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Bond-Seminar  |  20.11.2015  |  10:00 Uhr

Mehr als ein fiktiver Spion

von David Liewehr

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Harte Kämpfe, rasante Verfolgungsjagden und schöne Frauen – das ist es, was der Kinogänger mit den James-Bond-Verfilmungen assoziiert. Doch die Bedeutung der Filme und der Figur 007 geht weit darüber hinaus, wie zwei Wissenschaftler der Uni Passau beweisen. In ihrem Seminar "Kulturkontraste und -kontakte in den James Bond Filmen" untersuchen die beiden "Bondologen" Professor Dr. Christoph Barmeyer und Dr. Jörg Scheffer mit den Studierenden Bonds Bezüge zu Bereichen wie Geographie, Interkulturalität oder Geopolitik. Dafür arbeiten sie sowohl mit Theorien aus der interkulturellen Kommunikationsforschung, der Soziologie und der Kulturgeographie, als auch mit konkreten Filmausschnitten. Ein paar davon haben sich die Gscheidwisser mit ihnen genauer angesehen.

Bond und die Lizenz zum Reisen

Würde Bond Flugmeilen sammeln (wer weiß?!), er hätte sich schon einige Prämien sichern können. An über 140 Orten in 49 Ländern auf vier Kontinenten, sogar im Weltraum ist 007 schon gewesen. Allein der neueste Film Spectre führt ihn nach Mexico City, London, Rom, Österreich und Marokko. Einen Überblick über alle besuchten (terrestrischen) Orte gibt diese Karte von Esri UK:


"Das Reisen in der Welt ist auch einer der Hauptaspekte, die die Bond-Filme für viele so attraktiv machen", meint Dr. Jörg Scheffer. Genau hier setzt das Seminar an und untersucht zum Beispiel Fragen wie: Wie werden verschiedene Räume präsentiert? Mit welchen Symbolen arbeiten die Filme? Wird die Welt auch so gezeigt, wie sie wirklich ist?

Man sehe zwar nichts, was es an den Orten nicht wirklich gebe, meint Scheffer. Dennoch werden fremde Räume und Kulturen oft nur oberflächlich gestreift. Es seien vor allem Stereotype, die schönen, "problembefreiten" Bilder, die die Filme zeigen. Und Professor Christoph Barmeyer stellt fest: Während frühere Bond-Streifen mit Sean Connery und Roger Moore noch mit Kultureigenheiten spielen, dienen die fremden Orte in den neueren Verfilmungen nur als bloße Kulisse.

Bond und die Geopolitik

Nicht nur positive, auch negative Bilder können in den Bond-Filmen einseitig betont werden. Und damit sogar Reaktionen auf politischer Ebene auslösen. Exemplarisch dafür: die Darstellung Nordkoreas im Film Stirb an einem anderen Tag (2002), erklärt Professor Barmeyer. Düstere Bilder, matschig-graue Landschaft, allgegenwärtiges Militär, Zerstörung und Armut – das Bild, das der Film von Nordkorea zeichnete, blieb nicht ohne Folgen: Nordkoreas Regierung fühlte sich derart diffamiert, dass sie in einer Gegenreaktion den Film als Angriff der USA, des "empire of evil", geißelte. Allerdings kann man dem Film auch zugutehalten, Nord- und Südkorea in gemeinsamer Kritik zu einen. Denn auch das Nachbarland empfand den Film als herabsetzend, sah sich als rückständige Nation und "amerikanische Kolonie" präsentiert.

Auf entsprechende Kritik erwidern die Filmemacher häufig, dass es nicht Aufgabe von Filmen sei, die Welt in all ihren Facetten abzubilden. Als weltweit bekannte Filmreihe müsse man die produzierten Bilder und ihren Einfluss aber kritisch untersuchen, wendet Jörg Scheffer ein. Auch, wenn die Produzenten einen politischen Auftrag explizit ablehnen. "Die Wirkmächtigkeit der Filme ist nicht zu unterschätzen", meint Christoph Barmeyer.

Reisen mit James Bond durch Themen, Zeit und Welt: Professor Christoph Barmeyer (fünfter von links) und Dr. Jörg Scheffer (rechts daneben) mit den Studierenden des Seminars.

 

Faszination Bond

Seit mehr als 50 Jahren - und mittlerweile in der 24. Auflage - rettet 007 die Welt. Die Faszination, die von Film und Figur ausgeht, ist dennoch ungebrochen. Das liegt laut Professor Christoph Barmeyer am Wechsel aus Bekanntem (Bösewichte, Frauen, Gadgets) und Variation. Dabei ändern sich zum einen die Schauplätze, die eine Reise an verschiedenste Orte ermöglichen. Die Verfilmungen haben aber auch verschiedene Thematiken, vom Ost-West-Konflikt der 60er bis 80er bis zur Datenüberwachung in Spectre. Außerdem, erklärt Barmeyer, "sehen wir, wie sich Rollenbilder, gerade das der Frau, mit der Zeit entwickeln – von den Bond-Girls bis zu emanzipierten Figuren wie Vesper Lynd oder M". Barmeyer bezeichnet diese Abwechslung auf drei Ebenen als "Themen-, Zeit- und Weltreise", mit denen es der Heldenfigur Bond immer wieder gelingt, neuen Reiz zu entwickeln.

Zwar scheint Daniel Craig in letzter Zeit mit Abschiedsgedanken zu spielen. Doch auch in Spectre heißt es im Abspann wieder: "James Bond will return". Bond wird wiederkommen - und damit auch weiterhin viel spannenden Stoff, sowohl für Kinozuschauer als auch für die Bondologen Barmeyer und Scheffer bieten.






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