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Wissenschaftliche Studien  |  30.01.2016  |  10:00 Uhr

Immer kritisch bleiben

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"Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast". Okay, man muss nicht gleich so weit gehen, wie es dieses leicht abgewandelte Zitat empfiehlt, dennoch ist auch der so objektiven und seriösen Wissenschaft nicht blind zu vertrauen. Denn scheinbar neutrale Daten und klangvolle Expertenbegriffe sind manchmal weniger überzeugend, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

...

Wer hat's finanziert?

Standard der kritischen Überprüfung: sich den Auftraggeber genauer ansehen. Wenn Wissenschaftler beispielsweise behaupten, zum Abnehmen solle man nicht auf Kalorien (also z.B. auf Cola) verzichten, sondern sich einfach ein bisschen mehr bewegen, dann kann man das natürlich glauben und zur Feier des Tages die 3-Liter-Jumbo-Coke auf ex leer trinken. Oder man schaut sich die Studien genauer an und erkennt, dass – welch Überraschung – Coca-Cola das Ganze finanziert
hat. Wenn es um bestimmte Interessengruppen hinter dem Forschungsvorhaben geht, ist Wissenschaft leider noch zu oft intransparent.

Mehr als eine einzelne Studie nötig

Eine Studie reicht und schon heißt es sofort "wissenschaftlich bewiesen". Dabei ist Zurückhaltung angebracht, denn ein wichtiges Kriterium, um Erkenntnisse als einigermaßen gesichert anzuerkennen, ist Reproduzierbarkeit.

Das heißt, auch bei mehrfacher Wiederholung durch andere Forscher sollten diese nicht zu völlig unterschiedlichen bzw. gegenteiligen Ergebnissen kommen. Eine einzelne Studie eignet sich noch nicht für Aussagen zu einem Themenkomplex – was Wissenschaft und Medien leider nicht daran hindert, dies trotzdem zu behaupten.

Mit den Statistiken ist das so 'ne Sache.

Mit den Statistiken ist das so 'ne Sache. - flickr/Frits Ahlefeldt-Laurvig, CC BY-ND




Signifikant irrelevant

Von signifikanten Effekten oder Zusammenhängen ist in Studien meistens die Rede. Keine Sorge, wir wollen jetzt nicht noch einmal Erinnerungen an die schlimmsten Mathestunden hervorholen, nur so viel sei noch einmal erklärt: Mit der statistischen Signifikanz überprüft man, ob Messunterschiede zwischen Variablen zufällig zustande gekommen sein könnten oder nicht.

Doch auch wenn Studien tatsächlich statistisch signifikant sein sollten, müssen sie nicht unbedingt relevant für die Praxis sein. Gerade bei großen Stichproben wird man fast immer eine hohe Signifikanz erhalten, jedoch sagt diese noch nichts über die Stärke der Messunterschiede aus. Das heißt: Auch minimalste Abweichungen, die in der Praxis zu vernachlässigen sind, können stark signifikant sein. Nur die Signifikanz einer Studie anzugeben reicht in der Regel nicht, um die Ergebnisse vollständig und richtig einzuordnen.

Korrelation vs. Kausalität

Ein gern gemachter Fehler ist die Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Korrelation meint, dass zwei Größen gemeinsam steigen bzw. sinken (positive Korrelation) oder dass eine Größe steigt, wenn die andere sinkt bzw. umgekehrt (negative Korrelation). Aber nur weil zwei Variablen korrelieren, heißt das nicht, dass die eine die andere beeinflusst (das wäre Kausalität).

Hohe Korrelation, Kausalität jedoch unwahrscheinlich: Scheidungsrate und Margarineverbrauch

Hohe Korrelation, Kausalität jedoch unwahrscheinlich: Scheidungsrate und Margarineverbrauch - Tyler Vigen




Möglicherweise beeinflussen andere Größen (sogenannte Drittvariablen) das Ergebnis oder es ist einfach nur Zufall. Auf der Website Spurious Correlations
sind einige absurde Beispiele zusammengetragen, bei denen zwei Variablen stark miteinander korrelieren, eine Kausalität jedoch absolut keinen Sinn ergibt. Oder glaubt ihr, dass die Scheidungsrate im US-Bundesstaat Maine wirklich mit dem Pro-Kopf-Verbrauch von Margarine zusammenhängt?

Letztlich sind es auch nur Menschen, die Forschung betreiben. Dementsprechend kommt es zu Fehlern, Schlampereien und leider auch Betrug. In Zeiten, in denen es oft mehr um öffentliche Aufmerksamkeit als um verlässliche Qualität zu gehen scheint, ist es daher umso wichtiger, einen kritischen Blick auf so manche "Sensationsstudie" zu werfen.






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Wissenschaft ist langweilig? Ganz und gar nicht! Wir zeigen Euch, wie spannend und vielfältig Forschung sein kann. Dazu gehören die witzigen Seiten und Wissen, das Euch im Alltag wirklich nützt. Aber auch die Schattenseiten. Also dann: Wälzer weg und Schutzbrillen auf! Wir gehen auf Forschungsreise!

Eure Gscheidwisser,
Christopher, David und Elina

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Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




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