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Passau  |  04.01.2016  |  09:00 Uhr

Malen mit der Kamera

Die Künstlerin Elke Rott erzählt uns aus ihrem Leben

von Anna Maucher

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Elke Rotts Arbeitsplatz mit ihren neuesten Werken: Stickbilder

Elke Rotts Arbeitsplatz mit ihren neuesten Werken: Stickbilder | Anna Maucher

Elke Rotts Arbeitsplatz mit ihren neuesten Werken: Stickbilder - Anna Maucher




"Kunst soll schön sein, aber auch weit darüber hinaus reichen." Das ist das Motto, nach dem die freischaffende Künstlerin Elke Rott arbeitet. Und dazu hat sie mir viel erzählt, als ich sie in ihrer Wohnung mitten im Herzen der Passauer Altstadt getroffen habe. Denn von dort aus arbeitet sie auch. Ihr ehemaliges Atelier konnte dem Hochwasser 2013 leider nicht standhalten. Damals ein Riesen-Schock für Frau Rott, weil natürlich auch einige ihrer Kunstwerke zerstört wurden. Aber sie bleibt positiv: "Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich sowieso lieber daheim arbeite." Was mir als erstes auffällt, als ich die Wohnung der Künstlerin betrete: An den Wänden hängen kaum Bilder. Woran liegt das? "Wenn ich den ganzen Tag meine eigenen Bilder anschauen müsste, würde ich irgendwann verrückt werden", erklärt sie mir lachend.

Dem ein oder anderen von euch wird Elke Rott vielleicht bekannt vorkommen: Sie war nämlich im Wintersemester 2014/15 an der Universität Passau als MuKlerin eingeschrieben. Zum Sommersemester hat sich die 45-jährige Künstlerin aber wieder exmatrikuliert. "Ich habe immer bereut, dass ich in jungen Jahren nicht studiert habe", meint sie. "Und als es dann endlich soweit war, habe ich gemerkt: Das ist doch nicht das Richtige für mich." Es gab noch einen weiteren wichtigen Grund. Oder besser gesagt zwei Gründe. "Ich musste so viel Zeit mit meinen Kindern einbüßen. Und das war wirklich das Schlimmste für mich."

Malen mit Licht

Eine ihrer Fotografien: Der Phönix aus der Asche

Eine ihrer Fotografien: Der Phönix aus der Asche | Elke Rott

Eine ihrer Fotografien: Der Phönix aus der Asche - Elke Rott


Frau Rott malt nicht im traditionellen Sinn: "Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber das ist mir zu schmutzig. Die Farben sind auf den Klamotten, dem Boden und an den Wänden verteilt." Sie malt mit der Kamera. "Fotografieren kommt aus dem Griechischen und heißt Malen mit Licht. Und genau das mache ich. Ohne Photoshop. Alle meine Bilder sind unbearbeitet."
Vor allem eines ihrer Werke hat es mir sehr angetan: Der Phönix aus der Asche. Es zeigt Passau, angestrahlt von der Sonne. "Damit wollte ich zeigen, dass das Hochwasser hier auch durchaus seine guten Seiten hatte. Natürlich ist es furchtbar, dass so viele Menschen ihr Haus oder ihre Betriebsstätte verloren haben. Aber nach dem Hochwasser wurden alle diese Häuser, auch diejenigen, die es vorab längst nötig gehabt haben, renoviert. Und jetzt erstrahlen sie in neuem Glanz und sehen teilweise besser aus als vorher."

Die Eisherzen werden im Osterhofener Kunstpark montiert

Die Eisherzen werden im Osterhofener Kunstpark montiert | Brotzaki, Kulturamt Stadt Osterhofen

Die Eisherzen werden im Osterhofener Kunstpark montiert - Brotzaki, Kulturamt Stadt Osterhofen


Eines ist Elke Rott sehr wichtig: "Meine Bilder sollen immer auch einen gewissen Hintergrund haben." Ihre Kunst soll also die Menschen ansprechen und eine Aussage vermitteln. Denn einfach nur schön sein, "das kann Heidi Klum auch. Wobei die ja, wie in der Kunst auch, Geschmackssache ist", lacht Frau Rott.
Eine ganze Reihe von Werken hat die Künstlerin Wasser und Eis gewidmet. Eines ihrer berühmtesten Projekte, das man zum Beispiel ganz in unserer Nähe am Kunstweg Ruderting bewundern kann, sind die Eisherzen. Skulpturen, die zum Glück nicht einfach wie Eis wegschmelzen, sodass Elke Rott sie in ihren Fotografien immer wieder neu in Szene setzen kann.

Ich bin noch skeptisch. Kann man denn von Kunst auch wirklich leben? "Ich mache ja viele verschiedene Sachen, die aber alle mit Kunst zu tun haben", erklärt mir Frau Rott. Sie gibt zum Beispiel Kunstkurse an Schulen, gestaltet Plakate, Visitenkarten und andere graphische Arbeiten für Firmen, wird von der Stadt Passau für Projekte beauftragt und natürlich verkauft sie auch viele ihrer Werke. Übrigens: Jeder kann sich ein Bild von Elke Rott als Postkarte in der Altstadt holen.

