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05.12.2015  |  09:00 Uhr

"Humor und Wissenschaft sind wie Dick und Doof"

von Elina Göhrmann

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Es ist 18:43 Uhr. Vorsichtig schaue ich mich um und sehe, dass sich mit mir ungefähr zwei Dutzend Zuhörer im Hörsaal 6 der Universität Passau eingefunden haben. Überall sieht man aufmerksame Blicke, die nach vorne gerichtet sind. Dort sitzt Professor Michael Suda vom Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der TU München und blättert in einer Zeitung. Moment mal – blättert in einer Zeitung?! Das sollte doch ein Vortrag zur Nachhaltigkeit sein. Irritiert schaue ich mich noch einmal um. Die Aufmerksamkeit gilt eindeutig dem Professor.

Michael Suda Zeitung lesend

Michael Suda Zeitung lesend | Christopher Eichfelder

Michael Suda bei seinem Vortrag in der Universität Passau über das Thema Nachhaltigkeit. - Christopher Eichfelder


"Nachhaltigkeit", wirft er nach ein paar Sekunden in den Raum und schweigt kurz. "Was für ein großes Wort und wie klein sind doch die Schritte der Menschen in diese Richtung." Die nächste Seite der Zeitung wird mit großer Geste aufgeschlagen. Immer wieder tut er so, als würde er Artikel zitieren und unterbricht damit die Stille. Stille, die eindeutig nicht von Müdigkeit kommt. Das alles wird untermalt von großen Gesten. Mit seiner kauzig-lustigen Vorstellung da vorne zieht Michael Suda alle im Raum in seinen Bann. Aber wie schafft er das? Das haben wir uns mal erklären lassen.

Weiter im Text. Oder sollten wir sagen: Nächste Szene? "Ich will heute zeigen, wie schwierig Nachhaltigkeit ist, weil das politische System keine Zeit hat. Und zwar am Beispiel der Simpsons." Schon drückt er auf "Start" und der erste Videoausschnitt beginnt. Gleich am Anfang ertönen schon die ersten Lacher und zwei Reihen hinter mir höre ich jemanden "Ach, die Folge kenne ich" murmeln. Und tatsächlich: Nach und nach baut sich mit jeder weiteren Szene das Bild auf, dass das politische System keine Zeit hat. Sobald ein Problem auftritt (hier die Verschmutzung des Sees), muss in der Politik rasant entschieden werden, was passiert. Bei den Simpsons wirkt das lächerlich, ehrlich gesagt. Aber es ist nicht viel anders, als manchmal in unserer Politik: Es schon eine einfache, vorgefertigte Maßnahme in der Schublade, die ohne weitere Überlegungen eingesetzt wird. Unglaublich schnelle Problemlösung! Gut ist die, wenn dann, nur durch Zufall.

Doch warum zeigt er das gerade mit den Simpsons? "Diese Serie kennt so gut wie jeder", erklärt er. "Und wenn man ein Thema an etwas festmachen kann, das in der Lebenswelt des Zuhörers eine Rolle spielt, dann kann er sich später besser daran erinnern." Und tatsächlich geht mir beim Schauen der Ausschnitte häufiger durch den Kopf, dass ich das irgendwo anders auch schon einmal ähnlich gesehen habe. Beim Merken hilft die Suda-Methode ungemein, das sehe ich an mir. Ob es ein einfaches Rezept gibt?

Es ist 19:36 Uhr. Professor Suda leitet den Schluss ein. "Was sollte man sich also merken?" Er holt von seinem Tisch vier Tücher. Ein rotes für den Problemstrom, ein grünes für den Lösungsstrom, ein blaues für den Politikstrom und ein gelbes für die Person, die alle drei Ströme zusammenbringt. Alle vier stopft er in seine Faust. Ich muss innerlich grinsen, weil ich den Zaubertrick kenne und erstaunt bin, wie gut das Ergebnis zu der heutigen Stunde passen wird. "Wenn man die drei Ströme und die Person zusammenbringt, dann entsteht das Window of Opportunity, der Moment, in dem Politik handeln kann." Mit diesem Worten macht er die Faust auf und zeigt ein einzelnes Tuch, welches aus den vier Farben besteht. Das Abschiedsklopfen der Besucher hört gar nicht mehr auf.






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