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Fitness fürs Gehirn  |  03.12.2016  |  10:30 Uhr

Wettlauf der Idioten

von Jana Weers

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Wann passt es? Wann nicht? Wo passe ich rein? Wo will ich reinpassen? Soll ich denn überhaupt? Und warum? Auch um diese Fragen soll es auf unserem Blog "FitIn" gehen. In meinem Poetry-Beitrag "Wettlauf der Idioten" setze ich mich kritisch mit dem gesellschaftlichen Druck auseinander, sich andauernd selbst optimieren und dabei irgendwelchen fremdbestimmten Idealen hinterherrennen zu müssen.
Viel Spaß beim Anschauen!
 .

Wettlauf der Idioten

Das Rennen beginnt, mal sehn wer gewinnt 
Die Schönheit, die Weisheit, die Klugheit - nein ich gewinn bestimmt!
Durchtrainierte Körper rennen durch die Straßen 
Auf denen früher noch paar Hippies saßen

Ich muss mich verstecken 
Auf meinem Körper sind Flecken 
Mein Bauch ist nicht straff, alles zu schlaff 
Die Beine zu dick, insgesamt gar nicht fit 
Doch ich muss reinpassen, kann es nicht sein lassen

Also renne ich mit, den Idealen hinterher 
Ich muss mich verbessern, das ist doch nicht schwer 
Ich renn nur hinterher, seh nichts anderes mehr 
Als mein besseres Ich in gleißend hellem Licht

Der Wettlauf der Idioten 
Hat schon wieder begonnen 
In Zeiten wie diesen, wenn sich alle bekriegen
Schreien wir laut, wie leise unser Protest ist 
Stampfen wir auf, ganz sanft
Auf dem grotesken Podest der Selbstoptimierung 
Zeigen wir heftig mit allem, was wir sagen 
Dass wir absolut nichts verstanden haben 

Klugheit und Weisheit ächzen nun schon 
Die Schönheit rennt ihnen kalt lächelnd davon 
Und die Masse läuft hechelnd und johlend hinterher 
Ich merke schon langsam, ich kann bald nicht mehr 
Mein Kopf ist voll mit diesen Endorphinen 
Die mich belügen, mich betrügen und nen Egotrip schieben
Meine Gedanken, die fliegen immer weiter weg von mir 
Bis nichts mehr bleibt - mein Körper, mein Revier
Das Blut pumpt mir schmerzhaft durch die brennenden Adern 
Jetzt darf ich bloß nicht mit dem Schicksal hadern 
Meine Beine versagen und ich breche zusammen 
Höre dumpf nur die andern, die mich hinter sich lassen 
Und weiter rennen in den brennenden Wahnsinn

Der Wettlauf der Idioten 
Hat schon wieder begonnen 
In Zeiten wie diesen, wenn sich alle bekriegen
Schreien wir laut, wie leise unser Protest ist 
Stampfen wir auf, ganz sanft 
Auf dem grotesken Podest der Selbstoptimierung 
Zeigen wir heftig mit allem, was wir sagen 
Dass wir absolut nichts verstanden haben

Ich höre ganz leise eine kühle dunkle Stimme 
Sie dringt ganz tief ein in mein Unterbewusstsein
Ich fühl mich ganz klein, beflecktes Ich, hier gibt es kein Licht 
Hier wo ich bin, gibt es nichts, hier bin nur ich!
Und während mir schmerzhaft bewusst wird 
Wie sehr ich versucht habe, einer von vielen zu sein 
Versucht diese Stimme, mein Ich einzunehmen 
Meinen Narzissmus zu angeln, mich damit wieder zu beleben
Doch endlich kann ich sehen und weiß ganz genau
Wer gewinnt, ist letztendlich doch absolut klar
Wie wunderbar, dass die die daneben standen, die Punkte landen 
Gut aussehen tut letztendlich doch niemand 
Das Geld ist verbraten, geht weiter, Soldaten 
Im Gleichschritt in die Verzweiflung 
Hauptsache, ihr bringt Leistung 
Die das Lächeln der Reichen noch breiter macht

Der Wettlauf der Idioten 
Hat schon wieder begonnen 
In Zeiten wie diesen, wenn sich alle bekriegen
Schreien wir laut, wie leise unser Protest ist 
Stampfen wir auf, ganz sanft 
Auf dem grotesken Podest der Selbstoptimierung 
Zeigen wir heftig mit allem, was wir sagen 
Dass wir absolut nichts verstanden haben

Lass dir eins gesagt sein: Du wirst es nie schaffen 
Den Versuch hier hinein zu passen 
Solltest du doch lieber lassen 
Doch du rennst, bis du blutest 
Bis du dann irgendwann vermutest 
Dass es keinen Sinn mehr macht 
Und du zusammenkrachst
Und wenn du dann endlich verstanden hast, dass du nicht perfekt sein kannst 
Ist es schon viel zu spät und du wählst Trump

Meine Kraft und Energie soll darauf gehen 
Fitness deshalb zu machen 
Um mich im Spiegel zu betrachten und mich selbst anzulachen 
Wie hübsch ich doch bin, weil ich Idealen entspreche
Die ich schon deshalb breche, weil es sowas nicht gibt 
Ich bin, wer ich bin und werde deshalb geliebt
Können wir mal aufhören, wo reinzupassen 
Und uns das Leben selbst zu vermasseln
Als ob die Unterschiede das Leben nicht interessanter machen 
Mit viel Eigenliebe und den ganzen anderen Sachen 
Versuchen wir doch gerade, das Leben schöner zu machen 

Doch Selbstdenken gibt's nicht mehr 
Reinpassen ist hier das Motto
Und umso besser du es schaffst 
Desto schwärzer wird die Nacht
Für mich gibt's hier nur nen einzigen Satz:
Ihr könnt mich mal!






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Stay fit!
Eure FitIn-Crew
Sarah, Charlotte, Jana und Isabella

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