Lebenslauf einer Künstlerin

Eis und Wasser sind wichtige Themen in Elke Rotts Bildern

Eis und Wasser sind wichtige Themen in Elke Rotts Bildern | Anna Maucher

Eis und Wasser sind wichtige Themen in Elke Rotts Bildern - Anna Maucher


"Richtig lernen kann man die Kunst nicht. Man braucht einfach die innere Einstellung dafür", meint Frau Rott. An der Fachoberschule für Gestaltung in Straubing und als ausgebildete Grafikerin hat sie zwar die Grundkenntnisse erlernt, aber die Leidenschaft muss natürlich trotzdem da sein. Künstlerin zu werden war schon immer ihr Traum. "Ich habe immer gemalt, modelliert, gezeichnet. Und ich habe als Kind schon viel nachgedacht und versucht, Zusammenhänge herzustellen. Eine meiner ersten Überlegungen, an die ich mich erinnere, war, warum es statt Wörtern keine Bilder gibt. Das hat mich tagelang beschäftigt", lacht sie.

Während ihrer Karriere hat Elke Rott auch viele Auslandsstipendien erhalten. Das heißt, sie durfte in einem bestimmten Land wohnen und arbeiten und am Ende ihre Werke in einer Ausstellung präsentieren. "Es ist immer spannend für mich zu sehen, wie Künstler in anderen Kulturkreisen arbeiten."
Es gab ein Erlebnis, das Frau Rott und dadurch auch ihre Kunst wirklich geprägt hat. Eine Reise nach Ägypten im Jahr 2000. Dort war sie mit ihrer besten Freundin und ihren zwei Kindern unterwegs. Gebucht war eigentlich ein All-Inclusive-Urlaub, daraus geworden ist das Abenteuer ihres Lebens. "Zu verdanken haben wir das einem Einheimischen, den wir dort kennen gelernt haben. Der hat uns mit zu seinem Beduinen-Stamm genommen und wir waren zwei Wochen mit ihnen in der Wüste unterwegs", erinnert sich Frau Rott. "Die Menschen. Die Kultur. Das Fremde dort hautnah zu erleben. Das hat mich wirklich stark geprägt."

Elke Rott wollte ganz bewusst südlich der Donau leben

Elke Rott wollte ganz bewusst südlich der Donau leben | Eckelt

Elke Rott wollte ganz bewusst südlich der Donau leben - Eckelt


Aber natürlich ist das Künstlerdasein nicht immer leicht. Ich wollte wissen, ob sie auch schon mal daran gedacht hat, den Beruf aufzugeben. "Ich dachte mir schon, dass die Frage kommt", schmunzelt die Künstlerin. "Ihr wollt wirklich alle Masken fallen lassen." Zu sagen, dass die Künstlerin immer voll gefestigt in ihren Entscheidungen gewesen wäre, sei eine Lüge. "Es gab auch Momente, in denen ich mir dachte: Warum nicht einfach in einem Büro arbeiten. Mit geregelten Arbeitszeiten und geregeltem Einkommen. Ich hab's sogar probiert, aber das ist einfach nicht meine Welt."
Was Elke Rott vor allem am Anfang ihrer Karriere zusätzlich sehr belastet hat, waren Anfeindungen und harte Kritiken. "Inzwischen lasse ich sowas nicht mehr an mich ran", meint sie. "Dafür habe ich zu hart gearbeitet und bin zu weit gekommen."

 Heimatliebe und Fernweh

Elke Rott und ihr mobiles Atelier

Elke Rott und ihr mobiles Atelier | Elke Rott

Elke Rott und ihr mobiles Atelier - Elke Rott




"Ich wollte schon immer gerne weg, zum Beispiel nach Berlin. Aber das fand ich meinen Kindern gegenüber unfair." Elke Rott wohnt und arbeitet seit 20 Jahren in Passau. "Ich liebe Passau. Es ist eine wunderschöne Stadt und als Fotomotiv für mich sehr wichtig. Trotzdem wäre ich gerne ein bisschen mehr unterwegs." Aber da hat Elke Rott einen guten Kompromiss gefunden. Als ihr Atelier quasi im Fluss untergegangen ist, legte sie sich einen kleinen Wohnwagen zu: Ihr mobiles Atelier. Damit fuhr sie zuletzt zu einer Ausstellung nach Prag. Und dann natürlich wieder zurück zur geliebten Innpromenade.

Zum Schluss hat mir Frau Rott, neben einem eingerahmten Ausschnitt eines ihrer Werke, noch etwas mitgegeben. Etwas, das vor allem junge Menschen und Studenten, gerade in Zeiten von vorgefertigten Bildungswegen und der Bologna-Reform, ansprechen soll. Nämlich, dass jeder ein Stück weit aus dem System ausbrechen sollte, wenn einen das näher an sein Ziel bringt. Zusammengefasst: "Lasst euch nicht von eurem Weg abbringen, auch wenn er noch so ungewöhnlich ist."

Eure Anna

Foto-Galerie: Werke von Elke Rott

Werke von Elke Rott





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