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Pseudowissenschaften  |  11.12.2015  |  14:00 Uhr

Fantasy statt Forschung

von David Liewehr

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Wissenschaftliche Mythen, Verschwörungstheorien und esoterisches Geschwafel finden auch im Jahr 2015 reichlich Anhänger, oft sogar unter dem Deckmantel angeblich seriöser wissenschaftlicher Quellen. Was es mit einigen populären Pseudo-Lehren tatsächlich auf sich hat? Die Gscheidwisser sind in die Welt von Aluhüten, Xavier Naidoo und Kopp-Verlag eingetaucht und haben für euch ein paar Infos zusammengetragen. Perfekt auf den Mondkalender abgestimmt und garantiert chakrenfreundlich.

Aszendent, Medium Coeli oder Ekliptik: Zugegeben, die Begriffe, die die Astrologie verwendet, klingen zumindest halbwegs wissenschaftlich. Das war es dann aber auch schon. Denn die Astrologie, die von einem Zusammenhang zwischen Himmelskörpern und Geschehnissen auf der Erde ausgeht, ist vor allem eines: beliebig. So gibt es "die eine Lehre" der Astrologie schon einmal gar nicht, vielmehr existieren viele verschiedene Strömungen mit jeweils unterschiedlichen und sich zum Teil widersprechenden Aussagen. Beim Sternzeichen kann man sich zum Beispiel entscheiden zwischen Zwilling (westliches Sternzeichen), Holzhund (chinesisch) oder Hirsch (indianisch). Jeweils verbunden mit eigens zugeordneten Persönlichkeitseigenschaften.

Und warum für die astrologischen Lehren nur bestimmte Planeten, Monde und Asteroiden relevant sind, andere jedoch weggelassen werden oder man sogar neue Planeten erfindet (z.B die Transneptuner der sogenannten Hamburger Schule), das ist für Astrologen eben einfach so eine Gefühlssache.

Wer nichts weiß, malt nen Kreis – oder wird Astrologe.

Wer nichts weiß, malt nen Kreis – oder wird Astrologe. | pixabay.com

Sonne, Mond und Sterne beeinflussen unser Verhalten nicht – auch wenn uns die Astrologie anderes weismachen will. - pixabay.com


Doch genau diese Beliebigkeit macht die Astrologie so attraktiv. Erlaubt sie doch willkürliche Aussagen, die Astrologen frei und je nach Gelegenheit passend interpretieren können. Gegen Sätze wie "Haben Sie nichts dringendes zu tun, sollten Sie ausspannen und in aller Ruhe Ihren Gedanken nachhängen" (aus einem Horoskop für den heutigen Freitag) lässt sich auch schwer etwas einwenden. Ich wage daher auch mal eine Vorhersage: Die wöchentlichen Magazin-Horoskope oder Metatron-Anrufungen auf Astro-TV werden wir wohl noch eine ganze Zeit lang ertragen müssen.

Wünschel dir was

Nicht mit den Himmelsgestirnen, sondern mit dem Erdinneren beschäftigen sich Rutengänger ("Radiästheten"). Genauer gesagt suchen sie nach gefährlichen Dingen wie Wasseradern, Erdstrahlen oder feinstofflichen Schwingungen. Gefährlich? Und wie! Schlafstörungen, Depressionen, sogar Krebs können diese Phänomene verursachen. Steht zumindest auf der Website des Deutschen Rutengänger-Vereins.

Wissenschaftlich unsinnig, ästhetisch zumindest fragwürdig: die Wünschelrute

Wissenschaftlich unsinnig, ästhetisch zumindest fragwürdig: die Wünschelrute | Imperial War Museum (CC0)

Schon 1942 genauso wirkungslos wie heute: Rutengänger auf der Suche nach Wasserquellen. - Imperial War Museum (CC0)


Dass wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Wünschelruten, geschweige denn für die Existenz von Phänomenen wie Wasseradern fehlen? Geschenkt. Also lieber schnell die Quelle des Übels finden und einen professionellen Rutengänger engagieren. Schon ab 298 Euro untersucht dieser das Haus auf die unsichtbaren Gefahren aus der Tiefe. Auch das ist dir zu unsicher? Dann leg dir doch gleich eine eigene Wünschelrute zu (passenderweise verlinkt der Deutsche Rutengänger-Verein auf einen entsprechenden Online-Shop). Aber auch hier sollte man nicht leichtsinnig sein: Ob Y-, Winkel- oder L-Rute, das passende Gerät ist stark typabhängig (Gscheidwisser-Empfehlung: Zur Not lieber zur teureren Deluxe-Variante greifen).

Die Kraft des Verdünnens

Globuli: viel Zucker, null Wirkung?

Globuli: viel Zucker, null Wirkung? | pixabay.com

Obwohl eine Wirksamkeit nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, setzen viele Menschen auf Globuli und andere homöpathische Mittel. - pixabay.com


Wenn alles nichts mehr hilft, gib dir die Kügelchen. Globuli und andere Homöopathika sind ja wahre Wundermittel. Die "Wirkstoffe" werden dabei zwar so extrem verdünnt (im Fachjargon: potenziert), dass man nicht einmal mit der Wünschelrute Moleküle davon im Lösungsmittel nachweisen könnte. Aber dafür soll das homöopathische Prinzip aus Verdünnen, pardon, Potenzieren und anschließendem Schütteln den besonderen "Geist" des Stoffes freisetzen – und dieser habe dann besonders heilende Wirkung.

Als Beleg für die Wirksamkeit müssen vor allem Einzelfälle herhalten, seriöse wissenschaftliche Studien haben dafür noch keinen Beweis gefunden. Positive Auswirkungen der homöopathischen Behandlung seien stattdessen auf Placebo-Effekte oder die therapeutischen Gespräche zwischen Patient und Homöopath zurückzuführen (hier ein Beispiel der australischen Gesundheitsbehörde aus dem Jahr 2015).

Aber keine Sorge, es gibt noch genug andere alternative Heilmethoden, die mindestens genauso vielversprechend sind. Bachblüten-Therapeuten oder Quantenheiler beispielsweise warten nur darauf, dir das Geld aus der Tasche zu, äh dir helfen zu können.

Disclaimer: Die Gscheidwisser haben für diesen Beitrag weder Geld noch sonstige Gefälligkeiten von Astronomen, Schulmedizinern oder sonstigen "Mainstream"-Wissenschaftlern erhalten. Für Rechtschreib-, Grammatik- oder sonstige Fehler bitten wir jedoch um Nachsicht. Wir sind wohl einfach schon zu lange Wasseradern, Chemtrails und Co. ausgesetzt gewesen.






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Wissenschaft ist langweilig? Ganz und gar nicht! Wir zeigen Euch, wie spannend und vielfältig Forschung sein kann. Dazu gehören die witzigen Seiten und Wissen, das Euch im Alltag wirklich nützt. Aber auch die Schattenseiten. Also dann: Wälzer weg und Schutzbrillen auf! Wir gehen auf Forschungsreise!

Eure Gscheidwisser,
Christopher, David und Elina

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Hier schreiben Studenten der Universität Passau. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Übung am Lehrstuhl für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Professor Thomas Knieper erstellen sie ihre eigenen Blogs. Darin nehmen sie die Uni von innen unter die Lupe, testen Passaus Lifestyle-Qualitäten oder geben ihren Kommilitonen Tipps fürs Leben als Student.




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