens noch so drinnen. Und wenn einer negativ eingestellt ist, dann wird das weitergetragen. Die Leute lassen sich auch schnell auf irgendwelche Klischees ein. Ich habe schon viele Kunden erlebt, die meinten 'Mensch, ich hab mir das hier drin ja ganz anders vorgestellt!'"

In diesem Sinne: Ob ihr nun mal bei Werner Tekampe in der Bahnhofstraße vorbeischaut oder nicht - lasst euch nicht immer vom äußeren Eindruck beirren und macht euch euer eigenes Bild!

Eure Veronika






 

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